Artistisches München im Jahre 1835 (1836) / t_1

Adam, Albrecht, berühmter Thier- und Schlachtenmaler, wurde zu Nördlingen 1786 geboren, und von seinem Vater, einem Konditor, zu gleichem Gewerbe bestimmt.

Doch Adam bezeigte schon als Knabe große Neigung zur Kunst, welche theils durch die Sammlung von Kupferstichen, die sein Vater besaß, theils durch einen sehr talentvollen Diletanten, Namens Friedrich Wilhelm Doppelmayer, welcher ge­genwärtig als Bürgermeister in Nördlingen lebt, genährt wurde. Er weihte daher jede Freistunde dem Zeichnen und Modelliren, und hatte schon frühe eine vorherr­schende Neigung zur Gestaltung der Thiere. Die Liebe zur Pferdmalerei weckte be­sonders der damals sehr schön besetzte fürstlich Wallersteinische Marstall; und die fürstliche Familie ließ dem Jünglinge, der bis in sein sechzehntes Jahr ohne beson­dere Anleitung die Kunst übte, auch die erste Aufmunterung und Unterstützung angedeihen.

Im Spätjahr 1803 kam Adam nach Nürnberg, wo er an dem Direktor der Zeich­nungs-Akademie, Christoph Zwinger, und an dessen trefflichem Sohn, Gustav, theil­nehmende Freunde fand, welche ihm in Allem, was die Kunst befördern konnte, Beistand leisteten. In dieser Stadt verließ er die Konditorei ganz, und erwarb sich anfangs seinen Unterhalt durch Formenschneiden.

Eine ergiebigere Quelle fand er bald in der Portraitmalerei, die jetzt, neben seinem Studium nach der Natur und seinem Besuche der Akademie, seine Zeit in Anspruch nahm. Im Sommer des Jahres 1806 besuchte er seine Vaterstadt wieder, und mach­te dort seine ersten Radirungen, welche aus 6 Blättern Jagden und andern kleinen Stücken bestehen.

Im November desselben Jahres gieng er nach Augsburg, beschäftigte sich auch dort mit Portraitmalen, und richtete seine Aufmerksamkeit besonders auf militäri­sche Gegenstände. Im folgenden Jahre machte er mit seinem Freunde L. Rugendas seine erste Reise nach München, wo ihn die Sammlung von Kunstschätzen so sehr begeisterte, daß er sich sogleich entschloß, den künftigen Wohnsitz dort aufzu­schlagen. Er fand daselbst an dem Flügel-Adjutanten, Grafen von Frohberg-Mont­jois und an dem königl. Oberststallmeister Freiherrn von Keßling, Freunde und Gönner, welche zu seinem Fortkommen wesentlich beitrugen. Ersterer nährte be­sonders seine Neigung zur Schlachtenmalerei, und im Jahre 1809 begleitete der Künstler diesen seinen Gönner auf den Feldzügen nach Oesterreich, wo er an des­sen Seite den vorzüglichsten Schlachten beiwohnte.

Bereichert mit einem Portefeuille von interessanten Studien kam er im May dessel­ben Jahres nach Wien, und fand bey den damals dort anwesenden französischen Offizieren große Aufmunterung und viele Beschäftigung. Er malte daselbst viele Portraite zu Pferd, und kleine Episoden aus jenem Kriege, welche ihm den Vortheil verschafften, mit vielen ausgezeichneten Männern jener ewig denkwürdigen Zeit bekannt zu werden.

