Allgemeine Zeitung (16.9.1813) / t_1440

München, 14 Sept. Ein schreckliches Unglück traf gestern Abends gegen 7 Uhr ei­nen Theil der Bewohner Münchens. Die zu Anfang dieses Monats eingetretenen warmen Tage führten im Gebirge Thauwetter herbei; darauf folgte nach dem 6 an­haltendes Regenwetter, welches die Isar so sehr schwellte, daß sie an vielen Stellen ihre Ufer stark einriß, und Häuser umzuwerfen drohte, was auch bei einem Hause in der Au wirklich schon geschehen war. Um von diesem Schauspiele Zeuge zu seyn, stellte sich eine Menge Volk auf die große äußere Isarbrüke, als zu obenerwähnter Zeit einer ihrer Bogen zusammenstürzte, und diesem noch zwei andere folgten, so daß jezt die Hälfte der Brüke im Wasser liegt. Viele Menschen, meistens Bürgers­leute, wurden im Schutt und Wasser begraben; mehrere schwammen weit hinab, nur wenige, zum Theil sehr verlezt, wurden gerettet. Eine Frau soll von der bloßen Vermuthung, daß ihren Mann dis Unglük mit getroffen habe, gestorben seyn. Die Zahl der Verunglükten ist noch nicht genau bekannt; die Schäzungen von Augen­zeugen variiren zwischen 60 und 150. Heute sieht man längs dem Strome viele wei­nende Mütter und Gattinnen, die umsonst die Gestade durchsuchen.

Allgemeine Zeitung Nro. 259. Donnerstag 16. Sept. 1813.


04-01-43/44 (Reuther)