Allgemeine Zeitung (17.6.1887) / t_1511

Nekrologe Münchener Künstler.
(S. »Allg. Ztg.« Nr. 324, 325 B. 1886.)

XLIX.

Wilhelm Hauschild.

Wilhelm Hauschild wurde am 16. November 1827 zu Schlegel in preußisch Schlesi­en in einer Weberfamilie geboren. Schlesische Weber! Wer denkt da nicht unwill­kürlich an die lange Kette von socialem Leid und an das schandbare Drucksystem der Fabricanten, das Karl Hübner in seinem gleichnamigen Bilde zum himmelschrei­enden Ausdruck brachte. Der talentreiche Knabe wurde frühzeitig im Handwerk des Vaters verwendet, fand aber nur zu bald, daß dieses eine zu bittere Wurzel habe und dachte daran, der Lage der Seinen möglichst aufzuhelfen. Ueber dem Fa­denschlage der Dessins flimmerten ihm neue, andere Muster vor den Augen; sein Dichten und Trachten ging vom ewigen Weißzeug zu farbigen Ornamenten über. Eines Tages endete er den schweren inneren Kampf und verließ, kaum der Schule entwachsen, Fadenstuhl und Webeschiff und lief nach Frankenstein zum Dccorati­onsmaler Krachwitz.

Anfänglich war freilich noch nichts gewonnen, aber er konnte nun doch mit Weiß­quast und Pinsel hantiren, Farbenreiben, Marmoriren, Stuccaturen machen und ech­tes Gold auflegen. In den benachbarten Kirchen und auf den Schlössern des Adels gab es vollauf zu thun, nebenbei wurden auch Bilder gefirnißt und mit dem Muthe der Jugend lustig restaurirt. Darüber schwoll natürlich der Wunsch, ganz der Kunst und Malerei sich zuzuwenden. Losgesprochen als freier Geselle, gings in die weite Welt auf die Wanderschaft, welche ihn im Zickzack auch nach Salzburg brachte. Sein Sinn aber war immerdar schon nach der bayerischen Hauptstadt gerichtet. Ein Freund empfahl ihn endlich an den gerade im Chiemgau schaffenden wackeren His­torienmaler Joseph Holzmaier (Joseph Holzmaier, geb. 1809 zu Frauenchiemsee, gest. 19. December 1859 zu München, ein tüchtiger, technisch gewandter Compo­nist und Historienmaler aus der Schlotthauer-Schule.) welcher den strebsamen Feu­ergeist nach München adressirte an den allen jungen Talenten mit wirklich väterli­cher Liebe entgegenkommenden Schlotthauer. Dieser erkannte die hohe Bega­bung seines Clienten, lehrte ihm, was er brauchte und brachte ihn dann zu Profes­sor Philipp Foltz, wodurch Hauschild in das richtige Fahrwasser gerieth und in ei­nen Kreis gleichgearteter Genossen, die, insgesammt mit schönen Kräften ausge­rüstet, nach dem höchsten Ziele trachteten. Da waren der geniale Eduard Schwoi­ser, welcher sich gleichfalls erst kurz vorher in ähnlicher Weise aus dem Handwerk losgerungen hatte, dann der liebenswürdige W. Roegge, der ganz historisch ange­legte Schwörer und der vielseitige Sporrer, der edle, feinfühlige Munsch, der uner­müdliche Pixis, dann Max Adamo, der damals noch der Benjamin unter Allen, doch schon im Wetteifer mit Karl Baumeister mit den ernstesten historischen Stoffen sich trug, ferner der Architekturmaler Christian Jank, der leider schon in der Blüthe fei­nes Schaffens gestorbene Heinrich Spieß und dessen noch mehr begabter Bruder August Spieß, welch Letzterer, unmittelbar mit Schwoiser und Hauschild, so ziem­lich dieselben Wege wandelte, alsbald dieselben Aufträge theilte und zu denjeni­gen Auserwählten zählte, welche die großartigen Pläne König Maximilians II. und König Ludwigs II. mit ihren werthvollen Schöpfungen am würdigsten illustrirten. Noch jetzt erinnere ich mich mit Freuden, wie uns der alte Foltz, beiläufig in der Mitte der fünfziger Jahre, als mich der greise August Lewald in dessen Atelier ein­führte, von dem ehrenwerthen, vielverheißenden Streben und Ringen seiner Schü­ler erzählte und insbesondere bei Schwoiser und Hauschild hervorhob, daß Beide, trotzdem daß sie schon untrügliche Proben ihres Könnens abgelegt hatten, doch noch vor keiner, wenn auch demüthigenden Arbeit, zurückschreckend, einen gan­zen Sommer über in Salzburg »Stuck und Marmor machten,« um dadurch die Mittel zur Fortsetzung ihrer Studien an der Akademie zu gewinnen! Und der von edelster Energie geleitete Wille fand seinen Lohn. Eine figurenreiche Composition Hau­schilds, wie Moses die eherne Schlange aufrichtet, wurde durch W. v. Kaulbachs persönliche Vermittelung dem König Friedrich Wilhelm IV. unterbreitet, welcher als­bald mit der Ausführung dieses Stoffes als Oelbild den jungen Künstler beglückte, der damit ein auch coloristisch tief durchgebildetes Werk lieferte (1857). Die Folge davon war, daß Hauschild zuerst zwei und dann noch weitere fünf Bilder für die his­torische Gallerie des bayerischen Nationalmuseums erhielt. Mit der größten Be­geisterung ergriff Hauschild seine hohen Aufgaben. Er schildert den Bau der Re­gensburger Brücke unter Heinrich dem Stolzen (1135-1146); die Eroberung Bel­grads durch Max Emmanuel (1688) und die Gründung des Waisenhauses zu Mün­chen durch Joh. Poppel (1742). Mit drei anderen Bildern, Ereignisse aus dem Leben Karls XII. darstellend, ging Hauschild auf das Gebiet der Schlachtenmalerei über. Sie zeigen den berühmten Wittelsbacher, welcher als König von Schweden eine so große Rolle in der Weltgeschichte abspielte, als Sieger von Narva, in der Schlacht von Pultawa (mit zerschmettertem Bein auf einer offenen Sänfte getragen und von da herab seine Truppen commandirend und in der berühmten »Löwenjagd« von Varnitza (1713). Dabei befleißigt sich der Künstler natürlich der größtmöglichen Treue mit Portraits, Uniformen Waffen, Fahnen und Landschaft, und gab zugleich eine Probe, wie weit ein fleißiger Frescotier, ohne die Schönheit der Composition zu schädigen, selbst in der Darstellung des kleinsten Beiwerks zu gehen vermag. Mit »Martin Behaims Meerfahrt« (1484) lieferte er ein treffliches, ganz von tropi­scher Wärme durchglühtes Bild.

