Ansbacher Morgenblatt (18.10.1859) / t_116

München, 15. Okt. Im Befinden des Staatsraths v. Beisler war gestern Abends eine plötzliche Verschlimmerung eingetreten, und heute am frühesten Morgen erfolgte dessen Tod.

Hermann, Ritter v. Beisler, der Sohn eines kurmainzischen Beamten, wurde 1790 zu Bensheim in der Pfalz geboren. Er trat 1807 als Lieutenant in die bayerische Armee, wohnte dem Feldzuge in Tirol bei und kämpfte auch 1813 und wieder 1815, vom patriotischen Aufschwung ergriffen, gegen Frankreich mit. Inzwischen aber hatte er seinen Abschied aus dem regulären Dienst genommen und ward bald Generalse­kretär im Justizministerium des Großherzogthums Frankfurt, bei dessen Organisati­on er mitgewirkt hatte; in Folge des ersten Pariser Friedens ging er mit dem Fürs­tenthum Achaffenburg an Bayern über.

Nach längerem Volontärdienst im auswärtigen Ministerium zu München und bei der bayerischen Bundestagsgesandtschaft fungirte er in verschiedenen Städten als Re­gierungsrath, und machte sich als liberaler Charakter geltend. So gerieth er auch später, als Regierungspräsident in Niederbayern, mit dem Bischof Hochstetter in Passau und dem Minister Abel in Conflikt, indem er, wiewohl selbst Katholik, die verfassungsmäßigen kirchlichen Rechte der Protestanten mit Entschiedenheit ver­trat, und ward 1848, wo er als Justiz- und Cultusminister in der deutschen National­versammlung, deren Mitglied er war, für die Kirche eine repräsentative Verfassung mit Theilnahme der Laien am Kirchenregiment verlangte, wegen dieser Kundge­bung seines Portefeuilles enthoben.

Gleichwohl saß er aber dort auf der Rechten, stimmte gegen Aufhebung des Bun­destages, und war unter den Ersten, welche der Versammlung die Befugniß zur Aufstellung einer endgültigen Gesammtverfassung ohne Vereinbarung mit den Par­ticularregierungen, sowie der Errichtung eines Kaiserthums mit Ausschließung Oes­terreichs, widersprachen.

Als hernach die bayerische Kammer in ihrer Adresse unmittelbare Einführung der deutschen Grundrechte verlangte, legte er das ihm inzwischen übertragene Porte­feuille des Innern nieder und kehrte auf seinen bisherigen Posten als Staatsrath und Präsident des obersten Rechnungshofes zurück.

Beisler’s interessante Schriften: »Betrachtungen über Staatsverfassung und Kriegs­wesen« etc. (Frkf. 1822) und »Betrachtungen über Gemeindeverfassung« (Augsb. 1831) zogen ihm wegen ihrer Freimüthigkeit mancherlei Anfeindungen zu. Seine politischen Anschauungen waren aus liberalen und illiberalen Elementen eigen­thümlich gemischt, wie schon diese kurzgefaßten Notizen deutlich machen. (Südd. Ztg.)

Ansbacher Morgenblatt Nr. 244. Dienstag, 18. Oktober 1859.


ML-088/089 (Beisler & Ehlinger & Schedel)