Die dort verfertigten Werke zogen auch die Aufmerksamkeit des Vizekönigs von Italien auf sich, und der kunstsinnige Fürst erwies dem Künstler die Ehre, ihn in Be­gleitung des Obersten Basaille in seinem Atelier zu besuchen. Zugleich machte er ihm den Antrag, in seine Dienste zu treten. Adam folgte nun diesem Fürsten nach Mailand, wo ihm glückliche Tage blühten. Er begleitete denselben auf allen seinen Reisen und im Felde. Im Jahre 1810 folgte er ihm durch Oberitalien bis nach Anco­na, wo der Künstler die Erlaubniß erhielt, nach Rom zu reisen. Allein ein heftiges Fieber machte seinen Gesundheitszustand sehr bedenklich, und versetzte ihn in die Nothwendigkeit, wieder nach Mailand zurückzukehren. Auch hier konnte er seine verlorne Gesundheit nicht wieder erlangen, die ihm nur dann erst wieder winkte, als er auf heimatlichem Boden einer veränderten Luft genoß. Im März des Jahres 1811 kehrte er nach Italien zurück, fand dort die gewohnte freundliche Aufnahme, und erhielt den Auftrag, für die Fürstin 12 Aquarellzeichnungen aus dem Kriege 1809 zu verfertigen. Zugleich begann er sein erstes großes Schlachtgemälde aus demselben Feldzug, die Schlacht bey Leoben in Kärnthen. Einen großen Theit die­ser Arbeit verfertigte er auf dem Landhause eines Freundes am Comer-See, da die Luft in Mailand immer nachtheilig auf seine Gesundheit wirkte.

Im Frühjahre 1812 war dieses große Bild vollendet. In demselben Jahre vermählte er sich auch, mußte aber bald von der Seite der jungen Gattin, um seinem Fürsten nach Rußland zu folgen. Er begleitete ihn auf allen beschwerlichen Märschen, und in allen Schlachten bis nach Moskau, wo er vierzehn Tage das fürchterliche Schau­spiel der brennenden Stadt vor sich sah. Er ertrug alle Beschwerden dieses Krie­ges, der damals sich sehr in die Länge zu ziehen schien, weßwegen Adam von dem Vizekönig einen sechsmonatlichen Urlaub erhielt. Der Zeitpunkt zur Rückreise war sehr bedenklich, der Weg von schwärmenden Kosacken beunruhigt, und unter gro­ßen Gefahren und Hindernissen legte der Künstler vom 9. September bis zum 20. Dezember seine Reise von Moskau bis nach München zurück.

Im Jahre 1813 langte auch Prinz Eugen auf seinem Wege nach Italien in dieser Stadt an; denn die Armee mußte zum Feldzuge gegen Oesterreich organisirt wer­den. Auch Adam gieng wieder nach Italien, und blieb dort bis zum Sommer des Jahres 1815. In dieser Zeit entstanden viele Kabinetsbilder, welche theils in Italien, theils in Oesterreich zerstreut sind. Bey seiner Rückkehr aus Italien in dem bezeich­neten Jahre erhielt er vom Fürsten den Auftrag, eine Sammlung von Zeichnungen aus diesem Feldzuge zu fertigen, welche bis zum Tode des Herzogs fortgesetzt wurden, und in 83 Blättern ein vollständiges Tagebuch bilden. Diese Blätter sind in gr. 4. auf Papier in Oel gemalt, und werden in der Bibliothek des herzoglichen Pal­lastes zu München aufbewahrt. Später malte er noch mehrere große Schlachtge­mälde, von denen die Schlachten von Raab, von Mosaisk, von Malojaroslawez und von St. Michel gegenwärtig in der herzoglichen Residenz zu Eichstädt sich befin­den. Mehrere Kabinetsbilder, welche er später für den Fürsten malte, sind jetzt in München.

Nach seiner Rückkehr aus Italien richtete auch der höchstselige König Maximilian von Bayern die Aufmerksamkeit auf diesen Künstler, und ließ ihm stets seinen Schutz und seine Gnade angedeihen. Eine bedeutende Anzahl der beßten Werke aus den Jahren von 1817 bis 1824 befinden sich gegenwärtig in der hinterlassenen Sammlung des höchstseligen Königs zu Tegernsee. Andere Bilder von Adam sind im Schlosse des Fürsten Wrede zu Ellingen, an dem derselbe stets einen Gönner fand.

Um diese Zeit beschäftigte Adamen auch ein anderes großes Unternehmen. Der Künstler fertigte nämlich in Rußland mehr als 300 interessante Zeichnungen der merkwürdigsten Ereignisse, und gab die vorzüglichsten in 100 lithographirten Blät­tern unter dem Titel: Voyage pittoresque militaire, heraus.

