Dezember, Sektion 5

05-01-19: Michael Neher (eBook)

Franz Hanfstaengl: Michael Neher. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Michael Neher

31.3.1798 (München) – 4.12.1876 (München)
Architekturmaler und Genremaler

  • Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

  • Die bildende Kunst in München (1842)

  • Universal-Handbuch von München (1845)

  • Münchener Künstlerbilder (1871)

  • Allgemeine Deutsche Biographie (1886)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Münchener Künstlerbilder (1871)

Michael Neher,
Architekturmaler.

Der bekannte Architekturmaler Michael Neher, zu München am 31. März 1798 geboren, gehört einer Familie an, in der die Kunst heimisch war. Schon sein Großvater war Maler gewesen und auch sein Vater, der von Bibrach nach München übergesiedelt war, hatte als bürgerlicher Maler daselbst seinen eigenen Heerd gegründet, nachdem er in jenen kriegbewegten Zeiten als Künstler sein Fortkommen nicht hatte finden können. Der Sohn sollte dereinst des Vaters Geschäft übernehmen, so wollte es der gute alte Brauch, und deshalb wanderte denn unser kleiner Michael zu Mitterer, einem alten Bekannten des Vaters, in die Zeichnenstunde. Aber sein Eifer hätte größer sein können und so waren die Fortschritte nicht die glänzendsten. Vierzehn Jahre alt ging er dann auf die Akademie, der Joh. Langer als Director vorstand. Doch auch da ließ er Manches zu wünschen übrig, und als er im dritten Jahre darauf die Akademie wieder verließ, um bei dem Hofmaler Mathias Klotz weiter zu lernen, war das gegenseitige Bedauern eben nicht gar zu lebhaft. Zwei Jahre später gab es an Decorationsmalereien für das neue Hof- und Nationaltheater alle Hände voll zu thun, und Angelo Quaglio, der damit betraut war, beschäftigte Neher im decorativen und architektonischen Fache, wobei der junge Mann seinen Unterricht bei Klotz fortsetzte und Porträts malte. Bald darauf zerstörte ein großer Brand das Haus sammt allen Decorationen und Neher zog nun, 19 Jahre alt, mit leichtem Gepäck über den Brenner, um in Welschland sein Glück als Porträtmaler zu suchen. Drei Jahre lang saß er in Trient, Mailand und Triest. Aus dem faulen Jungen war ein strebsamer, junger Mann geworden, dessen Arbeiten geschätzt und gesucht wurden. Was war das für ein Jubel, als der Vater schrieb, er wolle die Kosten eines Aufenthalts in Rom und Neapel bestreiten. In Rom lebte damals der treffliche Heinrich Heß; an ihn ward Neher gewiesen, und jener nahm sich seiner wacker an. Freilich war Heß mit den Leistungen Neher’s nicht immer zufrieden und sagte ihm dies auch in seiner kurzen, kräftigen Weise. Als Porträtmaler hatte Neher auch nicht gar zu viel im ewigen Rom zu suchen, und Heß führte ihn deshalb zum Genre. Neher konnte der Versuchung, auch Neapel zu sehen, um so weniger widerstehen, als er an Personen empfohlen war, die dem dortigen Hofe nahe standen, doch war sein Aufenthalt nur von kurzer Dauer, und so saß er denn bald wieder in seinem Studium zu Rom vor Genrebildern. Da meinte eines Tages Heß, das Mauerwerk, das Neher da male, tauge unendlich mehr, als die Figuren davor, und es wäre wohl am besten, wenn diese jenem untergeordnet würden. Sein scharfer Blick hatte Neher’s Begabung erkannt, nicht so aber konnte sich dieser davon überzeugen, daß er dem Genre zu entsagen habe. Er glaubte genug zu thun, wenn er die Verhältnisse seiner Figuren mehr und mehr verkleinerte und dafür der architektonischen Umgebung eine größere Bedeutung einräumte.

Nach einem dreijährigen Aufenthalte in Rom kehrte er dann wieder nach München zurück und erhielt die eben erledigte Stelle eines Conservators des dortigen Kunstvereins, die er Jahre lang unentgeltlich bekleidete. Das war aber keineswegs eine Sinecure. So mußte beispielsweise jede Woche dem Könige eine Uebersicht der ausgestellten Kunstwerke überreicht und diese wegen Zuganges neuer oft mehrmals in der Woche abgeändert werden. Es handelte sich nicht um einfache Verzeichnisse, sondern förmliche Risse der Wände mit den Bildern und deren Bezeichnung, Alles sauber gezeichnet und geschrieben.

