Allgemeines Künstler-Lexikon (1872) / t_13

Eugen (Carl) Adam, der dritte Sohn des Albrecht, geb. zu München d. 22. Jan. 1817. Schüler seines Vaters, gleichfalls tüchtig in der Schilderung des Soldatenle­bens in Krieg und Frieden. Doch behandelter auch mit Glück die Sitten malerischer Volksstämme inmitten ihrer Natur und Wohnsitze. Schon in den J. 1844–1847 be­reiste er zu diesem Zwecke Ungarn, Kroatien u. Dalmatien. Im August 1848 ging er dann mit seinem Vater auf den Kriegsschauplatz in Italien, zunächst nach Mailand, und verweilte bis 1856 namentlich in Venedig, Mailand, Turin und Florenz. Während der Feldzüge in den J. 1848 und 1849 sammelte er eine Reihe von Terrainskizzen sowie Figurenstudien aus dem militärischen Leben, die zum Theil von Albrecht und Franz Adam zu ihren Schlachtenbildera benutzt wurden und überhaupt für die lith. Kriegsdarstellungen des Vaters und der Brüder eine wesentliche Grundlage bilde­ten. Hierbei bewährte Eugen A. ein besonderes Geschick für die charakteristische Schilderung der Lokalität, der landschaftlichen sowol als namentlich der architekto­nischen, deren Zeichnung immer sicher und treffend ist.

Von den Oelbildern des Künstlers aus dem Gebiete des Kriegslebens sind vorzugs­weise zu nennen:
Manoever unter dem Kommando des Kaisers von Oesterreich auf der Heide von Malpensa im J. 1851, mit vielen Fig. (im Besitze des Grafen Giulay zu Wien);
2 Darstellungen aus der Einnahme von Malqhuera (1852, im Besitze des Kaisers von Oesterreich);
Der verwundete Soldat auf dem Schlachtfelde von Solferino (1859, in der Münche­ner neuen Pinakothek, s. Lith. b. Nr. 4);
Reitergefecht zwischen österr. Uhlanen und piemont. Dragonern (1868).

Ausserdem hat Eugen A. viele kleinere Soldatenbilder in Aquarell, sowie Pferde­bildnisse gemalt, die grösstentheils nach Oesterreich gekommen sind; immer be­merkenswert durch treue Naturbeobachtung und sorgsame Ausführung.

In der neuesten Zeit ist der Künstler namentlich wieder mit Schilderungen des Volks- sowie des Jagdlebens beschäftigt (auf der internat. Austellung in München 1869: Dalmatiner Landleute am Brunnen und Rückkehr von der Parforce-Jagd).

a) Von ihm nach Albr. Adam lithographirt:
1) Der Mittag. Bayr. Hochländer mit einigen Pferden unter einer Eiche ruhend, gr. qu. Fol.
2) Der Abend. Postillon mit seinen Pferden im Gespräch mit einer Bäuerin, gr. qu. Fol.
3-6) Jagden zu Pferd. 4 Bll. gr. qu. Fol.
7) La Chasse au Sanglier. gr. qu. Fol.
8 u. 9) L’Affút und le Repos d’après la chasse, 2 Bll. Chromolith. qu. Fol.
10-12) Drei Bll. mit Hunden. Fol.

b) Nach ihm lithographirt:
1) Ansichten der Stadt Salzburg u. ihrer maler. Umgebungen. Nach der Natur auf­genommen von Eugen Adam, auf Stein gez. v. Theodor Hellmuth. 3 Hefte à 6 Bll. München 1837. qu. Fol.
2) Erinnerungen an die Feldzüge der Österreich. Armee in Italien, 1848 und 1849. Mit Text von F. W. Hackländer. 24 Bll. Fol. München.Grösstentheils nach Original­zeichnungen und Aquarellbildern von Eugen A. gemeinschaftl. mit Franz Adam aus­geführt und von Letzterem lith. Gedruckt in der lith. Anstalt von Julius Adam. Das Ganze als ein gemeinsames Werk der Gebrüder Adam herausgegeben.
3) Die Kirche von Bieocca bei Novara, von F. Würthle. Für das König-Ludwig’s-Al­bum von 1860. gr. Fol.
4) Nach der Schlacht bei Solferino, verwundeter Soldat auf dem Schlachtfelde (nach dem Bilde in der Münchener neuen Pinak. aus der 23. Lief, der Pinakotheken 3. vereinigte Sammlung). Von C. Feederle. gr. Fol. München 1861.
5) Bildliche Erinnerungen an den eidgenössischen Truppenzusammenzug im Aug. 1861. Nach der Natur gez. von Eugen Adam. Lith. von Franz Adam. 15 Bll. (Text deutsch u. franz. von Otfr. Abr. Roth). Bern 1863. gr. qu. Fol.

c) Nach ihm in Holz geschnitten:
6) Eine Anzahl militärischer Darstellungen aus dem ital. Kriege von 1859 in: Hack­länder’s »Ueber Land und Meer«. Stuttgart 1859.
7 und 8) Zwei Münchener Bilderbogen: Der Christbaum und Der Flachs. Fol.Das Biographische nach Mittheilungen des Künstlers.

J. Meyer.

J. Meyer: Allgemeines Künstler-Lexikon. Leipzig, 1872.


27-01-25 (Adam)