Allgemeines Künstler-Lexikon (1872) / t_16

Franz Adam, der zweite Sohn des Albrecht, geb. zu Mailand 1815, als Genremaler des Soldaten- u. Schlachtenlebens sowie in seinen Pferdedarstellungen einer der besten deutschen Meister der Neuzeit. Er schlug die Richtung seines Vaters ein, bekundete aber schon in den Bildern seiner früheren Zeit eine eigene malerische Anschauung (französische Kürassiere in einer Halle während des Brandes von Mos­kau in der Münchener neuen Pinakothek). Franz, der schon im J. 1849 mit seinem Bruder Eugen während des Krieges in Italien Studien gemacht, begab sich 1850 zu gleichem Zwecke nach Ungarn. Angeregt durch die unmittelbare Anschauung, be­kundete sich nun rasch sein ungewöhnliches Talent zur Schilderung des Kriegsle­bens. Schon bei Albrecht Adam war von dem wesentlichen Antheil die Rede, den sein Sohn Franz an den Schlachtenbildern von Novara, Custozza und den Düppeler Schanzen hatte. Die realistische Kunstweise führte Franz A. hier wie überhaupt noch entschiedener durch als sein Vater. Gerade nach dieser Seite bewährte er so­wol in seinen Pferdestücken wie in seinen Kriegsscenen eine besondere Fähigkeit, die, verbunden mit einem gediegenen Naturstudium, es zu hervorragenden Leis­tungen gebracht hat (Reitergefecht bei Volta für den Kaiser von Oesterreich). Eine nicht minder treffende Beobachtung zeigte er gleichzeitig in der Darstellung volks­tümlicher Sitten und Gewohnheiten; dahin gehören eine Anzahl von Bildern aus dem ungarischen Volksleben, insbesondere eine Schiffsfähre am Strande der Theiss mit vielen Figuren und eine Scene an demselben Flusse (eine Heerde Schaafe mit ihrem Hirten und Wallfahrer in einem Schiffe).

Der Künstler hat bis zum J. 1859 namentlich in Oesterreich Anerkennung und Gele­genheit zu mannigfachen Arbeiten gefunden. Ausser kleineren Genrebildern aus dem Soldatenleben, worunter namentlich das Kroaten-Quartier in einer Villa bei Mestre (im Besitze des Kaisers von Oesterreich) hervorzuheben, entstanden dort mehrere lebensgrosse Reiterbildnisse, die das gleiche Geschick des Malers bewie­sen für die Darstellung des Menschen nach dem Leben wie für die scharfe Charak­teristik des Pferdes (ein Werk dieser Art schon aus dem J. 1843: Feldmarschall Fürst Wrede, im Besitz der fürstlich Wrede’schen Familie zu Ellingen). Es sind dies die Portraits des Kaisers Franz Joseph u. vorab Radetzky’s (für das Wiener Arsenal bestimmt, vollendet 1859), letzteres ein Hauptwerk des Meisters. Ausserdem: Feld­marschall-Lieutenant Baron Haynau mit seiner Umgebung auf dem Telegraphen­thurm während der Belagerung von Malqhuera zu Mestre.

Im J. 1859, während des italienischen Feldzuges, befand sich Franz A. mit seinem Bruder Eugen im österreichischen Hauptquartier zu Verona, Villafranca und Valeg­gio. Er sollte die Vorgänge jenes Krieges malen; allein durch äussere Umstände wurde ihm der längere Aufenthalt in Oesterreich verleidet, und so kehrte er noch 1859 nach München zurück. Seltsam ist, dass ihm hier, bei seiner ausgesprochenen Begabung für die Schlachtenmalerei, keinerlei Aufträge von Seiten der Regierung wurden. Und doch hat sich Franz A. namentlich in der Schilderung des Kriegsge­tümmels und der mannigfaltigen Episoden aus dem Feldleben noch neuerdings ausgezeichnet. Er vor Allen weiss die kühne, leidenschaftliche Bewegung des Mo­mentes, die Kämpfenden in ihrer individuellen Lebendigkeit zu erfassen. Selten fehlt das Pferd dabei; es ist immer nach der Natur und mit meisterlicher Sicherheit geschildert. Er hat dann, da ihm selten Gelegenheit zu grösseren Aufgaben wurde, auch selbständige Pferdedarstellungen bis in die neueste Zeit gemalt; am liebsten das wilde ungebändigte Pferd der ungarischen Puszta oder den Soldatengaul, et­was mitgenommen im anstrengenden Dienst, bald im Kampf, bald in der Ruhe des Lagerlebens. Was allen diesen Bildern, und insbesondere den späteren, noch aus­ser der energischen Zeichnung eigenen Reiz gibt, ist die malerische Behandlung. Franz Adam weiss Landschaft und Figuren in eine besondere, der Natur fein abge­sehene Licht- und Luftstimmung zu setzen und darin die Tonmassen wirksam von einander abzuheben. Auch der Vortrag ist meistens malerisch, markig und breit; es sind nur seltene Fälle, wo er in’s Flaue und Verblasene fällt. Eine interessante Leis­tung des Künstlers, die von seinem Talent und Können ein treffliches Zeugniss gab, war das grosse Bild auf der Pariser Weltausstellung von 1867: die Strasse zwischen Solferino und Valeggio am Tage der grossen Schlacht. Sie zeigt diese nicht selber, sondern den Rückzug der verwundeten Oesterreicher hinter der Front der Armee, während zugleich neue Truppen mit Geschützen zum Angriff vorstürmen. Alle Schrecken des Krieges sind hier in der hellgrauen, heissen Luft des Mittags scharf ausgesprochen und mit ergreifender Wahrheit versinnlicht. Nur fehlt es der ausge­dehnten Komposition mit ihren mannigfachen Episoden an einem Mittelpunkt, wie andererseits Licht und Schatten nicht genug zusammengehalten sind. Dennoch bleibt das Bild eine der bedeutendsten Leistungen der neueren Malerei. Die schau­erlichen Folgen des Krieges hat Franz A. nochmals in jüngster Zeit in einem Rückzuge aus Russland 18l2 versinnlicht, ein Bild, das vielleicht zu sehr nur auf ma­lerische Wirkung angelegt ist (Internat. Ausstellung in München 1869). Noch ist der sittenbildlichen Kriegsscenen in kleinerem Massstabe aus den letzten Jahren zu ge­denken, die namentlich auch durch die feine Ausführung ansprechend sind. In die­ser Weise ist ein neueres Bildchen, Gefecht von österreichischen Uhlanen mit pie­montesischen Dragonern aus dem Feldzug von 1859 (gemalt 1868), nicht bloss durch die lebensvolle Bewegtheit, sondern auch durch die malerische Durchfüh­rung von besonderem Werthe; ebenso vier kleine, fast miniaturartig in Oel auf Me­tall gemalte Schlachten aus dem Kriegsleben des bayr. Feldmarschalls Prinzen Karl zu der Decke des diesem von der bayr. Armee nach dem Kriege von 1866 gewid­meten Prachtalbums.

