Allgemeine Zeitung (25.2.1883) / t_1334

Nekrologe Münchener Künstler.

Wir haben noch eine Ehrenpflicht nachzutragen für verschiedene unserer Kunstgenossen; sie finden in den Reihefolgen, wie selbe aus der Welt gegangen, hier ihre Erwähnung.

Als Squindo’s Name zuerst in die Oeffentlichkeit trat, war dessen Träger schon dar­aus geschieden. Was der junge, strebsame Mann in dieser kurzen Spanne Zeit ge­leistet, sichert ihm die wärmste Theilnahme. Sein Nachlaß enthält freilich nur ein unvollendetes Bild, aber ein »ex ungue leonem!« Der junge Mann hatte zu seiner Darstellung den Zug erwählt, in welchem Ludwig XVI mit der Königin und dem Dauphin am 6 Oktober 1789 durch Gesindel aller Art von Versailles nach Paris es­conirt wurde. Diese figurenreiche Composition athmete eine Lebendigkeit und Fri­sche, eine solche jugendkühne Unmittelbarkeit, welche, so weit man wenigstens aus dem Beginn schließen dürfte, über der weiteren Ausführung und Durchbildung dem Maler kaum verloren gegangen wäre.

Joseph Emil Squindo wurde am 13 Februar 1857 zu Nördlingen geboren, kam 1863 nach München, wo er die deutsche, Latein- und Realschule mit Auszeichnung absol­virte. Von Jugend auf zeichnete und skizzirte er fleißig, insbesondere Pferde, wozu ihm vielfache Ritte mit dem Vater Anlaß boten. Seinem glücklichen Genie gelang Alles leicht und ging ihm wie spielend aus der Hand; ohne daß die ernste Mühe fühlbar blieb, traf er immer das Charakteristische. So gab der Vater nach und ließ den zum Kaufmann bestimmten Jüngling statt in das Comptoir, in die Akademie eintreten, wo derselbe sich unter Hiltensperger, Löfftz und W. Diez schnell und er­freulich entwickelte. Die aus seinem Nachlasse im Kunstverein ausgestellten Cha­rakterköpfe und Pferde-Portraits, eine große Farbenskizze »aus den Kämpfen des Herzogs Christoph,« womit Squindo bei einer akademischen Concurrenz die silber­ne Medaille gewann (den ersten Preis errang H. Kirchbach), noch mehr aber das Eingangs genannte große historische Bild, welches der Maler mit frischem Muthe begann, zeigten von seiner eminenten Begabung. Im Besitze aller Mittel, welche eine ehrenvolle Künstlerlaufbahn sicher versprachen, erkrankte der junge Mann in Folge einer Verkältung, welche er sich bei einem Turnerfeste zuzog, und starb nach höchst schmerzhaften Leiden am 18 November 1882. Sein Name bleibt unverges­sen: Hr. Jos. Ant. Squindo schenkte das Bild seines Sohnes an den Staat; so fand dasselbe in der Neuen Pinakothek nächst den Skizzen von Schleich und Löffler eine würdige Stelle. Schade daß die letzte, den »Barmherzigen Samariter« vorstellende Gruppe des bei jenem Kolosseum-Feste am 18 Februar 1881 verunglückten Bildhauer Adam Christ nicht auch in diese Räume kam, wo die Ausstellung einiger plastischen Werke erwünscht und von bester Wirkung sein dürfte.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 56. Sonntag, 25. Februar 1883.


19-13-45 (Heis & Squindo)