Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1056

Mayer, Johann Ernst, Bildhauer und Professor an der k. polytechnischen Schule in München, geb. den 24. Juni 1776 in Ludwigsburg, Sohn eines Strumpfwirkers be­trat im Jahre 1810 die königl. Kunstschule in Ludwigsburg, widmete sich der Bild­hauerei unter Leitung des Professors Ritter v. Isopi, und wurde 1818 durch den ge­heimen Rath von Klenze nach München berufen, um zu den Verzierungen der Glyp­tothek, Reitbahn etc. die Modelle zu fertigen. In der Zwischenzeit besuchte er die Akademie der Künste daselbst, und kehrte im Jahre 1821 nach Stuttgart zurück, wo ihm der Auftrag wurde, die Büste Ih. Majestät der Königin Wittwe in Marmor auszuführen.

Im Jahre 1822 ging er nach Italien, um sich dort für’s Historische der Skulptur wei­ter auszubilden. In Rom dem Studium der Antike fleißig obliegend, erhielt er da­selbst, durch die Gnade des Königs von Bayern den Auftrag, eine Büste, für die Walhalla bestimmt, in Marmor auszuführen, wurde Schüler Thorwaldsens, und führ­te mehreres für denselben in Marmor aus. Ein Relief, wie Agamemnon, Menelaus und Palamedes zu Ulysses kommen, und ihn zum Zuge wider Troja auffordern, war, während eines beinahe vierjährigen Aufenthalts in Rom, dessen letzte Arbeit.

Im Jahre 1826, als die zum Theil sehr beschädigten Antiken in der königl. Glypto­thek in München ergänzt werden sollten, kehrte er nach München zurück, und wur­de bis 1830 damit beschäftigt; zur selben Zeit festigte er einige Büsten in Marmor zu Monumenten für das neue Palais des Herzogs Maximilian in Bayern, 16 Figuren unter Lebensgröße: die Musen, Mnemosyne, Apollo, Mussgetes, Diana und die Ho­ren, dann 7 Medaillons, bachische Genien vorstellend; alles dies in Stucco zur De­koration eines Saales in obgedachtem Palais. Von den mehr als lebensgroßen Fi­guren für das Giebelfeld der königl. Glyptothek fertigte er zu einer das Modell und führte sie nachher in Marmor aus. In dieser Zeit arbeitete er auch die Büsten meh­rerer berühmten Männer, als Martius, Thorwaldsen, Fürst von Oettingen-Waller­stein; wurde Lehrer an der königl. polytechnischen Schule und bayerischer Un­terthan. Die beiden Genien aus Marmor an dem Sockel des Denkmals von dem Herzoge von Leuchtenberg, in der Jesuitenkirche, gehören auch in jene Zeit.

Im Jahre 1832 machte er eine zweite Statue für den Giebel der königl. Glyptothek aus Marmor; 1833 viele Modelle zu Verzierungen in die Säle der Pinakothek, eben dahin mehrere Reliefs: die 4 Welttheile, die 4 Elemente und die Grazien vorstel­lend; in dem Korridor daselbst viele Köpfe berühmter Maler, alles in Stucco; ferner 4 Candelabres aus Marmor mit kleinen Reliefen für die Walhalla, eine dritte Statue aus Marmor für das Giebelfeld der königl. Glyptothek; 2 große Löwen aus Sand­stein, vor dem Eingang in die Pinakothek und 2 Candelabres aus Marmor für den neuen Königsbau beschäftigten ihn im Jahre 1834 und jetzt. Eine Composition aus der deutschen oder nordischen Mythe, das Giebelfeld einer Walhalla, wird der Grabstichel ins Publikum bringen.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


05-15-56/57 (Mayer)