Fr. Adam hat in seiner früheren Zeit nach Zeichnungen und Bildern seines Vaters li­thographirt; schon in diesen Bll. zeichnete er sich durch eine sichere und energi­sche Hand aus.

a) Von ihm nach eigener Zeichnung lithographirt:
1) Transport gefangener Piemontesen aus dem ital. Feldzuge 1848. Für das König-Ludwig’s-Album, 2. Jahrg. 1853. gr. qu. Fol.
2) Franz Joseph I. Kaiser von Oesterreich, im Hintergrunde Truppen. Nach dem Le­ben gemalt. gr. roy. Fol.
3) Ein fehlerfreies Pferd. qu. Fol.
4) Ein fehlervolles Pferd (mit Angabe aller äusserlichen Krankheiten). qu. Fol.

b) Von ihm nach A. Adam lithographirt:
1) Schlacht bei Novara am 23. März 1849. Nach dem grösseren Bilde A. Adam’s im Besitze des Feldzeugmeisters Baron Hess in Wien. Roy. qu. Fol.
2) Wilhelm König von Würtemberg in Generalsuniform auf einem arab. Schimmel­hengst. gr. Fol.
3) Alexander Herzog von Würtemberg in Uniform zu Pferde. gr. Fol.
4) General von Münchingen, kgl. würtemberg. Oberstallmeister in Uniform zu Pfer­de. gr. Fol.
5) Joseph Graf von Beroldingen. Gen.-Adjutant des Königs von Würtemberg, in Uniform zu Pferde. gr. Fol.
6) Baron von Kessling, kgl. bayr. Oberstallmeister zu Pferde in architekt. Umge­bung. 2. Auflage (die erste siehe A. Adam, Lith., Nr. 90). gr. Fol.
7) General Graf Clam-Gallas mit Umgebung bei S. Lucia. gr. Fol.
8) Feldmarschall Graf Radetzky mit seiner Umgebung. Imp. qu. Fol. Nebst Erklär.-Bl.
9) Rückzug aus Russland (1812). Für das König-Ludwig’s-Album. 1855. Tondruck, gr. qu. Fol.
10) Der Hufschmied, oder die Schmiede mit dem kranken Schimmel. Nach dem Bil­de im Besitze des Baron Rothschild in Paris vom J. 1840. gr. qu. Fol.
11) Der Fuhrmann, seine Pferde im Stalle schirrend. gr. qu. Fol. Gegenstück.
12) Sultan Mahmud, Haupt-Beschäl-Hengst des Königs von Würtemberg. gr. qu. Fol.
13) Drei engl. Jagdpferde d. Lord Pembroke. qu. Fol.
14) Bastard,Vollblutpferd d. Lord Pembroke. qu. Fol.
15) Bildnisse vorzüglicher Pferde des Königs von Würtemberg. 2. Lief. in 24 Bll. Stuttgart. qu. 4.
16) Adrast, Gestüthengst, gr. qu. Fol.
17 u. 18) s. Albrecht Adam. c. No. 64) u. No. 65).
19) s. Eugen Adam b. No. 2.

c) Nach ihm gestochen:
1) Elisabeth (Kaiserin von Oesterreich) als Prinzessin Braut zu Pferde im Schlossgar­ten zu Possenhofen 1852. Figur von C. Piloty, Pferd von Fr. Adam. Von Fleisch­mann. gr. roy. Fol.

d) Nach ihm lithographirt:
2) Die Franzosen im Kreml zu Moskau, von J Wölffle. In lith. Abbildg. der bayr. Pina­kothek 1850. roy. Fol.
3) Englische Vollblutpferde von J. Wölffle. Fol.
4) Ungarische Pferde auf der Puszta. Photogr. v. J. Albert. gr. Fol.
5) Das sterbende Pferd, von seinem verwundeten Husaren betrachtet. Nach A. Adam. qu. Fol.

Zum Theil nach Mündler’schen Notizen.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.


27-01-25 (Adam)