Allgemeine Deutsche Biographie (1904) / t_1620

Du Prel: Carl Freiherr D., Dr. phil., geboren am 3. April 1839, † am 5. August 1899, philosophischer Schriftsteller, wissenschaftlicher Verfechter des Spiritismus (Occul­tismus).

Carl du Prel entstammte einem alten burgundischen Adelsgeschlechte, das nach­mals in Luxemburg ansässig wurde. Er war als der zweite Sohn des kgl. bair. Notars Max Freihern du Prel zu Landshut in Niederbaiern geboren. Seine Eltern übersie­delten später nach München, dort besuchte er das Ludwigsgymnasium und wurde in die kgl. Pagerie aufgenommen. Auf Wunsch seines Vaters, der ein hervorragen­der Jurist war, aber gegen seine eigene Neigung, bezog er (1857) die Universität, um Jurisprudenz zu studiren und hörte daneben die für Juristen obligaten philoso­phischen Vorlesungen, die ihn schon damals mehr interessirt haben mögen als sein eigentliches Fachstudium, das er denn auch bald aufgab, um – da ihm die Eltern keine andere Wahl ließen – die militärische Laufbahn zu ergreifen. Die vorüberge­hende Mobilisirung (1859) gestattete dem Absolventen der kgl. Pagerie, sofort als Lieutenant einzutreten. Er lag in pfälzischen Städten, später in München in Garni­son, machte 1866 die für Baiern unglückliche Schlacht bei Kissingen mit und wurde Oberlieutenant. Im großen Kriegsjahr 1870/71 wurde ihm als Hauptmann wegen seiner gründlichen Kenntniß des Französischen das Gefangenen-Depot in Neuburg a. D. anvertraut. Nach dem Feldzug nahm d. P. theils aus Gesundheitsrücksichten, theils um sich seinen geliebten Studien besser widmen zu können, seinen Ab­schied.

Der ihm angeborene ernste wissenschaftliche Sinn war ihm selbst in den lustigsten Lieutenantstagen niemals abhanden gekommen. In seinen freien Stunden beschäf­tigte sich der junge Officier mit philosophischen Problemen und schrieb Kritiken über eben erscheinende bedeutende Bücher. In einem gleichgesinnten Freundes­kreis, dem u. a. der Liedercomponist Robert Frhr. v. Hornstein, ein Schüler Rich. Wagner’s und Schopenhauer’s, Heinrich Noé, Martin Greif, Adolf Bayersdorfer an­gehörten, fand d. P. Verständniß und Anregung. Der Umgang mit wenigen guten Freunden, gute Bücher und die unerschöpflichen Schönheiten einer großen Natur standen ihm überhaupt Zeit seines Lebens weit höher als das gesellschaftliche Trei­ben hohlen Stadtlebens. Verschlossen und wortkarg, konnte er im vertrauten Krei­se bald aufthauen und kindlich heiter werden. Für seine Person äußerst bebürfniß­los, huldigte er in jener Zeit einer regen Wanderlust, die mit der heutigen Reise­wuth freilich nichts gemein hatte. Im Winter 1873/74 wanderte er mit dem großen Naturschilderer Noé zu Fuß über die Tauern nach Venedig. Auf unbetretenen Rei­sewegen durchforschte er Tirol, Italien, Dalmatien und Montenegro, und eine Frucht seiner Wanderungen wurde sein, heute mit Unrecht nahezu verschollenes Buch »Unter Tannen und Pinien« (Berlin 1875), das ihn heute noch in die erste Reihe unserer Reiseschriftsteller einordnen müßte.

