Januar, Sektion 7

07-10-54: Franz Xaver Gabelsberger (eBook)

E. C. Schmidt: Franz Xaver Gabelsberger. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Franz Xaver Gabelsberger

9.2.1789 (München) – 4.1.1849 (München)
Opfer kirchlicher Verfolgung; Erfinder eines Kurzschriftsystems

  • Bayerische National-Zeitung (5.8.1834)

  • Allgemeine Zeitung (5.1.1849)

  • Neue Fränkische Zeitung (9.1.1849)

  • Der Bayerische Landbote (9 & 10.1.1849)

  • Deutsche Allgemeine Zeitung (12.1.1849)

  • Kemptner Zeitung (12.1.1849)

  • Neuer Nekrolog der Deutschen (1851)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Neuer Nekrolog der Deutschen (1851)

Franz Xaver Gabelsberger, königl. bayer. quiescirter Ministerialrath, Erfinder der deutschen Stenographie, zu München; geb. den 9. Febr. 1789, gest. den 4. Jan. 1849* (* Nach der »Deutschen Gewerbezeitung.« 1849. Nr. 10. – dem »Kunst- und Gewerbeblatte des bayer. polytechnischen Vereins.« 1849. Heft 2. u. a. Blättern.).

G. ward zu München geboren, wo sein Vater, Joh. Gabelsberger, Hofblaseinstrumentmacher war. Als Knabe bahnte er sich durch seine schöne Stimme und durch seine Ausbildung in der Singekunst den Weg in das Kloster Ottobeuern. Nach dessen Aufhebung trat er in ein Studienseminar in München; entschloß sich jedoch aus Mangel an Mitteln um eine Universität besuchen zu können, sich dem Elementarschullehrfache zu widmen. Aber seine schwächliche Gesundheit nöthigte ihn, auch diese Berufsart aufzugeben und er erhielt als Kalligraph im Jahr 1809 seine erste Anstellung bei der Generaladministration der Stiftungen im nächsten Jahr als Kanzellist bei der königl. Kreisregierung in München. Nachdem er vom Jahr 1813 an als Kanzellist der Centralstiftungskasse gedient hatte, ward er im J. 1823 zum geheimen Sekretär im Staatsministerium befördert und erhielt späterhin den Titel eines Ministerialraths. Seine Mußestunden widmete er fortwährend wissenschaftlicher Ausbildung und beschäftigte sich besonders mit Lithographie. Seine für den Gebrauch in Schulen gelieferten Vorschriften fanden reißenden Absatz; auch erfand er eine sehr zweckmäßige Vorrichtung für den Elementar-Rechenunterricht, welche unter dem Namen: »Mechanische Rechnentafeln« etwa dieselben Dienste leisten sollten, wie die Lesemaschine beim Leseunterrichte.

Doch das höhere Verdienst erwarb sich G. durch Emporbringung und Verbreitung der nach einer ganz eigenthümlichen, von ihm selbst erfundenen, für Deutsche berechneten Schnellschreibemethode, nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland. Die erste Idee dazu erfaßte er lediglich zu seinem Privatgebrauch in der Absicht, Alles, was er sich im Dienste und privatim zu notiren hatte, mit größter Zeitersparnis aufzuzeichnen. Bald aber zeigte sich ein noch viel dringenderes und umfassenderes Bedürfniß der Anwendung einer solchen Schnellschrift. Denn als sich im Jahr 1819 die bayer. Landstände zum ersten Male versammelten, war G. im Stande, einige Proben seiner Schnellschreibekunst durch Aufnahme einzelner Verhandlungen vorzulegen. Was die vorhergegangene kurze Uebung noch zu wünschen übrig ließ, holte er bald durch ungemeinen Fleiß nach und es wurden ihm von Seiten des Staats besondere Unterstützungen gewährt, um seine Kunst zu immer größerer Vollkommenheit zu erheben.

G. schrieb zu seiner Uebung Hunderte von Predigten nach und als im Jahr 1829 Langenschwarz auf dem königl. Hoftheater in München als Improvisator auftrat, zeichnete er hinter den Koulissen die Vorträge wörtlich auf. In demselben Jahre ward sein Schnellschreibesystem auf Anordnung des Ministerium des Innern von der königl. Akademie der Wissenschaften geprüft und diese sprach sich dahin aus, daß diese Schnellschreibemethode einfacher, naturgemäßer und in Bezug auf die deutsche Sprache vortheilhafter sey, als die bisher zur Anwendung empfohlenen englischen und französischen Methoden. Auf den Antrag der Landstände ward G. im J. 1831 als erster landständischer Stenograph angestellt.

Er unterrichtete seit dieser Zeit viele junge Leute in seiner Kunst der Geschwindschreiberei eben so uneigennützig als erfolgreich; seine Lehrmethode war anziehend und gründlich; viele Studirende in München wurden durch ihn in den Stand gesetzt, bei dem Besuche ihrer Kollegien von der Stenographie den vortheilhaftesten Gebrauch zu machen. Mehere Jahre hindurch beschäftigte er sich mit der Ausarbeitung eines ausführlichen Lehrbuchs der Stenographie, das im J. 1834 unter dem Titel: »Anleitung zur Stenographie. München.« im Druck erschien und von Seiten aller Sachverständigen rühmlichste Anerkennung fand. Es verdiente sie besonders darum, weil G. nicht empirisch, sondern rationell verfuhr und sein Schreibesystem aus den Tiefen der Sprache und Grammatik hervorholte. Eben darum leisten bei ihm die sinnreichsten Vortheile im Stufengange grammatikalischer Entwickelung Das, was bei anderen stenographischen Lehrmethoden gewöhnlich nur Willkür erschaffen hat. Von den Vorzügen seiner stenographischen Kunst giebt die schnelle Verbreitung derselben das beste Zeugniß.

