Allgemeine Deutsche Biographie (1875) / t_513

Baumann: Adolf Christian B., Historienmaler, geb. zu München 1829 † ebenda 1865, besuchte die Akademie von 44-48, wo er bald specieller Schüler Schrau­dolph’s wurde, dem er dann beim ganzen Verlauf seiner Arbeiten im Speirer Dom zur Seite stand. Nach ihrer Vollendung erhielt er von König Ludwig ein Reisestipen­dium um Italien zu besuchen, wo er drei Jahre blieb. Zurückgekehrt führte er nun eine Reihe selbständiger Arbeiten aus, zunächst zwei große Frescobilder in den Ar­caden des südlichen Münchner Friedhofs: die Himmelfahrt Christi und die Erwe­ckung von Jairi Töchterlein darstellend, dann stereochronisch eine Kreuzigung am Isarthor, vier Wandbilder im Nationalmuseum, u. a. m. Letztere sind unerheblich, die religiösen dagegen, in ihrer dem durch H. Heß geschaffenen und von Schrau­dolph fortgesetzten Kirchenstil sich durchaus anschließenden Art zeigen B. als ei­nen ebenso gewandten als sorgfältigen und feinfühligen Künstler. Ohne auffallende Eigenthümlichkeit sind es achtbare Kunstwerke von edlem und einfachem, bei den einzelnen Individualitäten glücklicher nüancirtem Ausdruck, als dies bei der etwas conventionellen Frömmigkeit der Schultypen sonst gewöhnlich ist.

F. Pecht.

Friedrich Pecht: Allgemeine Biographie der Deutschen. Leipzig, 1875.


15-03-55 (Baumann)