Während Hauschild mit seinen eigenen Schöpfungen vollauf beschäftigt war, fand er doch noch Zeit, einen schönen Act collegialer Freundschaft auszuüben. Da der vielversprechende Alois Vögele über dem Zeichnen eines Cartons (Scene aus dem Leben des Kurfürsten Max Joseph III.) gestorben war, übernahm Hauschild – der nebenbei längst schon der stille Tröster seiner Angehörigen in der schlesischen Heimath war – die Ausführung der ganzen Freske und überließ den vollen Erlös der Wittwe und dem Kinde seines Freundes. Gleiches hatte der edelmüthige Munsch an den Relicten des Historienmalers Adam Huber gethan – eine Handlungsweise, welche das Herz des königlichen Auftraggebers mit wahrer Freude erfüllte (Vgl. Karl v. Spruner: Die Wandbilder des Bayerischen Nationalmuseums. München, 1868. S. 27, 157, 206, 219, 389 ff. und 459.).

Man hat die Bilderreihe im Nationalmuseum verschieden beurtheilt und bisweilen, einzelner, jedenfalls weniger glücklicher Leistungen wegen, ein vorschnelles Urtheil gefällt. Hätte das gewiß echt königlich gedachte Unternehmen auch gar kein ande­res Ergebniß gehabt, als die Kräfte einiger vordem kaum bekannten Kunstjünger zu reifen, wären daraus, um nur Einige hervorzuheben, gar keine anderen Namen her­vorgegangen, als Schwoiser, Hauschild und Ferdinand Piloty, so müßte dieses Re­sultat schon als ein höchst günstiges und überraschend lohnendes bezeichnet wer­den.