Zu Stuttgart wurde sie durch einen Schüler G.’s, Krieg, eingeführt; in Wien gründete ein junger Mann, J. Heger, der sie lediglich aus des Meisters Werken erlernt hatte, ein stenographisches Institut, das bald zur Blüthe gelangte. Auch in Karlsruhe, Kassel, Dresden und in der Schweiz werden Schüler des erprobten Meisters beschäftigt. Selbst das Ausland scheint seine Grundsätze anzuerkennen und zur Anwendung bringen zu wollen. Im Jahr 1833 übertrug ihm das Ministerium des Innern die stenographische Aufnahme der Verhandlung in dem vor den Asfisen zu Landau schwebenden Proceß gegen Wirth und Siedenpfeiffer.

Auch nachdem er in Ruhestand versetzt worden war, bediente sich der Staatsminister von Oettingen-Wallerstein seiner oft zur Aufnahme der wichtigsten Verhandlungen und außerdem beschäftigte ihn eine in vieler Beziehung höchst eigenthümliche Telegraphenschrift, die sich besonders durch sinnreiche Bezeichnung in größter Kürze auszeichnen soll. Von seinen Bestrebungen, die Stenographie auf die richtigsten Punkte zurückzuführen, zeugt sein letztes Werk: Neue Vervollkommnungen in der deutschen Redezeichenkunst. München 1843.

Von Charakter war G. ein Muster von Sanftmuth, Biedersinn und Rechtschaffenheit; gegen seine Schüler und auswärtigen Freunde war er bis zur Aufopferung gefällig. Der wackere Mann starb am oben bezeichneten Tage, getroffen von einem Schlagflusse auf der Straße und augenblicklich dem Leben entrückt. Als bei seiner Beerdigung der Priester in seiner kurzen Rede am Grabe die Andeutung machte: »ein rascher Tod durch Schlagfluß sey ein Strafgericht Gottes« und demnach für die arme Seele zu beten aufforderte, so wäre – nach einer Korrespondenznachricht in der Deutschen Allg. Ztg. v. d. J. Nr. 12. Seite 111 – »der Priester vielleicht an Ort und Stelle gemißhandelt worden, wenn die Entrüstung dort Zeit gehabt hätte, sich nach Außen zu entladen. Dafür ist sie wie ein Blitzstrahl über ganz München hingefahren und wiederhallt in tausend Verwünschungen über den unausrottbaren Fanatismus noch zur Stunde fort.«

Neuer Nekrolog der Deutschen für das Jahr 1849. Weimar, 1851.

Januar, Sektion 12

12-01-09: Dr. phil. Hyazinth Holland (eBook)

Prof. Dr. Hyazinth Holland. Abbildung aus »Lebenserinnerungen eines 90jähr. Altmüncheners«. München, 1921.

Dr. phil. Hyazinth Holland / Reding von Biberegg (ps)

16.8.1827 (München) – 6.1.1918 (München)
Kunsthistoriker, Literaturhistoriker und biographischer Schriftsteller

  • Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert (1868)

Hyacinth Holland
(pseud. Reding von Biberegg)

wurde geboren am 18. Aug. 1827 zu München, Sohn des am 31. März 1845 verstorbenen Kreis- und Stadtgerichtsdirektors Christoph H., absolvierte das Gymnasium zu München 1846, studierte von da bis 1854 auf der Universität, erhielt 1846 von der Universität Würzburg das Diplom eines Dr. philos., und zwar rite promotus als der Autor »literarum germanicarum historiae ingenio aeque ac doctrina scriptae«. Von 1854–55 war er Erzieher im Hause des Grafen von Arco-Valley, von da an lebte er als Privatgelehrter in München und ist seit 1864 Lehrer der Geschichte und Literatur am Ascherschen Erziehungsinstitut.

Ueber den tüchtigen Literarhistoriker und Kunstkenner vgl. Brühl 806. Katholik 1854. I, 130. Hdw. 16, 228. Litz. 1857, 24. 1861, 336. 349. 1862, 364.

Gesch. d. deutsch. Literatur. Mit besond. Berücksichtigung d. bildenden Kunst. 1. (u. bis jetzt einziger) Bd. R. 1853. – Aurora. (Ged. v. ihm u. Andern.) Fb. 1854. – Minnelieder mit Randzeichnungen v. Pocci. Fb. 1855. – Altes u. Neues. (Mit Pocci.) Mn. 1855–56. 2 Bde. – Reiseblätter. Mn. 1856. – Kathol. Volkskalender. K. u. Neuß 1858. (S. Grimme.) – Gesch. d. Münchener Frauenkirche. Stg. 1859. – Kaiser Ludwig d. Bayer u. s. Stift zu Etal. Mn. 1860. – Die Entwicklung d. deutsch. Theaters im Mittelalter u. das Ammergauer Passionsspiel. Mn. 1861. – Erinnerungen an E. v. Lasaulx. Mn. 1861. – Gesch. d. altdeutsch. Dichtkunst in Bayern. R. 1862. – Ende gut, Alles gut. Erfahrungen am Krankenbette. Aus d. Engl. d. E. Price. Mn. 1863. – Deutsche Charakterbilder aus verschied. Jahrh. Mn. 1864. – Erinnerungen an Karl Freiherrn v. Leoprechting. Mn. 1866. – Die Nibelungensage. Erklär. Text zu d. Freskogemälden v. Jul. Schnorr in d. k. Residenz zu München. Mn. 1866. – Beiträge in verschied. Zeitschr.

