Allgemeine Deutsche Biographie (1891) / t_1282

Er [Xaver Schwanthaler] hinterließ einen Sohn Rudolf Schwanthaler, geboren am 4. April 1842, welcher sich erst auf der Münchener Akademie unter Professor Max Widnmann zum Künstler bildete, dann bei Johann Halbig und später zu Dresden unter Ernst Rietschel hospitirte. Zurückgekehrt 1866 von einer italienischen Reise, übernahm er die Führung des von Fremden häufig besuchten Schwanthaler-Ateli­ers, wo die Erzeugnisse seines großen Vorfahren in sogen. Biskuit-Abgüssen (aber auch viele Arbeiten Thorwaldsen’s, wie die Reliefs »Tag« und »Nacht«), immer be­reitwillige Abnehmer und Käufer fanden.

Auch in eigenen Arbeiten versuchte sich der letzte Träger dieses illustren Namens, entwarf Darstellungen zu Vergil’s Aeneide, auch einige biblischen und allegorischen Figuren (Korb mit Kindern, allerlei Mädchen- und Frauengestalten, ferner die treffli­che Portraitbüste des Komponisten Max Kunz für dessen Denkmal am südlichen Friedhof und ebendaselbst das allegorische Monument für den berühmten Japan-Forscher v. Siebold). Weitere Pläne vereitelte sein früher, am 27. April 1879 erfolg­ter Tod. Aus seinem Nachlasse wurde die von Ludwig Schwanthaler gesammelte kleine Gallerie von Oelgemälden alter und neuerer Meister (darunter zwei interes­sante Jugendarbeiten von Moritz v. Schwind, welche Graf Schack erwarb) am 25. September 1879 durch Maillinger (Montmorillon) versteigert, ebenso das ganze In­ventar der ehemaligen »Humpenburg«. Das frühere, berühmte Atelier wurde in zwei große Zinshäuser umgewandelt, an welchen jedoch die Büsten von Ludwig und Xaver S. eine Stelle fanden. Gegenüber liegt das heute noch interessante und vielbesuchte »Schwanthaler-Museum«. (Einen kurzen Nekrolog auf den letzten Trä­ger dieses ehedem vielgefeierten Namens erhält der Kunstvereins-Bericht für 1879, S. 69.)

Hyac. Holland.

Dr. phil. Hyazinth Holland: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1891.


NA-001 (Schwanthaler)