Nach dem Tode des Herzogs von Leuchtenberg und des Königs Maximilian trat für denselben eine neue Periode ein. Sein militärisch-malerisches Werk von dem russi­schen Feldzuge, welches einen großen Theil seiner Zeit in Anspruch nahm, richtete die Aufmerksamkeit des Auslandes mehr auf ihn. Im Jahr 1829 kam er nach Wür­temberg, und hatte sich der besondern Gnade des Königs zu erfreuen. Er malte denselben zu Pferde und viele andere Werke, worunter die Bildnisse der vorzüg­lichsten arabischen Pferde, die der König besitzt, eine besondere Sammlung aus­machen. Nach einem einjährigen Aufenthalt verließ er, reich beschenkt von dem Könige, Stuttgart wieder, und hielt sich seit dieser Zeit, mit Ausnahme einiger Rei­sen nach Norddeutschland, namentlich nach Mecklenburg und Holstein, wo er viele Bildnisse edler Pferde verfertigte, größtentheils in München auf.

Die beßten Werke der letzten Zeit, welche von Kennern als die vorzüglichsten die­ses Künstlers überhaupt erkannt werden, befinden sich gegenwärtig in der Samm­lung des Freiherrn Salomo von Rothschild zu Paris. Ueberhaupt sind die meisten und vorzüglichsten Bilder dieses Künstlers im Auslande verbreitet. Außerdem existiren auch viele lithographirte Blätter, theils von ihm selbst, theils von Andern nach seinen Werken gefertiget.

Sein neuestes Werk ist ein großes Gemälde, welches er aus Auftrag des großen Be­förderers der Kunst, des Königs Ludwig von Bayern, verfertiget. Es stellt die Schlacht an der Moskwa dar, und reiht sich an den Cyklus der früher von W. Kobel und P. Heß gefertigten Schlachtgemälde. Bis zum Oktober des Jahres 1835 muß es dem allerhöchsten Befehle zufolge vollendet seyn.

Es dürfte wohl wenige Künstler geben, die sich dem ausschließlichen Studium der Pferde, besonders nach ihren verschiedenen Racen, mit solchem Fleiße gewidmet haben, als Adam. Er hat daher auch als Pferdemaler einen europäischen Ruf. Er weiß die Eigenthümlichkeiten und Formen dieser Thiergattung mit Sicherheit zu geben. Die Korrektheit der Zeichnung, die wohlberechnete Haltung des Ganzen, die Harmonie und Klarheit der Farben, die breite Behandlung bis zu den Beiwerken herab, geben ein vollendetes Bild. Größtentheils sind seine gelungensten Arbeiten auch die schwierigsten, worin er sich am meisten gefällt. Das Pferd in seiner gereiz­ten Natur, in seiner angestrengtesten Kraftäußerung im Schlachtgewühle, sich mü­hend vor dem Pfluge, am belasteten Wagen, darzustellen, gab ihm manchen Stoff, seine Kräfte nicht nur in Schilderungen der mannigfaltigsten und schwierigsten Stellungen dieses Thieres zu versuchen, sondern auch das dabei nach außen stre­bende Leben, den in alle Formen sich ergießenden Charakter zu entwickeln, und somit den Werken Interesse, d. i. Wahrheit und Bedeutung zu geben. Voll Feuer, Wahrheit und Leben sind auch seine Schlachtgemälde.

Adam bediente sich zur Bezeichnung seiner Bilder eines Monograms oder der Initialien A. A.

Adolph von Schaden: Artistisches München im Jahre 1835 oder Verzeichniß gegenwärtig in Bayerns Hauptstadt lebender Architekten, Bildhauer, Tondichter, Maler, Kupferstecher, Lithographen, Me­chaniker etc. Aus den von ihm selbst entworfenen oder revidirten Artikeln zusammengestellt und als Seitenstück zum gelehrten München im Jahre 1834 herausgegeben durch Adolph von Schaden. München, 1836.


27-01-25 (Adam)