Joseph Kehrein: Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller im 19. Jahrhundert. Zürich, Stuttgart und Würzburg, 1868.

Januar, Sektion 18

18-14-11/12: Wilhelm Vespermann (eBook)

Wilhelm Vespermann

Wilhelm Vespermann

1784 (Hannover) – 8.1.1837 (München)
Regisseur, Sänger und Schauspieler

  • Allgemeine Zeitung von und für Bayern (12.1.1837)

  • Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für gebildete Stände (1847)

  • Allgemeine Deutsche Biographie (1895)

Allgemeine Deutsche Biographie (1895)

Vespermann: Wilhelm V., namhaft als langjähriges und verdientes Mitglied der Münchener Hofbühne, wurde 1784 zu Hannover geboren und betrat dort auch 1802 zuerst die Bretter. Seine Lehrjahre verbrachte er auf Wanderfahrten mit der Gesellschaft des Directors Thomala und fand dann auf längere Zeit Anstellung in Bremen, wo er in kleinem Gesangspartien (Monostatos, Antonio im Wasserträger) und in jugendlichen Rollen (Melchthal, Tempelherr) thätig war. Als weitere Stationen seiner Künstlerlaufbahn werden Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Karlsruhe (1811), Augsburg, Wiesbaden, Mainz, Köln bezeichnet. Gleichzeitig vollzog sich seine Wandlung vom jugendlichen Helden zum Charakterdarsteller und Chargenspieler. Im J. 1816 kam er als Gast nach München und stellte sich als Franz Moor bei der ersten Aufführung der »Räuber«, die dort stattfand, mit solchem Erfolge vor, daß er 1817 für die Hofbühne angeworben wurde. Schon 1821 zum Regisseur befördert, entfaltete er eine reiche Thätigkeit als Darsteller wie als Spielleiter im Drama, wo ihm neben Eßlair namentlich das Conversationsstück zugewiesen war. Seine berühmtesten Rollen waren: Franz Moor, Soliman, Antonio (Tasso), Selbitz, Shylock, Mephisto (1830), besonders beliebt aber war er in Chargen wie Schneider Fips, Rath Seger u. dergl. Er starb zu München am 8. Januar 1837.

Heinrich Welti: Allgemeine Deutsche Biographie. Leipzig, 1895.

Januar, Sektion 27

27-05-21/22: Cläre Crämer & Dipl. Ing. Hermann Crämer (eBook)

Historisches Plakat der Österreichischen Verkehrswerbung.

Dipl. Ing. Hermann Crämer

15.10.1895 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Dipl. Ingenieur

Cläre Crämer (vh) / Freiin von Jungenfeld (gb)

10.10.1899 – 7.1.1928 (Zürs), Opfer eines Lawinenunglücks
Ingenieurs-Gattin

  • Voralrberger Landes-Zeitung (9.1.1928)

Voralrberger Landes-Zeitung (9.1.1928)

Zwei große Lawinenunglücke im Arlberggebiet

3 Tote am Zürser See – 1 Toter bei der Ulmerhütte

Zürs, 7. Jän. Eine Münchener Skifahrergesellschaft, bestehend aus Ingenieur Hermann Crämer (geb. 1895), seiner Frau Klara Crämer und dem Studenten Hans Reim (geb. 1900), unternahm heute vormittags trotz ausdrücklicher Abmahnung ohne Führer ein Skipartie an den Zürser See. Etwa um 11 Uhr traten sie eine Lawine los, die alle drei verschüttete. Obwohl sehr rasch Hilfe an dem Unfallort erschien, konnten alle drei nur mehr als Leichen geborgen werden.
Die Angehörigen der Verunglückten in München wurden von dem Unglück verständigt. Die Leichen werden nach München überführt.

Die Rettungsexpedition.

Langen am Arlberg. 7. Jän. Heute nachmittags halb 1 Uhr unternahmen drei Herren von der Ulmer Hütte (2290 Meter) in der Valluga eine Skitour. Etwa 15 Minuten von der Hütte entfernt, beim Jahnturm, ging eine Lawine nieder. Sie erfaßte zwei von den Skifahrern, Der ein, Josef Schwienbacher aus Jenbach, konnte gerettet werden! Der andere, Georg Pfleger, Eisenhändler aus Meran, 27 Jahre alt, wurde erst nach langem Suchen bewußtlos aufgefunden. Sofort nach dem Niedergehen der Lawine wurde in Stuben eine Rettungsexpedition zusammengestellt, die in der Stärke von 15 Mann nach dem Unfallorte abging. Die Expedition suchte die Lawine, die in drei Teilen in einer Breite von 350 Meter niedergegangen war, mit Schneesonden ab. Die Lawine war stellenweise sehr leicht, stellenweise bis zehn Meter tief. Fraktionsvorsteher Richard Walch aus Stuben stieß mit einer Schneesonde auf einen Ski und so wurde Georg Pfleger aufgefunden. Er wurde sofort in die Ulmer Hütte gebracht, wo sich Dr. Prinzing aus Ulm um den Verunglückten lange, leider erfolglos bemühte. Die Leiche Pflegers wird nach Stuben gebracht.

Bericht eines Augenzeugen.

