Allgemeine Zeitung (10.2.1885) / t_1196

Am 5. Juni starb, 65 Jahre alt, der Bildhauer Karl Riederer. Anfänglich, als Besitzer des von Künstlern vielfach besuchten »Café Fink« (nun Baumann) nur Dilettant, gab er seine bürgerliche Stellung auf, um ganz zur Kunst überzutreten, ohne die Leich­tigkeit des Gestaltens durch gründliche Studien vertiefen zu können, da der höhere Grad seiner Bildung die früher vernachlässigte Technik nicht aufwog. Indessen fehl­te es ihm nicht an Anerkennung, da er sich im Gebiete der Nippsachen und der kleinen Salon-Plastik bewegte, absonderlich liebte er niedliche Reiterstatuetten zu modelliren, so von dem höchstseligen König Max II., von Kaiser Alexander von Rußland (1869) und Sr. Maj. König Ludwig II. von Bayern. Mit dem Tiroler P. Lutt modelliere Riederer 1863 einen Cyklus von Statuetten, welche die Münchener Bür­gerwehr von 1795–1849 repräsentirten; 1881 brachte er noch ein Wachsmodell in den Kunstverein, eine Illustration eines lustigen, von einem bayerischen Chevaule­ger und preußischen Husaren gemeinsam gleich bei Beginn des letzten deutsch-französischen Krieges ausgeführten Reiterstückchens, indem beide nach Verlust ih­rer Rosse auf einem erbeuteten französischen Officierspferd sich vor der Gefan­genschaft salvirten.

Allgemeine Zeitung Nr. 41. Beilage. München. Dienstag, den 10. Februar 1885.


16-13-18 (Hall & Riederer)