Daneben malte Neher immer noch Genre, aber seine Figuren waren inzwischen kleiner und kleiner geworden, so daß es schließlich nur eines letzten, gleichfalls von Heß gegebenen Anstoßes bedurfte, um die Architektur zur Hauptsache zu machen.

Um die Zeit, 1832, ließ der Kronprinz Maximilian von Bayern die in Trümmern liegende Burg Hohenschwangau an der Grenze der bayerischen und schwäbischen Berge wieder aufbauen, und bald trieb ein Völkchen von Künstlern aus aller Herren Länder sein Wesen auf dem sonst so stillen Burgfelsen. Auch Neher war unter denselben. Zunächst freilich nur im decorativen Elemente beschäftigt, aber wie überall anstellig, sorgsam und seinen Platz mit Ehren ausfüllend. Das zog denn auch bald die Aufmerksamkeit des hohen Burgherrn auf ihn: er ward beauftragt, große Wandgemälde nach v. Schwind’s, Gasser’s und Schwanthaler’s Entwürfen auszuführen, was um so verdienstlicher war, als manche derselben in ziemlich kleinen Verhältnissen gehalten waren.

Im Frühlinge des Jahres 1837 hatte Neher seine Arbeiten in Hohenschwangau beendet und kehrte wieder nach München zurück.

Nun erst wendete er sich mit voller Entschiedenheit der Architekturmalerei zu und bald hatte sein Name weit über München hinaus, im In- wie Auslande, einen guten Klang. Auf einer im Jahre 1855 rheinabwärts und nach Belgien unternommenen Reise, von welcher er durch Norddeutschland über Berlin und Dresden nach Hause zurückkehrte, sammelte er sich einen reichen Schatz von Studien und Motiven, welche er seither in vielgesuchten Bildern verwerthet.

Es ist vorwiegend das Element des altdeutschen behaglichen Städtelebens, in dessen Darstellung sich Neher mit ebenso viel Geschick als Glück bewegt. Kein andrer Künstler weiß uns so in die Gassen und auf die Plätze alter Reichsstädte zu versetzen, wie er, keiner führt uns die Pracht alter Dome, wie die Anmuth zierlicher Kapellen mit solcher Wahrheit und mit so feinem Verständniß des Einzelnen wie des Ganzen vor die Seele. Seine Bilder sind mehr als Darstellungen von Gebäuden, sie sind getreue Abbilder echt germanischen Lebens, wie es in Domen und Palästen, in Gassen und Gäßchen sich bewegte.

In wunderbarer Harmonie damit stehen seine zierlich gezeichneten Staffagen, mag er sie aus dem Treiben der Gegenwart oder aus längst verklungenen Zeiten nehmen. Man hört den lustigen Taktschlag, in dem die Schlägel der Küfergesellen die Faßdauben bearbeiten, vernimmt das Gewühl des Jahrmarkts, dessen Buden auf dem großen Platze vor der Kirche lange Reihen bilden, und stille heimliche Gäßchen mit hohen Giebelhäusern sprechen uns noch behaglicher an, sehen wir moderne elegante Damen mit malerischem Federhute und wallenden Kleidern darin wandeln.

Neher’s Zeichnung ist von einer Gewissenhaftigkeit, wie wir einer solchen nur selten begegnen. Er begnügt sich nicht damit, den Schein zu geben; was er giebt ist unumstößliche Wahrheit. Man muß seine Entwürfe sehen, welche die architektonische Construction der Gebäude zeigen, um zu begreifen, wie es kommt, daß man vor seinen Bildern nie auch das leiseste Bedenken fühlt. Ebenso gewissenhaft ist seine Ausführung, so zierlich sein Vortrag, so fein und klar seine Farbe, und alles dies in harmonischem Vereine macht Neher, den bescheidenen, anspruchslosen Künstler, nicht blos zum Lieblinge aller Kunstfreunde, sondern auch zu einem der Ersten seines Faches.

Seine Bilder erfreuen sich einer außerordentlichen Verbreitung, wir begegnen ihnen in der Neuen Pinakothek des Königs Ludwig, wie in den hervorragenden Sammlungen Londons, Wiens und Berlins, zu deren schönsten Zierden sie gereichen.

Der König Maximilian II. von Bayern zeichnete ihn durch Verleihung des Verdienstordens vom heiligen Michael aus.

Carl Albert Regnet: Münchener Künstlerbilder. Zweiter Band. Leipzig, 1871.