Zum Lawinenunglück. Aus einem Bericht des Bezirkshauptmannes Hofrat Dr. Strobele-Bludenz.
Bei der Partie, die am Zürser See verunglückte, war zuerst auch ein Fräulein Irma Rummel aus Berlin, die aber zurückblieb, da sie keine Felle an den Skiern hatte. Sie ging der Spur der anderen drei nach, sah diese plötzlich abbrechen und bemerkte, daß ein Schneebrett abgegangen war. Fräulein Rummel kehrte sofort um und eilte nach Zürs, um Hilfe zu holen. Um 12.15 Uhr ging die Rettungsexpedition von Zürs ab und erreichte in einer halben Stunde die Unglücksstelle; man braucht sonst für diese Strecke drei Viertelstunden. An der Expedition beteiligten sich 15 einheimische und etwa 15 fremde Skifahrer. Die Arbeiten leiteten die Skilehrer Schneider, Jochum und Schatzmann und die Hilfslehrer Mathis und Keßler. Letztere brachten auch den Rettungsschlitten mit. Zuerst wurde die Leiche des Ingenieurs Crämer aufgefunden, die etwa einen Meter tief im Schnee lag. Crämer ist, wie der anwesende Arzt Dr. Pösch feststellte, an Erstickung gestorben. Als Reim ausgegraben wurde, gab er noch Lebenszeichen. Dr. Pösch stellte Wiederbelebungsversuche an, die insoferne Erfolg hatten, als die Atmung wieder in Gang gebracht wurde. Auf dem Transporte ist Reim plötzlich gestorben, wahrscheinlich an inneren Verletzungen. Frau Crämer wurde erst nach vierstündigem Suchen aufgefunden. Sie lag zwei Meter unter dem Schnee. Nach Angabe des Arztes ist auch sie an Erstickung gestorben; Mund und Nase waren voll Schnee.
Das Unglück geschah auf der Madlochalpe, etwa drei Viertelstunden oberhalb Zürs. Das Schneebrett brach nach Nordosten gegen den See ab. Es war 70 bis 100 Meter breit, 200 Meter lang und 1 bis 3 Meter tief.
Die Verunglückten sind vom Hilfsskilehrer Friedrich Wolf, Bauernsohn von Lech, derzeit in Zürs, gewarnt worden, die Tour zu unternehmen; Wolf hatte auch mit Rücksicht auf die Lawinengefahr die Begleitung abgelehnt.
Die Brüder des Ingenieurs Crämer sind in Zürs eingetroffen. Am Montag früh werden die Leichen nach Langen gebracht und eingesargt und dann nach München überführt.
Die Leiche Pflegers ist in Stuben eingelangt. Die Stelle, wo Pfleger verunglückte, ist nach Angabe des Begleiters ganz ungefährlich. Pfleger war nur 50 Zentimeter tief im Schnee. Die Beerdigung Pflegers wird am Dienstag in Stuben stattfinden.

Wieder hat der weiße Tod vier junge, blühende Menschenleben gefordert. Vier gesunde, junge, frische Menschen mitten aus froher Bergfahrt herausgerissen und mit erbarmungsloser Hand, die keine Schonung, keine Rücksicht kennt, als Opfer gewählt und so Schmerz und Leid in Familien hineingetragen, die ihre Angehörigen auf sonniger Bergfahrt wähnten.
Seit es begeisterte Menschen gegeben hat, haben die Berge ihre Opfer gefordert und – erhalten. Die größte Erfahrung, die äußerste Vorsicht werden es auch in alle Zukunft nie vermeiden lassen, daß die Berge Einzelne als ihre Opfer unentrinnbar an sich reißen, die ihre Höhensehnsucht mit dem Leben bezahlen müssen.
Wir beugen uns auch in diesen beiden Unglücksfällen vor der Majestät des unerbittlichen Todes. Wir achten den Schmerz der Hinterbliebenen, denen ein kurzes Telegramm meldet, daß ihre Lieben, vielleicht ihr alles, nicht mehr sind. Auch wir stehen erschüttert an den Bahren, auf den vier Tote ruhen, die vor wenigen Stunden erst höhenwärts ihre Spuren durch die weißen Fluren zogen, die ihnen so grausam rasch ein unendlich großes Leichentuch werden sollten. Aber, wenn wir auch alle diese Umstände abwägen und berücksichtigen, können wir die eine Feststellung nicht unterlassen: Die Verunglückten sind vor Antritt der verhängnisvollen Tour gewarnt worden; die Zeichen sprachen für einen eingetretenen Wetterumschlag, dem früher als wohl alle dachten, vier Menschenleben zum Opfer fielen. Hätten sie, anstatt die Vorstellungen und Warnungen außer Acht lassend, auf die dort in den Bergen Wohnhaften gehorcht, sie könnten gesund und lebensfroh unter uns weilen. Schon eine einzige kurze Erwägung hätte ihnen sagen müssen, daß höchste Gefahr besteht: Die entschiedene und begründete Weigerung des Skilehrers, der, lieber auf den Tagesverdienst verzichtet, als seine Partie, und sich selbst unnotwendigerweise in höchste Lebensgefahr zu bringen und vielleicht Familien in tiefste Trauer zu versetzen. Wir können es nicht unterlassen festzustellen, daß vier dieser Opfer des weißen Todes nicht unvermeidlich waren, sondern, daß sie gefallen sind, als sie vermeinten, auf die nur allzubegründeten Warnungen nicht hören zu müssen.

Voralrberger Landes-Zeitung Nr. 6. Bregenz, Montag den 9 Jänner 1928.

Alte Arkaden, Januar

AA-05: Emil Meßthaler (eBook)

Emil Meßthaler. Schauspieldirektor des Deutschen Theaters in München. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München.« Wien, 1. September 1896.

Emil Meßthaler

20.6.1869 (Landshut) – 7.1.1926 (München)
Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

  • Der Humorist (10.7.1894)

  • Allgemeine Zeitung (17.10.1895)

  • Allgemeine Zeitung (3.11.1895)

  • Der Humorist (1.9.1896)

  • Rosenheimer Anzeiger (3.11.1896)

  • Allgemeine Zeitung (7.11.1901)

  • Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Der Humorist (1.9.1896)

Emil Meßthaler.
Schauspieldirector des Deutschen Theaters in München.

