Allgemeine Zeitung (8.12.1903) / t_544

Feuilleton

Robert Beyschlag †.

Der Genremaler Robert Beyschlag, geb. 1. Juli 1838 zu Nördlingen, entstammte ei­ner alten Familie, aus welcher schon viele namhafte Gelehrte und Künstler, insbe­sondere im Baufache, hervorgingen. Seine rechtzeitig erkannte Begabung führte ihn auf die Münchener Akademie zu Philipp Foltz, welcher gerade damals eine zahl­reiche Schar von Schülern bildete, darunter Pixis, Weißbrod, Hauschild. Schwoiser, Jos. Munsch, Heinrich Spieß u. a., welche das damals frisch aufblühende »Jung-München« begründeten, zu dessen fröhlichen Festen Beyschlag rüstig beitrug. Foltz hielt den vielbegabten Kunstjünger hoch; ihm imponierte auch sein klassisch geformter Kopf, welchen der doktrinäre Professor eines kleinen Fehlers wegen im­mer als eine »beschädigte Antike« pries.

Mit seinen kleinen, gern mittelalterlich kostümirten, bei gutem Formensinn und fei­nem Farbengefühl ansprechenden, größtenteils etwas lyrisch-sentimental angesäu­selten Bildern machte Beyschlag viel Glück. Es gab da »Gretchen«, lybellenhafte »Psychen«, und Quellennymphen. Liebende, die ihr verschlungenes Monogramm einer alten Linde einschneiden, zärtliche »Nachbarkinder« und »Frühlingsgrüße,« glückliche, mit ihren holden Sprößlingen spielende junge Frauchen, eine »Erwar­tung« à la Schiller, wobei der schlafende Freund mit Küssen geweckt wird. Biswei­len kleidete er ähnliche Stimmungen in das moderne Leben, es gab »Geburtstags­gratulationen«, »Unterhaltungen am Brunnen«, Abschieds- und dergleichen nasse Szenen.

Auch mit antiken Stoffen versuchte er sich, gleichfalls glücklich: an einer Iphigenie, Orpheus und Eurydike, einem flötenden Hirtenpärchcn. Unter dem Titel »Frauen­lob« veranstaltete er eine internationale Sammlung von anmutigen und schönen, verschiedene Jahrhunderte repräsentierenden Franenköpfen: aus dem griechi­schen Altertum, Früh-Christentum, der »Gotik«, der holländischen und venetiani­schen Blüte, im Charakter der Renaissance, des Rokoko, der Revolution-, Empire- und Biedermaier-Zeit. Wiederholte Reisen nach Paris und Italien gaben keinen neu­en Zuwachs.

Ganz nach dem »historischen« Rezept seines Meisters malte Beyschlag eine Freske in die bayerische Galerie des Nationalmuseums, wie »Ludwig der Kelheimer mit dem Sultan Kamel über den Abzug der Kreuzfahrer unterhandelt« (1221) – ein »recht gut komponiertes«, festgezeichnetes und frisch koloriertes Exempel der da­maligen Geschichtsmalerei. Dann kehrte Beyschlag in das ihm ganz zuständige Re­pertoire zurück; er brachte anmutende Familienszenen, wobei auch der leise mit­spielende Humor dem Künstler neue Freunde gewann, darunter »Waldhüters Töch­terlein«, »Die beiden Hasen« und der »Liebesdienst« (wie ein kleines Stumpfnäs­chen ihrem Brüderchen die zerrissenen Inexpressibles zunäht) u. dgl.

Eine große Anzahl fortgesetzter Erzeugnisse seines Fleißes, in Holzschnitt und Photographie reproduziert, darunter auch sehr ansprechende Bildnisse, sicherten ein dankbares Publikum dem gemütreichcn Künstler, welcher nach dreiwöchentli­cher, schwerer Krankheit am 5. d. M. einem glücklichen Familienleben entrissen wurde.

Allgemeine Zeitung Nr. 340. München. Dienstag, 8. Dezember 1903.


17-12-55 (Beyschlag)