Hauschild hatte sich glänzend bewährt und mit jeder weiteren Leistung seinem achtbaren Namen neue Anerkennung errungen. Als erfreuliches Zeichen seiner al­lerhöchsten Zufriedenheit übertrug König Max II. dem glühenden Kunstjünger die Darstellung der »Kreuzigung Christi« für den im Athenäum begonnenen Cyklus aus der Weltgeschichte. Und auch hiebei erwies sich die Originalität und Großartigkeit seiner Begabung, welche bei der unverkennbaren Gemüthstiefe des Malers gerade für das Fach der religiösen Historie besonders erlesen schien. Auf demselben Ge­biete bewegte er sich mit einer neuen Bilderreihe für die von dem Fürsten Stourd­za zu Baden-Baden erbaute griechische Capelle, deren Wände mit streng stilisirten Fresken geziert wurden; die photographische Reproduktion (durch Böttger) in 11 Blättern kam 1868 im Münchener Künstverein zur Ausstellung.

Nachdem Hauschild auch einige Fresken für die Kirche zu Lichtenthal (bei Baden-Baden) vollendet hatte, ging er an eine längst gepflegte Lieblingsidee »Christus mit Barrabas vor Pilatus« in einem figurenreichen Bilde, für dessen Ausführung er große Verhältnisse plante, darzustellen. Die höchst dramatische, mit hinreißendem Affect durchdachte Scene, die leidenschaftlich tobenden Volkshetzer, die wuthent­brannte, urtheilslose Menge, der vom Sturm zur Nachgiebigkeit verleitete rathlose Landpfleger und die im Dulden so großartige Leidensgestalt des Heilands, alles dazu unter freiem Himmel, mit dem Hintergrunde einer großen Architektur abstim­mend – es wäre eine Meisterleistung ersten Ranges geworden (Lützow, Zeitschrift für bildende Kunst, 1872. VII. B. S. 9.). Da darauf keine Bestellung zur Ausführung in weiteren Dimensionen erfolgte, blieb das Ganze, zum stillen Schmerze des Künstlers, leider nur ein schönes Project und eine, freilich sehr durchgebildete, von originellster Kraft und lebendigster Phantasie sprudelnde Farbenskizze. Andere Ar­beiten drängten sich inzwischen, insbesondere die gloriosen Aufträge, womit Se. Maj. König Ludwig II. den Maler bleibend in Thätigkeit nahm.

Zuerst lieferte Hauschild eine ganze Reihe von fast miniaturmäßig durchgebildeten Aquarellen, die als Vorlagen für die danach in Jörres‘ Atelier ausgeführten Sticke­reien, richtiger Nadelmalereien, dienten; meist nur einzelne Figürchen oder spielen­de Amoretten und Kindergruppen, in welchen Hauschild ebenso viel Schön­heit und Anmuth, wie Grazie und Leichtigkeit bewährte. Dann folgten Altarbilder für die Schloßcapelle zu Berg und bald darauf große Plafondgemälde für den Lin­derhof und die Spiegelgallerie zu Herrenchiemsee. Noch größere Thätigkeit entfal­tete Hauschild in dem schönen Schloß Neuschwanstein. Erst malte er mit Schwoi­ser im Thorbau die fröhlichen »Episoden aus dem Leben eines mittelalterlichen Rei­sigen,« dann an der östlichen Giebelfront die Bilder der Patrona Bacariae und des hl. Georg; die Scenen aus dem Kreuzzug König Ludwigs IX. im dortigen Oratorium, ferner den ganzen Cyklus zu dem mittelalterlichen Epos des »Lohengrin« und im Vorplatz des dritten und vierten Stockwerkes die trefflichen Bilderreihen aus der Si­gurd- und Gudrun-Saga (Edda). Besonderes Lob verdient dabei auch die geschickte Fügsamkeit, wie der Maler sich den Forderungen des Architekten unterzuordnen wußte und in der Wahl seines Stoffes, den gebotenen Raumverhältnissen entspre­chend, ohne Schädigung des Details, die Hauptmomente der Dichtung unterzu­bringen und zu gruppiren verstand.