Das neue, von dem genialen Architekten Alexander Bluhm erbaute »Deutsche Theater« in München wird, zuverlässigen Berichten zufolge, im September l. J. eröffnet werden. Ganz unglaublich groß waren die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich dem neuen Unternehmen entgegenstellten, und die es nun siegreich überwunden hat. Mit gespanntem Interesse sieht man dem beginnenden Wettkampfe des neuen Theaters entgegen und naturgemäß concentriert sich der größere Theil dieser Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeit seines Directors: Emil Meßthaler, dessen wohlgetroffenes Porträt wir auf der Stirnseite der vorliegenden Ausgabe unseren geehrten Lesern bieten. Ist der kaum 27jährige Director, hört man im Publikum fragen, auch der geeignete Mann, dem neuen Kunstinstitute Geltung und Bedeutung in der Theaterwelt zu verschaffen? Die künstlerischen Erfolge, welche Director Emil Meßthaler als Theaterleiter bis jetzt erzielt hat, lassen diese Frage ohne Weiteres mit einem »Ja« beantworten. Durch die Gründung und Leitung des »Theaters der Modernen« ist es Emil Meßthaler gelungen, seinen Namen in ganz Deutschland zu einem rühmlichst bekannten zu machen. Muthig, unverzagt, keine pecunären Opfer scheuend, nahm er sich der allerorten so stiefmütterlich behandelten modernen dramatischen Muse an und führte sie in einem Siegeslauf durch die deutschen Lande. Wer erinnert sich nicht z. B. des ungewöhnlichen Aufsehens, welche das »Theater der Modernen« vor ungefähr zwei Jahren in Leipzig erregte? Es entfachte einen fast noch nicht dagewesenen Zeitungskrieg und bewirkte eine Massenwanderung der biederen, schwer aus ihrer Ruhe zu bringenden Leipziger zu den Vorstellungen von »Gespenster«, »Jugend«, »Einsame Menschen« etc. Enthusiastisch nahm das zahlreich erschienene Publicum die Darbietungen auf, und freute sich dankbarst der Bekanntschaft jener Werke, welche man ihm so lange beharrlich vorenthalten hatte, und so wie in Leipzig, sah Meßthaler mit seiner wackeren Künstlerschaar in allen größeren Städten Deutschlands und Hollands, wie Bremen, Breslau, Hannover, München, Wiesbaden, Halle, Amsterdam, Rotterdam etc. sein muthiges Wagen durch große Erfolge belohnt. Ibsen, Zola, Hauptmann, Halbe u. A. dürfen in Emil Meßthaler getrost einen ihrer eifrigsten Apostel erblicken. Jung, thatkräftig, mit zäher Ausdauer Alles beseitigend, was sich ihm hindernd in den Weg stellt, mit enstem Verständnis für die wahre Kunst ausgerüstet, wird Emil Meßthaler bald zu den hervorragendsten Bühnenleitern, das »Deutsche Theater« in München zu den ersten Kunstinstituten Deutschlands zählen.

Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München. Wien, 1. September 1896.

Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Meßthaler Emil, geboren 1869 in Landshut, Sohn eines Münchner Hoteliers, wandte sich schon sehr früh der modernen Bühnenrichtung zu. 1891 nahm er Engagement am Gärtnerplatztheater, trat 1893 als jugendlicher Held und Liebhaber in den Verband des Dresdner Schauspielensembles und übernahm 1894 als selbständiger Leiter das Schauspielensemble in München. Mit diesem hatte er unter dem Titel »Theater der Moderne« die Propaganda für die andere Richtung in hervorragenden deutschen Städten mit einem aus ihren Stücken gebildeten Repertoire und mit Schauspielern, die »für diese oft tiefsinnigen, oft abgeschmackten Seelenmalereien besonders geschult waren« mit Eifer betrieben. Er selbst spielte mit großem Erfolg die jugendlichen Hauptrollen, und zwar gastierte er vom 1. März bis 1. Juli 1894 in Leipzig, Halle, Hannover, Bremen, Aachen, Wiesbaden und München und vom 1. Oktober 1894 bis 1. Mai 1895 u. a. auch in den größeren Städten Hollands. Im Jahre 1896 eröffnete er das Deutsche Theater in München, und hielt mit seiner Truppe, meistens Schauspielern, die bei seinen deutschen Tourneen mitgewirkt, seinen Einzug. Er wurde von dem Unternehmer auf die Dauer von zehn Jahren verpflichtet, mit seinem Schauspielensemble während des ganzen Jahres daselbst Vorstellungen zu geben. Doch bald folgten unerquickliche Streitigkeiten und Prozesse und M. trat zurück. Er wurde von Emil Drach abgelöst. Fortab erschien er meist ohne festes Engagement, sondern nur gastierend, wozu ihm hauptsächlich wieder Ibsen, Hauptmann, Sudermann etc. das Material lieferten. 1900 gründete er im Herbst mit gleichem Repertoire das intime Theater in Nürnberg und reüssierte daselbst außerordentlich. Der ihm innewohnende Wandertrieb veranlaßte jedoch den Künstler zur Verpachtung des Theaters ab Herbst 1901. Von diesem Termine ab will er sich wieder neuen Projekten zuwenden.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

Alte Arkaden, Januar

AA-23: Karl Heinrich Freiherr von Kesling (eBook)

Symbolbild: Ilja Repin: Duell zwischen Onegin und Lenski. 1899.

