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…und wir fühlen uns von einem solchen abgestoßen und angewidert.

Ein emancipirtes Frauenzimmer

ist uns immer noch etwas unheimliches gewesen und wir fühlen uns von einem solchen abgestoßen und angewidert. Daran ändert bei uns auch nichts, wenn so ein Frauenzimmer ein Fräulein Doktor geworden ist und ihre Weisheit Hausiren trägt. Daß ein Frauenzimmer Doktor werden kann, beweist höchstens, daß das Doktor-Diplom zu erreichen, nicht gar so schwierig sein muß und daß ein seichtes Wissen genügt um zum Doktorhut zu gelangen. Zur Zeit entflammt sich bei allen Flachköpfen eine hohe Begeisterung für so einen weiblichen Doktor, der Wandervorträge veranstaltet, anstatt im Stopfen von Strümpfen sich erheblich nützlicher zu machen. Anita Augspurg heißt der Blaustrumpf, der die dummen Weiber noch mehr verrückt macht, als sie es von zu Hause aus schon sind und dadurch geradezu gemeingefährlich wird. Wir versagen es uns auf das Thema des Frl. Doktor jur., welches sie im »Verein für geistige Interessen der Frau« behandelte, zurückzukommen. Wenn es euch darum zu thun ist, die Welt in ein einziges großes Narrenhaus zu verwandeln, dann ihr verweiberten Kreaturen von Männern empancipirt ihr nur die Weiber. Ihr könnt dann die Gänse allmählig auch der Emancipation theilhaftig werden lassen, wenn sie euch im Uebermaße ihrer Dummheit einmal zu beißen anfangen.

Münchener Ratsch-Kathl No. 13. Samstag, den 12. Februar 1898.

Anmerkung:
Anita Augspurg (* 22. September 1857 in Verden an der Aller † 20. Dezember 1943 in Zürich) war die erste promovierte Juristin des Deutschen Kaiserreichs. Sie gehörte als Schauspielerin mehrere Jahre zum Ensemble des Meininger Hoftheaters, absolvierte eine Ausbildung zur Photographin und eröffnete 1887 zusammen mit Sophie Goudstikker in München das Fotostudio »Hofatelier Elvira«. Da Frauen im Deutschen Reich der Zugang zur Universität versagt war, absolvierte sie ihr Jurastudium in Zürich.
Das Photo zeigt von links nach rechts: Anita Augspurg, Marie Stritt, Lily von Gizycki, Minna Cauer und Sophia Goudstikker. Fotografie des Atelier Elvira, München um 1896.

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…weinten ganz untröstlich

In der Amalienstraße hat am 2. Januar ein Leichenbegräbnis ohne Geistlichen stattgefunden. Es wurde nämlich der Liebling einer alten Dame, ein alter Pinscher, im Garten unter die Erde gebracht. Eigentümerin und Kammerzofe weinten ganz untröstlich. A Hunderl ist oft besser wie ein Menschenleben.

Münchener Ratsch-Kathl. Samstag, den 25. Januar 1896.

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Artenschutz – Ein alter Hut

Ein Gesetzentwurf gegen die Damenhüte mit Federschmuck.

Aus London wird berichtet: Der sehr berechtigte und nothwendige Kampf gegen den Vogelmord zu Putzzwecken nimmt in England anscheinend eine neue Form an. Die »Humanitarian League« will dem Parlament einen Gesetzentwurf vorlegen, um der im großen betriebenen Ausrottung der Vögel für Modezwecke Einhalt zu gebieten.

Der Antrag will die Hüte selbst treffen. Das Gesetz soll den Verkauf und Gebrauch von Federn im Putzgeschäft regeln. Die Damen würden also künftig auf das zu sehen haben, was sie tragen. Sie können ihre Hüte mit Straußenfedern, Taubenflügeln oder Pelikanköpfen schmücken, dürfen aber keine von Fischadlern, Kolibris, Paradiesvögeln, Fasanen, Seeschwalben, Sturmmöven oder Eisvögeln tragen.