Das erste aber, was d. P. überhaupt drucken ließ, war eine kleine Schrift, die in der Cotta’schen Vierteljahrsschrift (Mai 1868) erschien und »Oneirokritikon, der Traum vom Standpunkt des transcendentalen Idealismus« betitelt war, und auf Grund wel­cher die Universität Tübingen ihm den Doctortitel verlieh. Ohne daß er es wohl ahnte, wurde der Traum und diese philosophische Erstlingsschrift für ihn fast zwei Jahrzehnte später zur Pforte, durch die er sein eigentliches Berufsfeld betreten sollte. Vorerst aber wandte er sich nach einer minder bedeutenden kleinen Brochü­re »Ueber die Intelligenz des Zufalls und die Berechenbarkeit des Glücks« (Mün­chen 1870) der philosophischen Tagespolemik zu. Es war die Blüthezeit der Philosop­hie des Unbewußten, des heftigen Für und Wider Eduard v. Hartmann. D. P. trat damals mit einer geistsprühenden Abhandlung »Der gesunde Menschenver­stand vor den Problemen der Wissenschaft; in Sachen J. C. Fischer contra Ed. v. Hart­mann« (Berlin 1872) entschieden für letzteren ein und lenkte dadurch zum ers­ten Mal die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf seine Person, vor allem natürlich die des Philosophen des Unbewußten selbst, der zuerst froh, einen solchen Streit­genossen gefunden zu haben, sich später freilich von ihm abwandte, als d. P. des Unbe­wußten müde und auch sonst vom philosophischen Industrialismus abgesto­ßen, bei Hartmann nicht stehen blieb. Einen Namen in der Wissenschaft machte sich d. P. ei­gentlich erst mit seinem ersten größeren Werk: »Der Kampf ums Dasein am Him­mel« (Leipzig 1873), das bis heute auch die meisten Auflagen erlebt hat; die dritte, stark vermehrte (1882) führt den Titel: »Entwicklungsgeschichte des Welt­alls, Ent­wurf einer Philosophie der Astronomie«. In dieser und der später (1880) entstande­nen kleineren Schrift: »Die Planetenbewohner und die Nebularhypothe­se« machte d. P. den genialen Versuch, die Darwinsche Theorie über unsere Erde hinaus auch auf die übrigen Weltenkörper auszudehnen, die natürliche Auslese auch als ein in jenen unendlichen Sphären geltendes Gesetz nachzuweisen und durch die geistvol­le Hypothese einer merkwürdig einleuchtenden Organprojection die Möglichkeit von jenen Welten angepaßten Bewohnern zu construiren. Während die erstere Schrift die Naturwissenschafter von Fach, ja, selbst einen so groben, je­dem Tran­scendenten abgewandten Materialisten wie Ludwig Büchner so entzücken konnte, daß dieser sich daraus Motti für sein Buch: »Kraft und Stoff« zurechtmach­te, die er freilich in einer späteren Auflage wieder tilgte, als er sah, wie wenig d. P. zu den Seinen gehören wollte – streiften die »Planetenbewohner« be­reits jenes mystische Gebiet, das er fernerhin nicht mehr verlassen sollte.

Für d. P. selbst war damals in seinem Leben wie in seinem Schaffen eine wichtige Wendung eingetreten. In Brixen am Eisack, wo er mit kurzen Unterbrechungen die Jahre 1876-1879 zubrachte, lernte er eine junge Wittwe kennen, mit der er sich 1880 vermählte. Seine Verheirathung mit einer vermöglichen Frau, die ihn ganz ver­stand und ihm alle täglichen Sorgen, ja, später auch die Erziehung der Kinder ganz abnahm, gestattete ihm, sich völlig in seine Ideenwelt einzuspinnen und ausschließ­lich seiner geliebten Philosophie zu leben, unbekümmert darum, wie viel – oder besser gesagt – wie wenig sie ihm eintrug. Hätte d. P. um des lieben Brotes willen schreiben müssen, so wäre er vielleicht verhungert, denn er schrieb eben nur, wenn er etwas zu sagen hatte, ohne jede Rücksicht auf den materiellen Erfolg. Eine Le­bensregel der Araber, daß der Mensch das Leben benützen soll, entweder einen Baum zu pflanzen, oder ein Kind zu zeugen oder ein Buch zu schreiben, war seine Lieblingsmaxime und er fügte stets hinzu, Eines hindere nicht das Andere. Er sah sich gesunde Kinder erblühen und hat uns ein Viertelhundert Schriften hinterlassen.

In das Jahr seiner Verheirathung fällt außer den »Planetenbewohnern«, die er auf der Hochzeitsreise vollendete, noch eine Schrift, die ihn uns auf scheinbar ganz fremdem Gebiete zeigt, das er später leider nie mehr betreten hat, auf ästheti­schem. Seine »Psychologie der Lyrik« (Leipzig 1880) bietet in knappem Rahmen eine Fülle feinsinniger Urtheile über deutsche Dichter und eine so tiefgründige, ge­wissermaßen intuitive Analyse der geheimnisvollen Vorgänge in der Seele des Dich­ters, daß man einen Forscher vor sich zu haben glaubt, der sich nie mit einem an­deren Thema beschäftigt hat. Doch bedeutete das Buch nur einen gelegentlichen Excurs.