Karl Heinrich Freiherr von Kesling

19.9.1808 – 22.1.1833 (München), Opfer eines Duells
Junker

  • Augsburger Postzeitung (25.1.1833)

  • Augsburger Postzeitung (26.1.1833)

  • Die Bayer’sche Landbötin (26.1.1833)

  • Münchener Conversations-Blatt (26.1.1833)

  • Aschaffenburger Zeitung (28.1.1833)

  • Regensburger Zeitung (30.1.1833)

  • Gemeinnützige Blätter (7.2.1833)

  • Mährischer Wanderer (1835)

Augsburger Postzeitung (25.1.1833)

Der Junker des 1sten Kürassierregiments, Frhr. v. Keßling, ein junger Mann von 22 Jahren, ist von einem studierenden Wallachen, Namens Rolla, aus Jassy, im Duell erschossen worden. Sein Leichnam wurde vorgestern Abend im Wald zwischen der Nockerschwaige und Harlaching, an eine Eiche gelehnt, gefunden. Dieses Duell soll auf dem Museumsballe durch eine Kleinigkeit bei dem Tanze veranlaßt worden seyn, und ist vorgestern Morgens vollzogen worden. Der Unglückliche wurde durchs Herz geschossen und ist nach wenigen Stunden verschieden. Die Sekundanten sollen sich geflüchtet haben.

Augsburger Postzeitung Nro. 25. Freitag, 25. Januar 1833.

Augsburger Postzeitung (26.1.1833)

München, den 25. Jan.
Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr wurde der im Duell gebliebene Junker des 1sten Kürassier-Regiments, Frhr. Heinrich von Keßling, beerdigt, wobey der protestantische Geistliche eine eindringende, rührende Rede hielt.

Augsburger Postzeitung Nro. 26. Samstag, 26. Januar 1833.

Die Bayer’sche Landbötin (26.1.1833)

Neueste Nachrichten.

München. Der Leichnam des Frhn. v. Keßling wurde erst gegen Mittag von einer Frau, die Holz sammelte, an dem Stamm einer Eiche in halb sitzender Stellung mit festgeschlossener Uniform, den Säbel an der Seite, die Kappe zu den Füßen, gefunden. Der Mantel des Getödteten war über den Leichnam geworfen. Der entflohene Thäter, Rolla, ist der Sohn eines der reichsten Bojaren zu Jassy (in der Moldau), und privatsirte hier. Vorgestern Nachm. wurde Frhr. v. Keßling beerdigt. Allgemein war die Theilnahme, die an diesem Grabe sich aussprach, und als der hiesige protest. Dekan in einer christlich männlichen, eindringenden Rede sich an die Versammelten wandte, da stimmten wohl Alle in seinen Wunsch ein: »Möchte dies das letzte Opfer eines Vorurtheiles seyn, welches aus den Zeiten der Finsterniß sich bis in unser Zeitalter erhalten und schon namenlosen Kummer in vielen Familien verursacht hat!« – Herr Decan Boeckh wird in Vieler Namen hiermit ersucht, seine Rede dem Druck zu übergeben.

Die Bayer’sche Landbötin Nro. 12. München; Samstag, 26.1.1833.

Münchener Conversations-Blatt (26.1.1833)

Münchener Conversation.

Der angezeigte unglückliche Tode des Heinrich Freiherrn von Keßling soll auf dem letzten Museums-Balle durch eine Kleinigkeit Veranlassung gefunden haben. Thäter und Sekundanten, bereits mit Pässen versehen, sind flüchtig gegangen, außer einem vom Militär, welcher in Arrest ist. Ersterer, von unansehnlicher Figur, wird mit Steckbriefen verfolgt. Die glückliche Aufgreifung dieses Mörders, der sich gegen der untern Inngränze gewendet haben dürfte, wäre ein Meisterstück für unsere thätige Gensdarmerie. Die Angaben im »Tagblatte« über die Auffindung des Leichnams ist falsch. Vor der, ehegestern statt gehabten Beerdigung des jungen, unglücklich Gemordeten, war der Andrang im Leichenhause, ihn theilnehmend noch einmal zu schauen, so groß, daß die Fenster klirrten, und »ach und weh« geschrieen wurde. Zahlreich war der Zug zum Grabe von Livrebedienten mit Fackeln, Ober- und Unteroffizieren aller Waffen, kgl. Edelknaben, Hofbereitern und Laquaien, ergreifend die Rede des protest. Geistlichen.

Münchener Conversations-Blatt Nr. 26. München; Samstag, 26.1.1833.

Aschaffenburger Zeitung (28.1.1833)

Der Junker des 1. Kürassierregiments, Frhr. v. Keßling, ein hoffnungsvoller junger Mann von 22 Jahren, ist von einem studierenden Wallachen, aus Jassy, im Duell erschossen worden. Sein Leichnam wurde vorgestern abends im Walde zwischen der Nockerschwaige und Harlaching, an eine Eiche gelehnt, gefunden. Dieses Duell soll auf dem Musikballe durch eine Kleinigkeit bei dem Tanze veranlaßt worden seyn, und ist vorgestern morgens vollzogen worden. Der Unglückliche wurde durch’s Herz geschossen und ist nach wenigen Stunden verschieden. Die Secundanten sollen sich geflüchtet haben.

Aschaffenburger Zeitung No. 24. Mondtag, 28. Januar 1833.

Regensburger Zeitung (30.1.1833)

Vermischte Nachrichten.