Womöglich noch glücklicher und mit einem dem Eintretenden geradezu überwälti­genden Ernst und majestätisch wirkenden Ruhe gelang ihm die Ausschmückung des Thronsaales. Wenn das ganze Schloß in seiner Grundidee der Verherrlichung der mittelhochdeutschen Dichtung, insbesondere der durch August Spieß überaus glücklich gestalteten Gral-Sage gewidmet ist, so überraschen uns hier in einem Gipfel- und Brennpunkte das ganze Heiligthum die es neuen Munsalvaesche, wie selbes in voller Traumherrlichkcit nur ein echter, königlicher Dichter zu ersinnen ver­mag. Eine eingehende Schilderung dieser Bilder ist, wenigstens hier, vorerst noch unnöthig, da das Ganze durch Alberts Photographien wohl schon in nächster Zeit der weitesten Oeffentlichkeit in einem wahren Prachtwerk erschlossen wird.

Da der königliche Bauherr, um seine Ideale baldmöglichst der Vollendung entge­genreisen, zu lassen, nicht allein die Architekten, sondern auch die Maler zu beflü­gelter Eile trieb, so mußte Hauschild, nachdem er für die Einheit der Composition durch eigenhändige Skizzen – sie gehen übrigens bei der sorgsamsten Ausführung alle weit über die mit diesem technischen Wortgebrauche sonst üblich verbundene Vorstellung – gesorgt hatte, an helfende Hände die Ausführung der Arbeiten vert­heilen. Während er selbst die großartigen Gestalten des über der Apsis thronen­den Weltrichters mit den heiligen Königen seinem Pinsel vorbehielt, übernahmen bewährte Kräfte, wie Julius Frank u. A., die tiefsinnig angeordnete Bilderfolge der Seitenwände; es gelang im edelsten Wetteifer eine einheitliche Stimmung und Ab­rundung der imposanten und in ihrer Eigenart ganz unvergleichbaren Schöpfung.

Während der Arbeit am letzten Bilde der Sigurd-Saga hatte Hauschild, der von frü­hester Jugend an geübt war, sicheren Trittes auf allen Gerüsten herumzuklettern, das Unglück, von einem solchen zu stürzen und außer einem gebrochenen Schul­terblatt eine furchtbare Erschütterung zu erleiden. Während er sich äußerlich erhol­te, so zwar, daß auch die vorerwähnten Arbeiten des Thronsaales seiner Hand an­vertraut werden konnten, faßte doch ein inneres Leiden Wurzel, das in eine heimtü­ckisch schleichende Krankheit überging, welches Hauschild mit größter Geduld und Ergebenheit ertrug, bis er am 14. Mai ruhig und sanft entschlief. Auf seinem Sarge ließ Se. k. Hoh. der Prinz-Regent Luitpold einen prachtvollen Kranz niederlegen. Se. Majestät König Ludwig II. hatte den Künstler vielfach ausgezeichnet und ihm unter den Ersten gleich nach ihrer Stiftung die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und 1879 den Titel eines k. Akademie-Professors verliehen.

