Allgemeine Realencyclopädie (1850) / t_32

Aiblinger, Johann Kaspar, Kapellmeister in München, ein geborener Bayer, hatte in früher Jugend nicht Gelegenheit, bei einem tüchtigen Meister Studien zu machen, wofür er jedoch in seinem eigenen Studium und in Reisen, die er, um sich als Kom­ponist auszubilden, unternahm, den reichsten Ersatz fand. Während eines längern Aufenthaltes in Italien lernte er dort erst die Inhaltslosigkeit und Geschmacklosig­keit der italienischen Musik recht kennen und wandte sich daher mit desto grösse­rem Eifer und desto entschiedenerer Neigung der deutschen Musik zu. Nach seiner Rückkehr brachte er mit Hilfe der berühmten Sängerin, Nannette Waagen, Gluck’s Iphigenia in Tauris auf die Bühne und mehre Partien derselben wurden von ihm neu instrumentirt. Noch weniger kann A.s Verdienst um die Kirchenmusik verkannt wer­den, denn unter seinen verschiedenen Compositionen stehen seine Kirchenmusiken oben an. Er weiß mit der Freiheit des neuern Satzes die Erhabenheit des alten Styls auf das Trefflichste zu verbinden; so namentlich in seinem Pastorale (Mailand) und in seinem Offertoire a six voix sans accompagnement (Mainz). Weniger Beifall schien seine Oper Rodrigo und Ximene zu finden.

Allgemeine Realencyclopädie oder Conversationslexicon für das katholische Deutschland. Regens­burg, 1850.


16-02-03 (Aiblinger & Gablonsky)