Dezember, Sektion 17

17-12-55: Robert Julius Beyschlag (eBook)

Robert Julius Beyschlag. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Robert Julius Beyschlag

1.7.1838 (Nördlingen) – 5.12.1903 (München)
Genremaler und Portraitmaler

  • Allgemeine Zeitung (8.12.1903)

  • Die Kunst (1904)

  • Allgemeines Künstler-Lexikon (1921)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Allgemeine Zeitung (8.12.1903)

Feuilleton

Robert Beyschlag †.

Der Genremaler Robert Beyschlag, geb. 1. Juli 1838 zu Nördlingen, entstammte einer alten Familie, aus welcher schon viele namhafte Gelehrte und Künstler, insbesondere im Baufache, hervorgingen. Seine rechtzeitig erkannte Begabung führte ihn auf die Münchener Akademie zu Philipp Foltz, welcher gerade damals eine zahlreiche Schar von Schülern bildete, darunter Pixis, Weißbrod, Hauschild. Schwoiser, Jos. Munsch, Heinrich Spieß u. a., welche das damals frisch aufblühende »Jung-München« begründeten, zu dessen fröhlichen Festen Beyschlag rüstig beitrug. Foltz hielt den vielbegabten Kunstjünger hoch; ihm imponierte auch sein klassisch geformter Kopf, welchen der doktrinäre Professor eines kleinen Fehlers wegen immer als eine »beschädigte Antike« pries.

Mit seinen kleinen, gern mittelalterlich kostümirten, bei gutem Formensinn und feinem Farbengefühl ansprechenden, größtenteils etwas lyrisch-sentimental angesäuselten Bildern machte Beyschlag viel Glück. Es gab da »Gretchen«, lybellenhafte »Psychen«, und Quellennymphen. Liebende, die ihr verschlungenes Monogramm einer alten Linde einschneiden, zärtliche »Nachbarkinder« und »Frühlingsgrüße,« glückliche, mit ihren holden Sprößlingen spielende junge Frauchen, eine »Erwartung« à la Schiller, wobei der schlafende Freund mit Küssen geweckt wird. Bisweilen kleidete er ähnliche Stimmungen in das moderne Leben, es gab »Geburtstagsgratulationen«, »Unterhaltungen am Brunnen«, Abschieds- und dergleichen nasse Szenen.

Auch mit antiken Stoffen versuchte er sich, gleichfalls glücklich: an einer Iphigenie, Orpheus und Eurydike, einem flötenden Hirtenpärchen. Unter dem Titel »Frauenlob« veranstaltete er eine internationale Sammlung von anmutigen und schönen, verschiedene Jahrhunderte repräsentierenden Frauenköpfen: aus dem griechischen Altertum, Früh-Christentum, der »Gotik«, der holländischen und venetianischen Blüte, im Charakter der Renaissance, des Rokoko, der Revolution-, Empire- und Biedermaier-Zeit. Wiederholte Reisen nach Paris und Italien gaben keinen neuen Zuwachs.

Ganz nach dem »historischen« Rezept seines Meisters malte Beyschlag eine Freske in die bayerische Galerie des Nationalmuseums, wie »Ludwig der Kelheimer mit dem Sultan Kamel über den Abzug der Kreuzfahrer unterhandelt« (1221) – ein »recht gut komponiertes«, festgezeichnetes und frisch koloriertes Exempel der damaligen Geschichtsmalerei. Dann kehrte Beyschlag in das ihm ganz zuständige Repertoire zurück; er brachte anmutende Familienszenen, wobei auch der leise mitspielende Humor dem Künstler neue Freunde gewann, darunter »Waldhüters Töchterlein«, »Die beiden Hasen« und der »Liebesdienst« (wie ein kleines Stumpfnäschen ihrem Brüderchen die zerrissenen Inexpressibles zunäht) u. dgl.

Eine große Anzahl fortgesetzter Erzeugnisse seines Fleißes, in Holzschnitt und Photographie reproduziert, darunter auch sehr ansprechende Bildnisse, sicherten ein dankbares Publikum dem gemütreichen Künstler, welcher nach dreiwöchentlicher, schwerer Krankheit am 5. d. M. einem glücklichen Familienleben entrissen wurde.

Allgemeine Zeitung Nr. 340. München. Dienstag, 8. Dezember 1903.

Dezember, Sektion 18

18-14-26: Josef Spitzeder (eBook)

Josef Spitzeder. Porträtsammlung Bildarchiv Austria.