Das sind beiläufig die Grundzüge von Hauschilds künstlerischer Thätigkeit. Was er inzwischen und nebenbei schuf, ist immerhin noch eine nicht unerhebliche Anzahl von Bildern. Sein erstes Oelbild, welches 1854 im Kunstverein ausgestellt und an­gekauft wurde, behandelte einen Stoff aus der schlesischen Legende: »Die hl. Hed­wig (Herzogin von Schlesien und Polen) arme Waisenmädchcn unterrichtend« (ge­stochen von Barfus). Einen von ihm gemalten Kreuzweg stiftete Hauschild als Ge­schenk in die Kirche seiner Heimath. Altarbilder lieferte Hauschild nach Erlstädt (bei Traunstein), nach Au (am Fuße des Ettaler Berges) und Lauban in Schlesien. An­geregt durch einen Vortrag des Hrn. Professors Dr. Sepp über den Dionysos-Cult, schuf unser Maler eine von der Kritik seltsamerweise sehr verschieden beurtheilte »Bacchantin;« während die Einen das in schuldloser Lust hintanzende Mägdlein für eine zu harmlose Idylle erklärten, sahen die Anderen in ihr eine Demimonde-Fran­zösin, wogegen sie der Recensent in Lützows Zeitschrift (1872, VII. B., S. 368) als eine »üppige, farbenprächtige Gestalt, voll übersprudelnder Lebenslust« verthei­digte, wobei »die Gewandung und die Früchte, welche sie in der Linken trägt, mit glühendem Colorit sich wirksam vom blauen Hintergründe abheben.« Für das Mün­chener Hoftheater malte Hauschild die »Poesie« nach Raphael auf den in den Zwi­schenacten gebrauchten Vorhang (Als der schöne Vorhang zum ersten Male nieder­ging, brach ein Dämchen auf die Bemerkung ihres Nachbars, daß dieses Bild die »Poesie« von Rafael sei, mit großer Verwunderung in die theilnehmenden Worte aus: »Ja! Ist denn der gute Rafael so verarmt und heruntergekommen, daß er für das Theater malen muß?«). Auch in der Landschaft und im Genre versuchte er sich mit einem kleinen »Apfeldieb« (oder: »Schlechte Gesellschaften verderben gute Sitten«) und einer »Kleinen Sittenrichterin,« worin ein Mädchen ihr etwas derangir­tes Brüderchen auf den im Kinderbilderbuch vorgewiesenen Struwwelpeter mit den Worten »So siehst Du aus« aufmerksam macht. Beide erschienen, nebst einer »Mühle bei Prien,« auf der Kunstausstellung des Jahres 1872.

Hauschild war überhaupt eine universal angelegte Natur, welche ebenso leicht als Schnitzer und Bildhauer, wie als Ingenieur und Baumeister excellirt hätte. In ihm steckte ein heimlicher Architekt, welcher zeitweise der eigenen Baulust die Zügel schießen ließ. So verwendete er den Ertrag seiner Museumbilder, um gemeinsam mit seinem Freunde Joh. Marggraff ein eigenes Heim zu gründen, dessen Anrechte er jedoch wieder veräußerte, um eine Villa mit Gartenanlagen bei Prien zu bauen; zuletzt noch erwarb er in München ein eigenes schönes Haus, woselbst er wenigs­tens zu neuen Ateliers bauliche Aenderungen betrieb. In seiner Werkstätte stand immer eine Hobelbank und Drehscheibe nach eigener Construction, an welchen er mit allerlei Subtilitäten hantirte, drechselte und bosselte; da entstanden, seitdem er mit einer Tochter des Historienmalers Holzmaier 1862 eine glückliche Ehe ge­schlossen hatte, nicht allein allerlei Kinderspielzeug für seine heitere Jugend, wie Trillhäuschen und Vogelkäfige, Wasserräder, Stampfmühlen u. dgl., sondern auch insbesondere Räderuhren mit Schlag- und Spielwerken. Er barg in seinem Haupte eine staunenswerthe Fülle von Ingenium, welches jeden anderen vielleicht zu heillo­ser Verzettelung verleitet hätte. Bei Hauschild aber behielt der Künstler immer die Oberhand. Mit der wachsenden Menge der Arbeit schwoll seine Leistungsfähig­keit. Nie befand er sich wohler, als wenn die Bestellungen drängend über ihm zu­sammenschlugcn, wobei der Künstler dann nicht allein die größte Gewissenhaftig­keit in Durchbildung und Ausführung bewahrte, sondern gleichsam zur geistigen Erfrischung noch andere Projekte und Compositionen erfand, welche seine unab­lässig sprudelnde Phantasie eingab.

Hauschild hinterließ zwei talentvolle Söhne, welche gleichfalls der Kunst sich zuge­wendet haben und das geistige Erbe ihres Vaters nach dem Gesetze der Geneano­mie in ihrer Weise ausbilden werden.

Allgemeine Zeitung Nr. 166. München; Freitag, 17. Juni 1887.


17-12-50 (Hauschild & Holzmaier)