München, den 26 Jan. Der als ein neues Opfer der unseligen Duellwuth gefallene Junker, Heinrich Baron von Keßling, Neuve Sr. Excell. unsers allgemein verehrten königlichen Oberststallmeisters Frhrn. von Keßling, welcher vorgestern Nachmittag 5 Uhr mit den seinem Range und Stande angemessenen Ehrenbezeugungen unter großem Zudrange des Volkes begraben wurde, wird allgemein bedauert. So viel man noch über diese traurige Geschichte vernimmt, hatten die Duellanten zu gleicher Zeit geschossen, wobei die eine Kugel dem Wallachen durch den Hut gegangen ist. Die Brustwunde des Gefallenen war absolut tödtlich, und der bei diesem Vorfall anwesende Arzt verließ den Unglücklichen erst dann, als er verschieden war; alle andern Gerüchte haben sich unbegründet befunden. Wie viele Opfer werden wohl noch fallen müssen, bis es der gesetzlichen Macht oder der Vernunft gelingt, diese wahnsinnige Selbsthülfe, dieses abscheuliche Ueberbleibsel aus dem barbarischen Zeitalter des Faustrechts, welches die Gesittung, das Gesetz und das Menschenrecht in gleichem Grade so tief verletzt, zu verdrängen und auszurotten?

Regensburger Zeitung Nro. 26. Mittwoch, 30. Januar 1833.

Gemeinnützige Blätter (7.2.1833)

Miscellen.

Aus München, 24. Jan. »Auf dem lezten Museums-Ball hier entstand über eine Geringfügigkeit (es gibt keine Geringfügigkeiten) ein Ehrenstreit zwischen dem Cürassier-Junker Baron Keßling, und dem Studenten Rolla aus der Walachey; der Streit endigte gestern mit einem Duell zu Harlaching unweit München; Baron Keßling, lezter Sprößling einer reichen und angesehenen Familie, wurde in demselben erschossen; Rolla, ebenfalls reich, hat, samt den Secundanten und dem Arzt, sogleich die Flucht ergriffen. Nicht das Duell ist an diesem Unglück, sondern die Menschen sind am Duell Schuld.«

Gemeinnützige Blätter XI. 7. Februar 1833.

Mährischer Wanderer (1835)

Zweikampf.

Ein sehr tragischer Vorfall trübte zu München die Freuden der erwachten Fastnacht 1833: Baron Keßling, Neffe des allgemein sehr hoch geachteten königl. Oberstallmeisters gleichen Namens, wurde von einem aus der Moldau gebürtigen Hrn. Rolla im Zweikampfe erschossen; ein Streit über das sogenannte Austanzen auf einem Museumballe gab Veranlassung zu diesem unseligen Duelle. Baron Keßling tanzte dann vorerst noch die ganze Nacht über auf einem Balle beim Minister der auswärtigen Angelegenheiten, wechselte früh am Morgen die Kleider, fuhr nach einem auf dem rechten Ufer der Isar bei der sogenannten Menterschwaige gelegenen Hölzchen, und wurde in demselben getödtet. Baron Keßling war Junker in dem daselbst garnisonirenden ersten Kuirassierregiment, er war ein schöner hoffnungsvoller Jüngling, dem ein sehr bedeutendes Vermögen zugefallen wäre. Rolla ist mit seinem Sekundanten entflohen; er war ein ruder junger Mensch, von nicht sehr gutem Rufe, daher es auch getadelt wird, daß sich Keßling überhaupt mit ihm schlug.

(Planet 1833, Nr. 39.)

Mährischer Wanderer. Spiegelbilder. Belehrung und Warnung in Beispielen. Brünn, 1835.

Alte Arkaden, Januar

AA-24: Marie Elektrine Freifrau von Freyberg (eBook)

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg: Selbstbildnis. ca. 1836.

Marie Elektrine Freifrau von Freyberg (vh) / Stuntz (gb)

24.3.1797 (Straßburg) – 1.1.1847 (München)
Historienmalerin, Landschaftsmalerin und Portraitmalerin

  • Die bildende Kunst in München (1842)

  • Conversations-Lexikon für Bildende Kunst (1848)

  • Neuer Nekrolog der Deutschen (1849)

  • Allgemeine Deutsche Biographie (1878)

  • Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

Neuer Nekrolog der Deutschen (1849)

Maria Elektrina Freifrau v. Freyberg, geb. Stunz, zu München; geb. im Jahr 1798, gest. d. 1. Jan. 1847.

Sie war zu Straßburg im Elsaß geboren, die Tochter des Landschaftsmalers Johann Stunz, der sich später zu München oder vielmehr in dessen Nähe ansiedelte, wo er ein Landgütchen sich erwarb, die jetzige verschönerte Villa Freyberg zu Thalkirchen.

Schon früher entwickelte sich bei ihr das Talent und die Liebe zur Kunst, der sie sich denn auch mit ganzer Seele widmete und in welcher ihr der Vater den ersten Unterricht ertheilte und sie zum thätigen Fortschritt ermunterte. Sie bildete ihre herrlichen Anlagen zuerst in München, dann auf Reisen in Frankreich und Italien aus, vorzüglich aber in dem mit Kunstwerken aller Art so reich begabten Rom, wo sie sich längere Zeit aufhielt.

Ihre Bilder, die sie mit wahrem poetischen Gefühl und mit zartem Pinsel voll Geist und Leben ausführte, fanden bald die verdiente Anerkennung und schon während ihres Aufenthaltes in Italien wurde sie zum Ehrenmitgliede der Akademie von St. Lucas ernannt.