Josef Spitzeder

2.9.1796 (Bonn) – 13.12.1832 (München)
Sänger und Schauspieler

  • Bayerischer Volksfreund (13.2.1832)

  • Der Bayerische Volksfreund (11.7.1832)

  • Münchner Tagsblatt (2.10.1832)

  • Münchner Tagsblatt (16.12.1832)

  • Münchner Tagsblatt (18.12.1832)

  • Allgemeine Musikalische Zeitung (23.1.1833)

  • Neuer Nekrolog der Deutschen (1834)

  • Universal-Lexikon der Tonkunst (1849)

  • Tonkünstler-Lexicon (1861)

  • Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Spitzeder Josef, geb. 1796, war der Sohn eines Sängerpaares. (Sein Vater J. B. Spitzeder war ebenfalls ein sehr bekannter Bassist, dessen Name in der Theaterwelt einen sehr guten Klang hatte. Derselbe war 1769 geboren, wurde 1789 Mitglied des kurfürstlichen Nationaltheaters in Bonn, wirkte später als Bassist in Kassel »in ersten ernsthaften Baßrollen in der Oper«, und debütierte hierauf am 27. März 1799 (als »Osmin« in »Entführung«) auf Engagement in Weimar und blieb daselbst bis zum 22. Januar 1804 um ein Engagement in Wien anzunehmen, was er jedoch später bitter bereute.) Sp. widmete sich aus Neigung ebenfalls der theatralischen Laufbahn und betrat als Schauspieler die Bühne. Man entdeckte jedoch sehr bald seine herrliche Stimme, die er in Hamburg ausbilden ließ. Er nahm zuerst in Wien Engagement (empfing dort Gesangsunterricht beim Hofkapellmeister Weigl) und erregte sowohl in komischen wie in Baßbuffopartien Aufsehen. Von dort kam er an das Königstädtsche Theater nach Berlin. Hier gefiel er besonders als »Papageno« in der »Zauberflöte«. Seine unversiegbare Laune, seine selten schöne Stimme, sowie sein mimisches Talent machten ihn bald zum erklärten Liebling der Berliner. C. L. Costenoble notiert über Sp. am 15. Mai 1823 in seinen »Tagebuchblättern«: »Spitzeder adressierte alle seine Monologe, zu meinem Ärger, an das Publikum, er scheint keinen Begriff davon zu haben, daß jeder Schauspieler sich eine Scheidewand zwischen Bühne und Parterre denken muß. Das ist um so bedauernswürdiger als Spitzeder einen ungeheuren Reichtum komischer Laune in sich trägt.« Am 15. September 1832 erhielt der nun schon berühmte Baßbuffo einen Ruf ans Münchner Hoftheater. Seiner dortigen bevorzugten Stellung konnte er sich jedoch nicht lange erfreuen, denn am 13. Dezember des genannten Jahres verschied er daselbst. Kaum hatten die Münchner Sp., diesen prächtigen Bassisten gewonnen, mußten sie schon seinen Verlust beklagen. Die deutsche Bühne besaß in ihm einen der besten Baßbuffosänger.

Sp. war zweimal verheiratet. Das erste Mal mit Henriette Schüler. Seine zweite Frau war Betty Spitzeder.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.

Dezember, Sektion 28

28-10-18: Johann Martin Bernatz (eBook)

Johann Martin Bernatz: VIII. Tanz der Elliab und Bor-Neger. Abbildung aus »Wilhelm von Harnier's Reise am oberen Nil«. Darmstadt, 1866.

Johann Martin Bernatz

22.3.1802 (Speyer) – 19.12.1878 (München)
Architekturmaler

  • Universal-Handbuch von München (1845)

  • Allgemeine Zeitung (28.1.1879)

  • Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

  • Allgemeine Deutsche Biographie (1902)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Allgemeine Zeitung (28.1.1879)

Nekrologe Münchener Künstler.

II. Joh. Martin Bernatz.

»Es schadet nichts in einem Entenhofe geboren zu werden, wenn man nur in einem Schwanen-Ei gelegen hat.« Dieses im autobiographischen Hinblick auf eigene Erlebnisse gebrauchte Wort des Märchen-Dichters Andersen kam uns wieder in Erinnerung über dem vielverschlungenen Lebensgange des wackeren Bernatz. Sowohl Vasari als Karl v. Mander berichten allerlei Beispiele wie manch späterhin berühmter Name auf weiten Umwegen der Kunst zugeführt und endlich erst in die seiner Natur angemessenen Bahnen gelenkt wurde. Aber ein Schlotsteinfeger oder Kaminkehrer war früher nicht aufzuweisen. Das blieb unserem Johann Martin Bernatz vorbehalten.

