Abendblatt (14.3.1861) / t_1263

München, 11. März. Nach längerer durch den Tod seines verdienstvollen Gründers Hrn. K. Schönchen veranlaßter Pause öffneten sich am 24. v. Mts. wieder die Pfor­ten des philharmonischen Vereins und man konnte mit Vergnügen bemerken, daß nicht bloß die altgewohnten Besucher dieser musikalischen Matinees sich wieder einfanden, sondern sogar ein größerer Andrang als gewöhnlich stattfand und na­mentlich die Spitzen der Gesellschaft und der Kunst durch ihre hervor-ragendsten Notabilitäten zahlreich vertreten waren. Der neue Leiter des Vereins, Hr. Heinrich Schönchen, durfte sicherlich diesen zahlreichen und ehrenden Besuch nicht minder für einen Beweis allgemeiner Theilnahme als für den Ausdruck der Anerkennung seiner bisherigen Bestrebungen und der Zuversicht deuten, daß unter seiner Lei­tung der Verein nicht bloß seinen allen Ruf bewähren, sondern zum Besten der Kunst und ihrer Jünger sich immer kräftiger entwickeln werde. Eröffnet wurde die Production durch Hummel’s militärisches Septett, das ebenso interessant durch die Zusammenstellung der Instrumente wie durch seine Motive ist und sich wohlver­dienten Beifalls erfreute. Zugleich war uns diese Nummer des Programms ein er­freulicher Beweis, daß auch fortan an dem auch in der jüngsten Matinee wieder bethätigten Princip festgehalten werden soll, jede Production möglichst mit einem größern Tonwerk, das mehr oder weniger zur eigentlichen Kammermusik zählt, zu eröffnen.

Abendblatt zur Neuen Münchener Zeitung Nr. 63. Donnerstag, 14. März 1861.


05-15-53* (Schönchen)