Es soll nach dem Gesetzentwurf eine Strafe von 100 M. Jedem auferlegt werden, der trägt oder zum Zwecke des Tragens – ob getrennt oder an einem Hut oder anderen Stücken des Anzuges – irgend ein Theil des Gefieders oder Balges von einem der oben erwähnten Vögel besitzt, zum Verkauf anbietet oder zum Zweck des Verkaufens besitzt. Bei jeder Überführung soll das Gefieder eines solchen Vogels, das im Besitz der überführten Person gefunden wird, oder jedes Anzugstück, an dem es befestigt ist, von der Krone mit Beschlag belegt werden, und die Kosten des Verfahrens sollen von der überführten Person getragen werden. Die Vorlage ist noch nicht eingebracht worden, aber alle Bemühungen, die schönen gefiederten Geschöpfe zu schützen, werden in England sicher Unterstützung finden.

Möchte doch auch in Deutschland dieser grausamen Unsitte durch ein Gesetz gesteuert werden, da alle Appelle an das Herz und den gesunden Sinn der Frauenwelt durch die allmächtige Mode wirkungslos gemacht werden. Wo vernünftiges Zureden nicht mehr hilft, können eben nur Gesetze helfen.

Allgemeine Zeitung Nr. 192. Abendblatt. München, Samstag, 13. Juli 1901.

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Der Tod des Papagei

Eine alte Frau, welche früher Haushälterin des berühmten Abée Siccard, Taubstummenlehrers, in Paris gewesen, brachte sich kürzlich selbst durch Kohlendampf ums Leben. Die Ursache ihrer traurigen That war der Tod eines Lieblings-Papageis, der ehemals dem Abée gehört, und von ihr zum Andenken an den unvergeßlichen Herrn mit treuer Sorgfalt gepflegt worden war.

Neues Tagblatt für München und Bayern Nr. 94. Freitag, 5. April 1839.

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Die Spielhöllen in München

Die gemeine Geldgier bethätigt sich überall in einer Weise, die schmachvoll genannt werden muß. Ohne Kartenspiel ist bei Vielen der Tag ein verlorener. Man kann hier kaum ein öffentliches Lokal betreten, ohne ganze Gruppen Spieler zu bemerken, die dem Herrgott den Tag abstehlen. Vielfach beruht ja das Spiel dieser Leute nur auf geringen Einsätzen, immerhin sind aber auch kleine Verluste, zumal wenn sie sich wiederholen, nicht ohne wirthschaftliche Nachtheile für den Verlustträger. Von der verdummenden Wirkung des Spieles wollen wir gar nicht reden, da viele Spieler absolut nicht mehr dümmer werden könnten, als sie schon von zu Hause aus sind. Die Leidenschaft des Spielers begnügt sich aber vielfach nicht mit kleinen Einsätzen und einem anständigen Spiele. Es muß Hazard gespielt werden und da man das nicht überall kann, so muß nach Lokalen geforscht werden, in welchen diese Lumperei gestattet wird. Solche Lokale gibt es hier genug. Das Café Neumayer am Viktualienmarkt zählte ebenfalls zu denselben. Tagtäglich fanden sich in dieser Spielhölle spielwüthige Gesellen ein, die dem gemeinen Laster des Hazardspiels fröhnten. Der Wirth duldete das Spiel trotz öfterer Verwarnung seitens der Polizeiorgane. Gelegentlich eines solchen Raubspieles wurde, wie erinnerlich sein wird, sogar ein Spieler von einem Andern schier erstochen. Endlich kam der Wirth wegen Duldung des Hazardspiels zur Anzeige und wurde kürzlich auch nach Gebühr zu einer Geldstrafe von 100 Mk. verdonnert. Ob jetzt die Spielhölle in diesem Café aufgehört hat ist fraglich. Das Spielgesindel braucht ja Lokale und wird ihm dieses Lokal verschlossen, so sucht es sich ein anderes, das ist die nächste Folge. Ein Wirth soll besser darnach trachten, daß er anständige Gäste in sein Lokal bekommt, dann kann er auf diese nichtsnutzige Bande verzichten.

Münchener Ratsch-Kathl No. 65. Samstag, den 13. August 1898.