Allgemeine Deutsche Biographie (1895) / t_1377

Vespermann: Catharina Sigl, die von nun ab den Namen Sigl-Vespermann führte. Catharina Sigl wurde um 1802 in Passau geboren. Ihre Jugend verlebte sie gro­ßentheils auf Reisen in Deutschland, Italien (1809), Frankreich, Holland, wo ihre El­tern sie und zwei ältere Geschwister als Wunderkinder vorzuführen suchten. 1812 und 1813 trat die zehnjährige Kleine bereits als Sängerin in Berlin auf und wagte sich an die berühmte Arie des Romeo von Zingarelli. 1818 und 1819 concertirte sie mit ihrem Bruder Ignaz, einem jugendlichen Cellisten, in Paris und Amsterdam. Ihr erstes Engagement fand sie in München 1820 bei der italienischen Oper. 1821 wur­de sie Mitglied des Münchener Hoftheaters, an dem sie nun durch ein Jahrzehnt das Rollenfach des hohen Soprans mit großem Erfolg und dauernder Beliebtheit vertrat. Sie sang die Königin der Nacht, Susanne, Elvira, Myrrha, Marzelline (Fide­lio), schuf für München die Rollen des Aennchen (Freischütz), der Euryanthe und Rezia und wurde nur zeitweise durch die stimmbegabtere Nannette Schechner in Schatten gestellt. Gastspiele in Wien (1822), Nürnberg (1824) und Stuttgart (1826) verbreiteten ihren Ruf als Meisterin des Ziergesanges. 1833 wurde sie in Ruhestand versetzt. Sie starb zu München am 30. Juli 1877.

Vgl. Franz Grandaur, Chronik des kgl. Hof- und Nationaltheaters in München. Blum-Herloßsohn-Marggraff, Allg. Theaterlexikon VII, 167 f. Allgemeine musicalische Zei­tung, Jahrgänge 1809-1833.

Heinrich Welti: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1895.


18-14-11/12 (Vespermann)