Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1186

Rhomberg, Joseph Anton, Historienmaler und k. Professor der Zeichnungskunst an der polytechnischen Schule zu München, wurde am 24. September 1786 im vorarl­bergischen Markte Dornbirn geboren. Er ist ein ehelicher Sohn des im Jahre 1801 verstorbenen Malers Johann Rhomberg, und hat von seiner ersten Knabenzeit an eine große Neigung und Vorliebe zur Malerkunst, und besonders zum historischen Fache derselben gezeigt, daher er die müßigen Stunden, die ihm von der Handar­beit der Landwirthschaft übrig waren, immer dem Zeichnen, und sehr früh auch schon Versuchen der Malerei, jedoch ohne Anleitung, widmete. Diese Neigung zur Kunst hatte endlich eine solche Stärke erlangt, daß er sich, als am 13. Mai 1808 zu München eine königliche Akademie der bildenden Künste gegründet worden war, nach dieser k. Residenzstadt begab, und als Eleve der neugegründeten Kunstan­stalt seines Vaterlandes immatrikulirt wurde. Nach Eröffnung der Kunstakademie, welche am 29. Jänner 1809 statt fand, erhielt Rhomberg im historischen Fache zu Lehrern den Direktor Herrn Peter von Langer und die k. Professoren Robert Lan­ger, Hauber, Seidl und Kellerhofen.

Im Jahre 1813 wurde ihm ein akademisches Stipendium von 150 fl. zu Theil, und im darauf folgenden Jahre 18l4 erhielt er aus der Historienmalerei für die Lösung des vorgeschriebenen Themas »Noes Dankopfer« den ersten Preis mit hundert und zwanzig Dukaten. Nachdem er hierauf im Jahre 1816 die akademische Kunstanstalt verlassen hatte, unternahm er im Jahre 1817 eine Kunstreise nach Wien, wo er sich dreizehn Monate aufhielt, und wo sowohl seine gefertigten Porträte, als seine Ma­lereien aus dem historischen Fache den erwünschten Beifall fanden. Im Jahre 1819 reiste Rhomberg wieder nach München zurück, und beschäftigte sich in diesem und im darauf folgenden Jahre ausschließend mit Entwürfen, und mit der Ausführung historischer Gemälde. Hierauf reiste er zum zweitenmal nach Wien, und arbeitete daselbst zwei Jahre sechs Monate lang nach Beruf und Talent.

Im Jahre 1827 erhielt er eine k. b. Künstlerpension, und bald darauf auch eine Pro­fessur an der neuerrrichteten politechnischen Zentral-Schule zu München, wo er die dienstfreien Stunden noch immer der Historien- und Portätmalerei widmet. Von sei­nen historischen und andern Bildern wollen wir folgende nennen, und zwar

1) Aus dem Porträtfache.
Ein Porträt Sr. königl. Hoheit des Prinzen Karl von Bayern.
Ein Porträt Ihrer Durchlaucht der Frau Fürstin von Wrede; und eines jungen Fürsten dieser Familie.
Ein Porträt Ihrer Durchlaucht, der Frau Fürstin von Löwenstein.

2) Aus dem Historienfache.
Ein Altargemälde in der Pfarrkirche des Marktes Rosenheim, »die Taufe des Heilan­des,« und ein anderes zu Neukalisch in Böhmen, »die heilige Dreifaltigkeit« darstel­lend.
Ein Altargemälde in der Kirche zu Dornbirn, auf welchem Maria mit dem Jesuskin­de, von Engeln umgeben, dem heiligen Dominikus den Rosenkranz und der heili­gen Katharina das Skapulier reicht.
Ein großes Bild, zur Aufstellung am Hauptaltare der Domkirche U. L. F. zu Mün­chen, für die Weihnachtszeit bestimmt, zeigt die Anbetung der Hirten.Eine Sibilla im k. k. Nationalmuseum zu Innsbruck.
Ein Bild, »Christus lehret die Jünger beten;«Ein Bild, »Christus erwecket den Laza­rus vom Tode;«Ein Bild, »Adam und Eva« vorstellend.
Ein Altarbild in der Kapelle zu Polling, »Christus am Kreuze.«
Ein Altarbild in der Pfarrkirche zu Nattenhausen, Ldg. Roggenburg, »Christus am Kreuze,« und neben demselben die Mutter Maria und der heil. Johannes.

3) Aus der Ritterromantik.
Der Ritter Latour erlegt die mit dem Löwen kämpfende Riesenschlange – nach einer Ballade von Kind.
Gado, der Schüler des Weisen, im Gefängnisse.
Der von seiner Geliebten belauschte Minnesänger.

Aus dem Genrefache.
Ein Bild in der Gallerie des Herrn Herzogs von Leuchtenberg zu München.
Eine jammernde Mutter mit ihren Kindern am Meeresstrande, die ihren Ehegatten in der höchsten Gefahr sieht, von den Wellen verschlungen zu werden.
Eine Gebirgsscene, darstellend den Zitherspieler in einer Bauernfamilie. Dieses Bild befindet sich im Besitze Ihrer königl. Hoheit der Frau Konprinzessin von Preußen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


12-01-01 (Rhomberg)