Es tritt nun eine fast fünf Jahre währende Pause ein, welche die letzte entscheiden­de Wendung vorbereitet. D. P. hat sich gelegentlich in seinen Schriften, dann auch in Briefen selbst darüber geäußert, wie er Spiritist geworden ist. Einem dieser letz­teren entnehmen wir, daß ein Erlebniß, das er schon als Lieutenant in Germersheim hatte, den ersten Anstoß gab. Die Promotionsschrift »Oneirokritikon« berichtet darüber. Philosoph wurde d. P. durch Schopenhauer, den er bis zuletzt hoch verehr­te, wenn es auch sein heißestes Bemühen blieb, dessen blinden Willen zu einem denkenden und zugleich organisirenden transcendentalen Subject zu crystallisiren. Dagegen hat Hartmann nur insoferne Einfluß auf ihn gehabt, als er in der »Philoso­phie des Unbewußten« »das Thor in die dunkle Grotte aufthat, in die ich eintrat, aber etwas ganz Anderes fand als er. Ich wollte dann (nach Darwin) den Spi­ritismus studiren, fand, daß er isolirt nicht studirt werden kann, ließ ihn liegen, stu­dirte Ma­gnetismus und Somnambulismus, d. h. das Hineinragen des Menschen in die Geis­terwelt, statt des Hereinragens der Geisterwelt in die unsrige«. Experimen­te, die er in Wien miterlebte, brachten ihn wieder auf den Spiritismus. Und das Experi­ment unter den schärfsten Cautelen stand ihm bis zuletzt so hoch, daß er im­mer wie­der klagte, es fehle ihm nur ein großes Vermögen, um nicht genöthigt zu sein, den Gegenstand immer wieder nur philosophisch und historisch zu behan­deln. So ist er der Philosoph des Spiritismus geworden, wo er in Verkennung seiner sich nie­mals verleugnenden Begabung gern bloß der Experimentator gewesen wäre, im­mer von der Ansicht verfolgt, neue und immer neue Experimente könnten endlich jene ge­lehrte Welt überzeugen, die er so gern überzeugt hätte zu jener felsenfest­en Ge­wißheit, die ihn keinen Augenblick mehr verlassen hat und die doch durch die ge­lungensten Experimente keinem anderen hätte mitgetheilt werden können, der nicht schon von vornherein geneigt gewesen, ihm zu vertrauen.

D. P. ist also, was nicht oft und scharf genug betont werden kann, von den Natur­wissenschaften ausgegangen und von der Astronomie über Hypnotismus und Som­nambulismus zum Spiritismus gelangt. Für die medicinische und forensische Bedeu­tung des Hypnotismus ist er (in der Schrift: »Das hypnotische Verbrechen und seine Entdeckung«, München 1889 und anderen) zu einer Zeit eingetreten, als die Wis­senschaft, in Deutschland wenigstens, noch nichts davon wissen wollte. Er hat spä­ter die Anerkennung seiner Theorien erlebt, nicht aber, daß man sich seiner als ei­nes Bahnbrechers erinnert hätte. In seinem geistvollen Hauptwerke: »Die Philoso­phie der Mystik« (Leipzig 1885), das auch ins Englische übersetzt wurde, ist von Spiritismus noch keine Rede, denn »Mystik«, ein nicht eben glücklicher Ausdruck, der irrig an die alte christliche Mystik erinnert, ist nur für die occulten, noch wenig erforschten Phänomene des Seelenlebens gewählt, aus denen d. P. sein transcen­dentales Subject herausconstruirt. Die Philosophie der Mystik bietet die Basis zu du Prel’s ganzer Philosophie: vom Traumleben und vom Somnambulismus ausgehend, führt der Verfasser einen Prachtbau von großartiger Kühnheit auf mit neuen über­raschenden Gedanken und in einer Sprache von wahrhaft classischer Formvollen­dung. Seinem philosophischen Gehirn war die Entdeckung neuer Probleme stets ein wahres Fest. Wohl erstand ihm bald ein Heer von mehr oder minder ernsthaf­ten Gegnern, aber seine vollkommene, ungeheuchelte Gleichgültigkeit gegen die Urtheile anderer, wo er glaubte, die Wahrheit gefunden zu haben, seine große Ehr­lichkeit, der es niemals um den äußeren Erfolg, immer nur um die Sache selbst zu thun war, halfen ihm über alle Schwierigkeiten hinweg. Wie die Ethik die Blüthe je­der Philosophie ist, so ist auch das Schlußcapitel der Philosophie der Mystik voll er­habener ethischer Gedanken, und es wird immer bedauert werden müssen, daß sie in keinem der späteren Werke weiter ausgeführt worden sind.

