Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1024

Leeb, Johannes, geb. in Memmingen 1790. Dessen Vater ein Strumpffabrikant, Na­mens Johann Georg Leeb, besuchte die Frühlings- und Herbst-Märkte in Lindau, wo er denn gewöhnlich den Sohn mitnahm.

1804 wurde eben dort die Kaserne für die österreichische Garnison gebaut, und er bekam Lust, Steinmetz zu werden. Dieß theilte er seinem Vater mit, welcher bald Anstalt machte, den Sohn bei dem Steinmetzmeister Naumann in die Lehre zu brin­gen, wo er 1805 auch eintrat.

1807 ward aus Immenstadt ein bejahrter Bildhauer berufen, die Trophäen vor dem Eingange der Kaserne aus Sandstein zu fertigen; diesem wurde er beigesellt, und so erlangte Leeb die ersten Begriffe in dem Dekorationfache.

Im Jahre 1809 verließ er Lindau, und wanderte als Steinmetz in die Schweiz. In Win­terthur, Lausanne und Genf war er bis 1811 in dieser Eigenschaft abwechselnd be­schäftiget, aber von Genf aus begann Leeb eine neue Laufbahn. Dort errichtete auf der Kolonie, eine Stunde von Genf, der reiche Tronctain auf dessen Gut einen Pavil­lon in korinthischer Ordnung, gegenüber dem Montblanc, wozu eine große Parthie der Verzierungen des Hauptgesimses und der Kapitäler Leeb zur Fertigung über­nahm, und dadurch eine größere Fertigkeit in solchen Arbeiten erlangte. Nach Voll­endung derselben reiste er nach Paris, um bei der bel’ Escalier im Louvre beschäf­tigt zu werden, was ihm auch gelang, worauf er 1812 und 1813 abwechselnd im Louvre und Pantheon thätig mitwirkte.

Im Jahre 1814 wurden die öffentlichen Bauten eingestellt, und er benutzte diesen Stillstand dazu, seine Studien in der höhern Plastik zu erweitern, besuchte deshalb Privat-Akademieen, und später l’academie des quatres nations.

Im Jahre 1815, als er von keiner Seite mehr Unterstützung zu hoffen hatte, machte Leeben das Handlungshaus Gorgerat in Paris das Anerbieten, ihm Waaren in Kom­mission zum Verschleisse zu überlassen, welches Geschäft er kurze Zeit betrieb, bis die Alliirten nach Paris zurückkehrten, worauf er durch den königl. Oberst-Kämme­rer, Herrn Grafen Karl von Rechberg, Seiner Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayern empfohlen, und mit der angekauften Albanischen Kunstsammlung nach München gesendet wurde, woselbst er dann zwei Jahre hindurch nach den Entwür­fen des Hrn. v. Klenze für die königl. Glyptothek Verzierungen und Gyps-Modelle ausführte.

Ein unbesiegbarer Hang zur höhern Plastik führte Leeben inzwischen immer auf neue Versuche. Nachdem er eine Leda lebensgroß gefertigt hatte, erhielt er auf zwei Jahre ein Reisestipendium, um sich in Italien in der Kunst zu vervollkommnen.

Im Jahre 1817 reiste er mit dem Architekten, Hrn. Thürmer, durch die Schweiz über den Simplon nach Rom, studirte fleißig nach Antiken, und stellte 1819 bei der Kunst-Ausstellung, welche zu Ehren Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich auf dem Kapitol veranstaltet wordrn war, eine Bachantin so wie auch ein Basrelief mit den drei Horen, welche den Pegasus pflegen, dort auf.

Im Jahre 1820 reiste er nach Neapel, wo er durch den trefflichen Beschützer der Künste, den Marquis de Poublon, bei dem Herzog d’Alba eingeführt wurde, der eine Bestellung nach seinem Sinne machte. Leeb entwarf dessen zufolge eine Gruppe des Hülas mit der Nymphe Efidazia, und dieselbe wurde in Lebensgröße in Marmor ausgearbeitet.

Als im Jahre 1821 der Herzog Neapel verließ, kam diese Gruppe in den Besitz Sr. Exzellenz des Herrn Generallieutenants Baron v. Koller, welcher sie nebst andern Kunstgegenständen auf sein Gut an der Elbe bei Prag einschiffen ließ; aber das Schiff strandete in der Meerenge von Gibraltar, jedoch soll die erwähnte Gruppe vom Strandrechte wieder vorgefunden, und in Spanien verkauft worden seyn; nä­here Notizen hierüber fehlen.

Auch eine Psyche in Marmor, und das Portrait des berühmten Paganini, verfertigte L. in Neapel.

