Allgemeine Zeitung (25.2.1868) / t_363

München, 24 Febr. König und Land haben einen schweren Verlust zu beklagen: der Staatsminister des Innern, Frhr. v. Pechmann, ist diesen Nachmittag gegen 2 Uhr sanft und ruhig entschlafen, nachdem er in den letzten Tagen schmerzliche Leiden zu erdulden gehabt. Unmittelbar auf die Kunde von dem Hinscheiden seines pflichttreuen Ministers sandte Se. Maj. der König den Flügeladjutanten Major v. Sauer an die so schwer betroffene Familie ab, um derselben sein Beileid ausdrü­cken zu lassen.

Joh. Nep. Frhr. v. Pechmann war geboren am 7 Jan. 1809 zu Vilsbiburg, wo sein Va­ter Landrichter gewesen war. Nach vollendeten Studien und jahrelanger Praxis er­hielt er seine erste Anstellung am 12 Mai 1838 als Landgerichtsactuar zu Unter­günzburg, und rückte am 30 Sept. desselben Jahrs zum zweiten Landgerichtsasses­sor daselbst vor. Am 16 Aug. 1839 wurde er erster Assessor am Landgericht Do­nauwörth, am 4 Nov. 1845 Landrichter in Berchtesgaden. Am 19 Aug. 1846 zur Ver­wesung der Stelle eines Polizeidirectors der Hauptstadt München berufen, wurde er schon am 12 Dec. desselben Jahrs dieser Stelle wieder enthoben und zum Land­richter in Landshut ernannt. In der schwierigen Zeit des Jahrs 1848 aber wurde er am 17 März als wirklicher Polizeidirector hieher zurückberufen, und bekleidete die­sen Posten während der zwei drangvollsten Jahre bis 1 Juni 1850, wo er zum Re­gierungsrath bei der Kreisregierung von Niederbayern in Landshut ernannt wurde. Am 16 Jan. 1858 erfolgte seine Beförderung zum Regierungsdirector in Bayreuth, am 1 Mai 1863 seine Ernennung zum Regierungspräsidenten von Mittelfranken, und unterm 30 Juli 1868 zum Staatsminister des Innern. Er ist – das kann man mit voller Wahrheit sagen – das Opfer der Hingebung und Pflichttreue geworden, wo­mit er sich der Erfüllung seiner dornenvollen Aufgabe gewidmet hat: er ist wie ein Soldat im Kampfe geblieben. Bayern hat in ihm einen seiner edelsten Männer und Charaktere verloren, einen Ehren- und Edelmann im vollsten Sinne des Wortes. Eine schwer heimgesuchte Wittwe und 7 Kinder weinen an seinem Grabe.

Allgemeine Zeitung Nr. 56. Augsburg, Dienstag, 25. Februar 1868.


14-08-23/24 (Pechmann)