Verhältnißmäßig rasch auseinander folgten nun die ausbauenden Schriften: »Die Mystik der alten Griechen« (Tempelschlaf-Orakel-Mysterien-Dämon des Sokrates) (Leipzig 1888), bei welcher d. P. durch seine colossale Belesenheit unterstützt, von den Fachphilologen aber auch viel bekämpft worden ist, »Die Entdeckung der See­le« (2 Bde., Leipzig 1894/95), der schon 1890/91 eine Sammlung von »Studien aus dem Gebiete der Geheimwissenschaften« (2 Thle., Leipzig) vorausgegangen war und 1899 »Die Magie als Naturwissenschaft« (2 Thle., Jena) als letztes großes Werk folgte. Dazwischen hatte d. P. mehr zu didaktischen Zwecken, aber doch in der Handlung spannend, in den Naturschilderungen von blühender Anschaulichkeit, ei­nen hypnotisch-spiritistischen Roman »Das Kreuz am Ferner« (Stuttgart, Cotta 1891) geschrieben, der inzwischen die zweite Auflage erlebt hat. Dem großen Pu­blicum trat d. P. ferner durch zwei kleinere populärere Schriften (»Das Räthsel des Menschen« und »Der Spiritismus«) näher, die 1892 und 1893 in Reclam’s Universal-Bibliothek erschienen. Das letzte was d. P. schrieb war die im Selbstverlag heraus­gegebene Schrift: »Der Tod – das Jenseits – das Leben im Jenseits« (1899), nicht sein reifstes Werk, aber – da schon die Schatten des Todes über ihm selbst schweb­ten – gewissermaßen ein zusammenfassendes Testament von rührender Eindring­lichkeit. Rechnet man zu all dem noch verschiedene Gelegenheitsschriften, so zum Jubiläum Justinus Kerner’s, die Einleitung zu den von d. P. wiederentdeckten Vorle­sungen Kant’s über Psychologie, in der er Kant fast gegen die gesammte Fachkritik für seine mystische Weltanschauung reclamirte, die nach seinem Tode erschienene, aber lang vorher entstandene Brochure: »Die vorgeburtliche Erziehung als Mittel zur Menschenzüchtung, ein Beitrag zur Lösung der socialen Frage« (Jena 1899), und zahlreiche Bücherbesprechungen, Aufsätze polemischen, litterarischen, sogar politischen Inhalts – so haben wir ein Lebenswerk vor uns, wie es reicher und zielbe­wußter kaum mehr gedacht werden kann. Er arbeitete stundenlang mit Leichtigkeit ohne zu ermüden. Die Arbeit war ihm Lebensbedürfniß und es ist mehr als wahr­scheinlich, daß der kleine, zart gebaute Mann mit dem prachtvoll gewölbten Schä­del und den durchdringenden klaren Augen, der einst so luft- und lichthungrig zu wandern wußte, sich im Dienste seiner ihn ganz ausfüllenden Idee langsam am Schreibtisch verzehrte, bis er bald, nachdem die deutschen und ausländischen Spi­ritisten seinen 60. Geburtstag zum aufrichtigen Schrecken des jedem Gepränge gründlich abholden Forschers festlich begangen hatten, unter einem tückischen Leiden rasch zusammenbrach und wie ein echter Philosoph in der geliebten tiroler Sommerfrische starb.

D. P. nannte sich einen überzeugten Spiritisten und mit der, vielen genialen Naturen gemeinsamen Einseitigkeit thaute der kleine Schweiger in den letzten Jahren fast nur mehr dann auf, wenn die Rede auf dieses eine Thema kam. Man wird dies im In­teresse der reichen universalen philosophischen Anlagen dieses geistvollen Kopfes bedauern müssen, aber d. P. wurde vielfach gerade durch die wachsende Oppositi­on auf dieses in seinen Augen gefährdetste Feld gedrängt, und wer ihm näher stand, wußte, daß fast der einzig völlig ernsthaft zu nehmende wissenschaftliche Verfechter des Spiritismus in Deutschland, als welcher d. P. in der Geschichte sei­nen Platz erhalten wird, mit jenen Excessen des professionellen Mediumismus und Spiritismus, der nach französischem und amerikanischem Muster sogar zu religiö­sen Zwecken ausgebeutet wird, nicht nur innerlich gar nichts gemein hatte, son­dern daß er dieses theils lächerliche, theils widerliche Treiben von Grund der Seele haßte. Denn die Wahrheit ging ihm über alles, Unwahrheit war ihm einfach unver­ständlich. D. P. hat zahlreiche würdige und unwürdige, wissenschaftliche und unwis­senschaftliche Gegner gehabt, aber unter all denen, die ihn persönlich kannten, wohl kaum einen Feind, denn sein ernster, wahrhafter Sinn, sein fast kindlich reiner Charakter, der jedem ohne Falsch, wenn auch mit einer gewissen Reserve entge­genkam, entwaffnete jeden. Er war eine durch und durch vornehme Natur, voll Ver­trauen in seine Sache, an deren endlichen Sieg er glaubte. Er hatte in der Geschich­te seiner philosophischen Vorgänger zu oft erfahren, daß die besten Ideen ihre Schöpfer überleben müssen, um zur Geltung zu kommen, als daß er auch bei man­gelnder Anerkennung in seinem Vertrauen erschüttert worden wäre. In diesem Glauben ist er nach einem reichen Leben gestorben, und wenn eine ferne Zukunft das Lebenswerk du Prel’s auch nicht in seiner Ganzheit ratificiren sollte – die Keime seiner stürmischer als jede andere an die Pforten des Unendlichen pochenden Phi­losophie werden sicher unverloren sein.

