Allgemeine Zeitung (12.2.1894) / t_509

Feuilleton.

Der Historienmaler Franz Xaver Barth ist am 9. ds., obwohl hochbetagt, doch im­merhin unerwartet gestorben. Er zählte zu den Bannerträgern und Epigonen der großen, durch Cornelius gegründeten Schule.

Geboren am 12. Februar 1821 zu Velden bei Landshut, kam derselbe noch rechtzei­tig auf die Münchener Akademie, um bei Julius Schnorr v. Carolsfeld die Traditio­nen dieser Epoche zu genießen und im strengen Componir-Stile dieser Meister zum gewandten Frescotier sich auszubilden. Als solcher assistirte er seinem Lehrer bei den letzten Sälen des Nibelungen-Cyklus in der k. Residenz und half dann mit Nilson, Echter, Palme und Süßmaier bei der Ausführung von Kaulbachs Entwürfen an der Neuen Pinakothek.

Als unter Dingelstedts Intendantur das Hoftheater eine Restauration erhielt, er­blühte unsrem Maler die neidlose Ausgabe, die Deckenfelder des Zuschauer-Rau­mes mit den Figuren der Musen zu schmücken, eine wirklich verlorene Liebesmühe, da kaum die Insassen des letzten Ranges sammt dem naheliegenden »Olymp« ihr Augenmerk darauf zu richten im Stande sind.

Für Hiltensperger brachte sodann Franz Xaver Barth einen ganzen Cyklus von fünf­zehn Bildern in Enkaustik für das Museum in St. Petersburg zur Ausführung. Ferner lieferte Barth nach eigener Composttion vier große Fresken in der historischen Ga­lerie des Münchener National-Museums, mit kriegerischen und friedsamen Scenen aus den Thaten der bayerischen Fürsten, um dann wieder als Gehülfe, und zwar diesmal des poesievollen Moritz v. Schwind, an den Temperabildern demselben im Wiener Opernhause mitzuwirken. Eine weitere Freske nach eigener Invention mit der Figur eines auferstandenen Welterlösers schuf Barth in den Arcaden des Mün­chener nördlichen Friedhofs.

Indessen hatte sich der Künstler schon frühzeitig mit Oelbildern bewährt; dazu ge­hörten außer vielen Kirchen- und Altargemälden: »Hero und Leander«, ein »Frie­densengel«, ferner der Entwurf zu einer Fürstengruft und das Project eines »Tod­tentanzes« für eine Grabcapelle, welche jedoch leider nicht zur Ausführung gelang­ten.

Dagegen erhielt Barth die Ausführung eines hübsch componirten und durch sein wohlklingendes Colorit vorzüglichen Deckenbildes in einem der unter König Lud­wig II. restaurirten Prunkzimmer aus der Trausnitz, darstellend die alle Künste unter ihrer Aegide beschirmende »Bavaria«. Sein großes Compositionstalent erwies Barth sodann mit einer Reihe von Cartons, sowohl für die kgl. Glasmalerei des Hrn. Commercienraths v. Zettler, wie für Mayers Hof-Kunstanstalt. Hier bewährte er seine Vielseitigleit in verschiedenen Stilarten, sein Talent für großartig gedachte und energisch durchgeführte Schöpfungen, welche auch seinen feinen Farbensinn vollauf bethätigten.

Leider ist außer zwei kleinen, eine »Trinität« und »St. Vitalis« darstellenden Stichen und einigen bei Albert in Photographie reproducirten Bildern keine von Barths zahlreichen Originalarbeiten dem weiteten Publicum bekannt geworden.

Barth war ein still-thätiger, in sich gekehrter, überaus fleißiger, streng denkender, hohen Idealen nachfolgender Künstler, welcher, weit abseits von der zeitweise be­liebten neueren Richtung, an den in seiner Jugend vererbten Principien festhielt und selbe in rühmenswerther Treue und Anhänglichkeit zeitlebens bethätigte.

Allgemeine Zeitung Nr. 42. München, Montag, 12. Februar 1894.


40-05-18 (Barth)