Allgemeine Zeitung (2.5.1892) / t_967

Aus dem Kunstleben.

Hippolyt v. Klenze †. Wir werden durch die schmerzliche Kunde überrascht, daß der Maler und k. Kammerjunker Dr. Hippolyt v. Klenze Samstag den 30. April auf ei­ner Reise in Mittelberg in Vorarlberg an einem Herzschlag plötzlich verschieden ist. In ihm verliert die Künstlergenossenschaft eine organisatorische Kraft von Bedeu­tung. Seine letzten Pläne und Gedanken, selbst auf der Reise, gehörten noch der vor der Thüre stehenden Ausstellung und ihren Einrichtungen. Im Kampfe der »Jungen« mit den »Alten« stand er mit Feuereifer auf der Seite der letzteren und spielte bei den sog. »Achtundvierzigern« eine entscheidende Rolle.

Wir selbst verlieren an ihm einen eifrigen und überzeugungstreuen Mitarbeiter. Den Monat Mai beabsichtigte er seiner Erholung zu widmen, um bei Beginn der Ausstellung hier am Platze zu sein. Klenze hat ein Alter von nur 42 Jahren erreicht; er hinterläßt eine Wittwe und zwei Kinder in Trauer und Bestürzung. Alle, die ihn kannten, werden dem liebenswürdigen Menschen und Künstler ein treues Geden­ken bewahren.

Ueber den Verstorbenen gehen uns noch nachstehende Daten zu: Dr. Hippolyt v. Klenze ist am Samstag Morgen fern von München in Mittelberg, dem Hauptorte des gleichnamigen Thales in Vorarlberg, wo er der Spielhahnjagd oblag, plötzlich verschieden. Er war in München am 12. August 1849 geboren, wurde in einem In­stitute bei Stuttgart erzogen und besuchte dann die landwirthschaftliche Central­schule in Weihenstephan. Nach deren Absolvirung bewirthschaftete er selbständig ein Gut und kehrte 1873 nach München zurück, um hier wissenschaftlichen Studien an der Polytechnischen Hochschule und an der Universität obzuliegen; namentlich arbeitete er in physiologischer Chemie und lieferte alsbald in dieser Richtung und zwar speciell in der Milch-Chemie, nennenswerthe Arbeiten. Auf Grund bodenphy­sikaliscker Arbeiten promovirte v. Klenze im Jahre 1876 in Göttingen als Doctor der Philosophie. Nach München zurückgekehrt, arbeitete er fast ausschließlich im Fa­che der Milch-Chemie und wurde im Jahre 1877 zum Vorstande des neuerrichteten Molkereiinstitutes in Weihenstephan ernannt. Da die Entwicklung dieses Institutes nicht in der von ihm gewünschten Weise erfolgen konnte, nahm er seine Entlas­sung und trat in die Dienste Sr. k. H. des Prinzen Ludwig von Bayern, in welcher Stellung er sich auf den ungarischen Herrschaften des Prinzen und der Prinzessin Ludwig vorzüglich der Entwicklung des Molkereiwesens widmete.

Krankheit zwang ihn, aus dieser Stellung zu scheiden, worauf er aufs neue sich den physikalischen und chemischen Wissenschaften, sowie den schönen Künsten, in de­nen er bis dahin mehr als Dilettant gearbeitet hatte, in ernstester, gründlichster Weise zuwandte. Namentlich verstand H. v. Klenze, die Thiere der Alpenwelt und die Jagd in Wort und Zeichnung lebenswarm darzustellen; für die bildliche Darstel­lung waren seine Lehrer und Leiter die Maler Roth und Schmitzberger. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu nennen: Das »Handbuch der Käsereitechnik«, »Der praktische Milchwirth«, die »Geschichte der Alpwirthschaft im Fürstenthum Liechtenstein«, die «Culturhistorische Skizze über den Mittelberg« und viele Ab­handlungen in der »Milchzeitung« und in der »Zeitschrift des Landwirthschaftlichen Vereins in Bayern«, in welcher er u. a. Studien über die englische Landwirtschaft veröffentlichte. Schnelle Auffassung und glückliche Dialektik zeichnen H. v. Klenze’s Arbeiten aus.

Seit einigen Jahren war der Verewigte auch in den Vorstand der Münchener Künstl­ergenossenschaft gewählt worden, für welche er sowohl in den Verhandlungen und Versammlungen, als auch in zahlreichen schriftlichen Arbeiten eine sehr rege, ener­gische und fruchtbare Thätigkeit entwickelte. Schon länger kränklich, starb er doch ganz unerwartet in seinem Tusculum Mittelberg, wo er am letzten Donnerstag Abend eingetroffen war.

Allgemeine Zeitung Nr 122. Abendblatt. München. Montag, 2. Mai 1892.


NA-171 (Courten & Klenze & Otting-Fünfstetten & Pütz)