Die biographische Litteratur über d. P. war bei seinen Lebzeiten nur sehr klein und hob sich erst einigermaßen anläßlich der Feier seines 60. Geburtstages und bald darauf seines Todes. Ungern nur schrieb er einmal zu seinem in einer obscuren Zeit­schrift erscheinenden Bilde einen kurzen, unvollständigen Lebensabriß. Dagegen ist das in der »Geschichte des neueren Occultismus« von dem jung verstorbenen Carl Kiesewetter (Leipzig Wilhelm Friedrich 1891) enthaltene 12. (Schluß-)Capitel S. 749 u. ff., das d. P. und seine Schriften behandelt, vielfach mit Zugrundelegung sei­ner eigenen brieflichen Angaben geschrieben. Zur 60. Geburtstagsfeier und nach seinem Tode sind zahlreiche größere und kleinere biographisch-kritische Artikel in deutschen und außerdeutschen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Insbeson­dere haben sich du Prel’s schriftstellernde Freunde: Martin Greif, Dr. F. Wedel, Dr. Walter Bormann, Dr. Franz Riß nach dieser Richtung verdient gemacht. Der erste Nekrolog erschien in der Beilage zur Allgemeinen Zeitung am Todestage selbst von dem Unterzeichneten, der später auch im »Biographischen Jahrbuch und Deut­schen Nekrolog« IV. Band 1900, herausg. von Anton Bettelheim (Berlin, Georg Rei­mer), sowie in dem von Karl Werckmeister herausgegebenen »Neunzehnten Jahr­hundert in Bildnissen« (Berlin, Photographische Gesellschaft. 4. Band) ein Lebens­bild seines Freundes zu zeichnen versucht hat. Dieses letztere Unternehmen bringt auch das bestgetroffene Bildniß Du Prel’s.

Die Werke Du Prel’s sind leider bei verschiedenen Verlegern zerstreut erschienen. Das meiste, wie angegeben, bei Ernst Günther in Leipzig, der nun gegen den aus­drücklichen Willen des Verstorbenen und seiner Hinterbliebenen eine Titelauflage »Ausgewählter Schriften« veranstaltet hat, die mit Hinzuziehung einiger kleinerer, in anderem Verlage herausgekommener Schriften in ca. 20 Lieferungen Werke Du Prel’s in kunterbunter Reihenfolge enthält- eine Anordnung, die niemals ein Bild seiner Entwicklung geben kann, indem z. B. nebensächliche, spätere kleine Aufsät­ze an die Spitze, die naturwissenschaftlichen, ersten Schriften an den Schluß ge­stellt sind. Die Ausgabe ist mit einem minderwerthigen Bildniß des Verfassers und einer kleinen, nichtssagenden Lebensskizze »geschmückt«, ein verantwortlicher Herausgeber nirgends genannt. So ist denn leider diese vom Verfasser nicht autori­sirte Sammelausgabe nur aufrichtig zu beklagen und man wird sich auch fernerhin an die ersten Einzelausgaben zu halten haben, bis sich – wenn auch erst in ferner Zeit – der sehnliche Wunsch Du Prel’s nach einer wohlgeordneten chronologischen und systematischen Gesammtausgabe erfüllt.

Alfred Frhr. Mensi v. Klarbach.

Alfred Freiherr Mensi von Klarbach: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1904.


NA-146 (Bauer & Prel)