Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler (1913) / t_695

Deurer, Peter Ferdinand, Historien- und Porträtmaler, geb. in Mannheim 5. 1. 1777 (nach anderen 1779), † in München 9. 1. 1844, Vater des Ludwig D., Schüler des zweibrückischen Hofmalers Joh. Chr. Mannlich seit 1793. 1799 half er die nach Mannheim gebrachte herzogl. zweibrückische Galerie nach München retten, stu­dierte dann noch auf den Akad. in Düsseldorf u. Cassel, lebte in Mannheim u. wur­de 1811 (wegen seiner Verdienste um die zweibrückische Gal.) Direktor der Gal. in Augsburg, wo er sich durch seine sehr sorgfältig ausgeführten, außerordentlich ähnlichen Porträts bald einen Ruf machte. 1826 nahm er seine Entlassung und ging nach Rom, wo er seit dem Spätjahr 1829 bis 1843 nachweisbar ist. In diesem Jahre zwang ihn ein Leberleiden, zur Kur nach Kissingen zu gehen; den Winter verbrachte er dann in München, wo er plötzlich starb. D. wohnte mit seiner Frau Michelina in Rom in der via Gregoriana 33 und war öfters Vorstand der Deutschen Künstlerbibl. in Rom. Er studierte dort besonders eingehend Raffael, indem er zahlreiche Kopien nach dessen Bildern anfertigte. Sein bestes Werk dieser Art, eine Kopie der Grab­legung Raffaels nebst der dazugehörigen Predella, befindet sich in der Kunsthalle in Karlsruhe (s. Kat. v. 1910). Eine nach Zeichnung, Form und malerischer Durchfüh­rung treffliche Italienerin besitzt die Städt. Gal. in Mannheim. Im Börsensaal in Augsburg ein großes vielgerühmtes Bildnis Maximilian Josephs I. v. Bayern im Krö­nungsornat. In Augsburg porträtierte D. u. a. ferner die Herren Finanzrat von Schätzler (gest. von Fr. Fleischmann), Wohnlich, Süßkind und Obermaier.

D. hatte in Rom eine kleine Samml. hervorragender älterer Gemälde zusammenge­bracht (vgl. Faber), über deren Verbleib nichts bekannt ist. Sein Porträt zeichnete sein Sohn Ludwig D. 1836 für das Deutsche Künstleralbum in Rom. H. J. Fried wid­mete ihm 1837 ein Gedicht (s. Fried, Epheuranken, Landau 1840 I 297).

Allg. Dtsche Biogr. Bd 47. – F. Faber, Konvers.-Lex. f. bild. Kunst, 1846. – v. Bötti­cher, Malerw. des 19. Jahrh. – Beringer, Gesch. d. Mannheimer Zeichnungsakad. – Kunstblatt, 1844, 1845. – Akten d. Deutschen Biblioth. u. des Dtschen Künstlerver. in Rom, Pfarrb. von S. Andrea d. Fratte in Rom (nach Mitt. von Dr. Fr. Noack).

Beringer.

Beringer: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Ulrich Thieme. Leipzig, 1913.


ML-SP-1-30/31* (Deurer)