Sie vermählte sich im J. 1821 mit Wilhelm Freiherrn v. Freyberg, königl. bayer. Kämmerer und Viceoberststallmeister, nachdem ihre gegenseitige treue Liebe die Hindernisse besiegt hatte, die ihnen durch Verwandte von beiden Seiten entgegengestellt worden waren. Sie wußte die zartesten Gefühle mit einer unbeschreiblichen Anmuth und Wahrheit darzustellen, daß in jedem Beschauer die Gefühle der reinsten Freude, der Andacht und Liebe erweckt werden. Wie zart und sinnig ist der Besuch der Frauen am Grabe des Heilandes geschildert, wie ihnen der am Grabe sitzende Engel die fröhliche, kaum glaubliche Botschaft verkündet und die eine der Frauen, deren aufgelöstes Haar die Eile ihrer Annäherung bezeichnet, mit dem Salbengefäße in den Händen, am Grabe in stiller Freude niedersinkt, während die beiden Anderen noch wie zweifelnd stehen. Dieses schöne Bild ist schon längst eine Zierde der leuchtenberg’schen Galerie und wurde von Strixner durch Steindruck vervielfältigt und dadurch allgemein verbreitet.

Wer nur einmal obenerwähnte Galerie besuchte, erinnert sich gewiß noch an die schöne Madonna (in halber Lebensgröße ausgeführt) von dieser liebenswürdigen Künstlerin.

Eben so anmuthvoll und edel sind noch viele andere Bilder von ihr, die alle einzeln aufzuführen und zu beschreiben, der Raum dieser Blätter nicht gestattet. Zu früh wurde sie ihrem schönen Wirken und ihrer sie so innig liebenden Familie durch den Tod entrissen.

Sie starb nach schwerem Leiden einer langwierigen Abzehrungskrankheit als gottergebene Dulderin und hinterließ ihrem Gemahle, der sie stets mit innigster Zärtlichkeit liebte, vier hoffnungsvolle Kinder, drei Söhne und eine Tochter.

Neuer Nekrolog der Deutschen. Weimar, 1849.

Januar, memento!

NA-171: Leo Ritter von Klenze (eBook)

Franz Hanfstaengl: Leo von Klenze. 1856. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Leo von Klenze: Der Camposanto in Pisa. 1858. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.
Leo von Klenze: Der Camposanto in Pisa. 1858. Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München.

Leo Ritter von Klenze

28.2.1784 (Buchladen Gemeinde Schladen Kr. Goslar) – 27.1.1864 (München)
Architekt

  • Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Klenze Leo, von, Ritter, 1784 (Bockenem bei Hildesheim) – 1864, Baukünstler, Hofbauintendant, Oberbaurat, Kämmerer, Geheimrat und Vorstand der Obersten Baubehörde im Innenministerium; K., der in Braunschweig und Berlin, wo er mit Schinkel bekannt wurde, studierte, machte eingehende archäologische Studien in Griechenland und war Hofarchitekt des Königs Jéróme von Westfalen in Kassel; durch Vermittlung des Kronprinzen Ludwig wurde er 1815 nach München berufen; er wirkte hauptsächlich im klassizistischen Stil.

Hauptwerke: Glyptothek, Hofgartenarkaden, ehemaliges Kriegsministerium, Odeon, Leuchtenberg-Palais, Alte Pinakothek, Neue Residenz und Saalbau, Allerheiligen-Hofkirche, Herzog-Max-Palais, Schloß Biederstein, Obelisk, Neue Hauptpost (nördlicher Teil), Ruhmeshalle, Propyläen, Monopteros in München, Walhalla bei Regensburg, Eremitage, Zarenpalast und St. Isaakskirche in St. Petersburg (= Leningrad) und Bauten in Athen.
Literarische Werke: Über das Hinwegnehmen plastischer Kunstwerke aus Griechenland, Reisen in Italien, Die Walhalla in artistischer und technischer Beziehung, Das kaiserliche Museum der schönen Künste in St. Petersburg, Die schönsten Überbleibsel der griechischen Ornamentik, Das deutsche Befreiungsdenkmal; K. zählt zu den berühmtesten Baumeistern des 19. Jahrhunderts und Münchens überhaupt.

© Dr. phil. Max Joseph Hufnagel: Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München. Zeke Verlag; 4. Auflage. Würzburg, 1983.

Januar, Stephanskirche

SK-N-3/4: Georg Merz (eBook)

Georg Merz. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Georg Merz

26.1.1793 (Bichl) – 12.1.1867 (München)
Optiker

  • Der Lechbote (23.1.1850)

  • Landshuter Zeitung (15.1.1867)

  • Allgemeine Zeitung (19.1.1867)

  • Allgemeine Zeitung (6.7.1868)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Allgemeine Zeitung (19.1.1867)

Deutschland. Bayern. München. Vor ein paar Tagen starb (wie gemeldet) der k. Hofoptikus G. Merz, der ehemalige Direktor des Fraunhofer’schen optischen Instituts. Georg Merz war der Sohn eines armen Leinwebers im Januar 1793 zu Benedictbeuren geboren. Bis zu seinem 15ten Lebensjahr war er ohne bestimmten Lebensplan. Als Geheimerath v. Utzschneider zu Benedictbeuren die Kunstglasfabrik und das optische Institut anlegte, fand der junge Merz als Arbeiter darin Aufnahme. Bei Tag wurde geschliffen, bei Nacht Mathematik und Optik studiert. Besonders erhielt Merz mathematischen Unterricht von P. Rauch, einem Ordenspriester der aufgelösten Benediktiner Abtei Benedictbeuren. Als 1826 Jos. v. Fraunhofer starb, wußte Hr. v. Utzschneider keine tüchtigere Persönlichkeit für die Leitung des Instituts als G. Merz. Von ihm giengen jene Rieseninstrumente an alle Sternwarten Europa’s und Amerika’s, nach Australien und an das Cap der guten Hoffnung. Erst bei vorangerückterem Lebensalter übergab er seinem Sohne Sigmund Merz die Direction, welcher dann die Preise auf den Weltausstellungen errang. (Bayer. Kur.)

Allgemeine Zeitung Nr. 19. Augsburg, Sonnabend, 19. Januar 1867.