Im Jahre 1823 kehrte er wieder zurück nach Rom, und arbeitete in dem Atelier des Ritters Albert v. Thorwaldsen, als er von Sr. Königlichen Hoheit dem Kronprinzen von Bayem den ehrenvollen Auftrag erhielt, für die Walhalla mehrere Brustbilder in Marmor zu fertigen. Im Oktober desselben Jahres wurde von dem königl. würtem­bergischen geheimen Legationsrath von Kölle für Se. Maj. den König von Würtem­berg einer der vier Evangelisten – Mathäus nämlich – nach der Skizze und Leitung des Ritters von Thorwaldsen, für die Grab-Kapelle auf den Rothenberg bei Stutt­gart in Marmor bestellt. Zur nämlichen Zeit erhielt er von Sr. Erlaucht dem Grafen von Schönborn in Rom den Auftrag, nach seiner Skizze einen schlafenden Amor in Marmor zu machen, mit welchem er sehr viel Beifall ärndtete, und welcher gegen­wärtig in Reichertshausen aufgestellt ist.

Im Jahre 1824 verfertigte er ein nach dem Vorgebirge der guten Hoffnung be­stimmtes Brustbild in Marmor.

Ein junges Mädchen, die Unschuld bezeichnend, mit Amoretten, führte er ferner in Marmor aus.

Im Jahre 1826 verließ er Rom und ging nach München, woselbst er den Auftrag er­hielt, für den großen Odeons-Saal die Büsten zehn der berühmtesten Komposi­teurs, als: Mozart, Beethoven, Haydn, Händel, Gluck, Mehul, Weber, Winter, Cima­rosa und Vogler anzufertigen.

Im Jahre 1827 modellirte er nach Irlbach für S. Exz. den Herrn Grafen de Bray, aus dem Leben Odysseus, 35 Fuß lange Basreliefs, woselbst auch das Basrelief in Mar­mor, die drei Horen mit dem Pegasus vorstellend, aufgestellt ist; führte für die kö­nigl. Glyptothek in das Giebelfeld zwei Statuen in Marmor aus, und in der neuen königl. Residenz dekorirte er einen – in der Pinakothek aber zwei Säle nach den Entwürfen des Herrn geheimen Rathes von Klenze.

In die Kirche nach Niederaschau verfertigte er aus ganz weißem Marmor, das 15 Fuß hohe Denkmal des 92jährigen Greisen, Sr. Exzellenz Hrn. Grafen Max v. Prey­sing.

Im Jahre 1828 fertigte er ein Denkmal von schwarzem Marmor in die Kirche nach Donzdorf, für die Frau Ministerin, Gräfin von Rechberg, dann das Denkmal des bayerischen Geschichtschreibers, Lorenz von Westenrieder, für den Münchner Kirchhof; ferner unter dem Vestibul des allgemeinen Krankenhauses zwei Denkstei­ne für die verdienstvollen Männer, Simon und Xaver v. Häberl.

Im Jahre 1832 modellirte er nach dem Leben die Brustbilder der drei griechischen Deputirten Botzaris, Miaulis und Kaliopulos, auch eine kleine Statue des Admirals Miaulis in Bronce, auf den Anker sich stützend, und in der Rechten das Fernrohr haltend; so wie das Brustbild Seiner Erlaucht des Herrn Grafen von Bassenheim in Marmor.

Im Jahre 1833 gab er Abbildungen eines Theils seiner plastischen Werke heraus, worunter fünf Blätter, von Mertz in Kupfer gestochen, Figuren und fünf Blätter lithographirte Denkmäler enthalten.

Ferner sind von ihm mehrere Entwürfe in Gyps-Modellen zu öffentlichen Brunnen, als:
1) Eine Scylla.
2) Zwei übereinander stehende Wasserschalen, in deren oberer sich ein Amor ba­det.
3) Der Bavaria-Brunnen; die Bavaria in der Mitte auf einer Säule stehend, und um­her acht bayerische Hauptflüsse; zu den Füßen derselben liegen die Hauptproduk­te eines jeden der acht Kreise.
4) Die Quelle Hypokrene mit dem Pegasus und Bellerophon, unten die bayerischen Minnesänger, als: Wolfram von Eschenbach von der Pfalz, Konrad Graf von Killk­berg, ein Schwabe, Konrad von Würzburg aus Franken, und Heinrich von München, ein Altbayer.
5) Der Brunnen der Venus victrix mit mythologischen Sinnbildern umgeben.

Im Jahre 1834 verfertigte er ein Basrelief in kararischem Marmor, die Verbindung des Rheins mit der Donau vorstellend; der Rhein und die Donau in der Mitte, dann Se. Majestät König Ludwig I. mit Germania zur Rechten, und die Bavaria mit den Annalen der Geschichte zur Linken; ein Genius schwebt oben in der Mitte mit dem Caduceusstab.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


07-10-15 (Leeb)