Derselbe wurde am 22 März 1802 zu Speyer geboren, wo sein Vater neben dieser Hantierung das Geschäft eines Maurermeisters betrieb. Martin und sein älterer Bruder Matthäus [Matthäus Bernatz, geboren 1800 zu Speyer, besuchte das Gymnasium daselbst und die Polytechnische Schule zu Wien, trat als Bau-Ingenieur in den bayerischen Staatsdienst, leitete den Bau der Caserne zu Speyers, lebt als Oberbaurath a. D. zur Zeit noch in München. Ein Karl Bernatz baute die neue romanische Kirche zu Friedberg bei Augsburg. Vgl. Beil. 209 »Allg. Ztg.« 28 Juli 1878.], welche allein von elf Geschwistern übrig blieben, theilten sich in das väterliche Geschäft, so daß letzterer alsbald das Studium der Architektur begann, während der jüngere als Lehrling und Geselle die Rauchfänge kehrte, bis 1826 eine Lungenentzündung eine andere Lebensbeschäftigung erheischte. Hatte er zwischendurch schon gründlichen Unterricht im Zeichnen erhalten, so besuchte er nun mit seinem Bruder die polytechnische Schule in Wien, versuchte dann unter Kellerhofen in Speyer die Oelmalerei und ging während seines zweiten Wiener Aufenthalts (1827–29) zur Architektur-Malerei über. Im August 1829 kam er nach München, von wo aus Bernatz das altbayerische Hochland, ebenso Niederbayern durchstreifte, woselbst er zu Straubing durch den Regierungspräsidenten v. Mulzer den Auftrag erhielt verschiedene alte historisch merkwürdige Denkmale zu zeichnen, welche auch Sr. Maj. König Ludwig I vorgelegt wurden. Zahlreiche Oelgemälde und Aquarelle entstanden, welche, ausgezeichnet durch gewissenhafte Treue und Sorgfalt der Durchbildung, die Aufmerksamkeit unseres guten Hofraths G. H. v. Schubert erregten, als dieser 1836 seine Orient-Reise rüstete und einen tüchtigen Zeichner als Begleiter suchte. So zog Bernatz als der Dritte im Bunde mit dem leider so früh vollendeten Dr. Erdl über Konstantinopel durch Kleinasien, Palästina und die Sinai-Halbinsel nach Aegypten, alle merkwürdigen Gegenden, Bauwerke und Ansichten mit seinem Stifte festhaltend. Eine Auswahl davon auf 40 Blättern gab Bernatz nach seiner Rückkehr unter dem Titel: »Bilder aus dem heiligen Lande, nach der Natur gezeichnet,« in Stuttgart 1839 (bei Steinkopf) heraus. In Folge davon kam eine Einladung aus England sich mit Dr. Johann Roth einer nach Ostindien bestimmten Expedition anzuschließen; als die Reisenden nach halbjähriger Seefahrt zu Neujahr 1841 in Calcutta eintrafen, legten sich unübersteigliche Hindernisse dazwischen; dagegen betheiligte ich Bernatz im Auftrag der englisch-indischen Regierung an einer wissenschaftlichen Durchforschung Abessiniens.

Endlich nach mehr als dreijähriger Abwesenheit kehrte unser Zeichner zurück, welcher die Früchte seines Fleißes unter dem Titel: »Scenes in Aethiopia« (London 1852) in Steindruck von Peter Herwegen publicirte; eine deutsche Bearbeitung erschien zu Hamburg 1855 (bei R. Besser) unter dem Titel: »Bilder aus Aethiopien. Nach der Natur gezeichnet und beschrieben von Joh. Martin Bernatz, Maler der letzten brittischen Gesandtschafts-Expedition nach Schoa in den Jahren 1841–43. Gewidmet – mit besonderer Erlaubniß – der Königin Victoria von England.« Das Prachtwerk zerfällt in zwei Abtheilungen: 1) Aden und das heiße vulcanische Tiefland des Danakil. 2) Das Hochland von Süd-Abessinien und Schoa [Vgl. Beil. 314 »Allg. Ztg.« 1852 und Beil. 43 ebendaselbst 1855]. Eine kostbare Sammlung der merkwürdigsten Skizzen zur Länder- und Völkerkunde malte Bernatz in Oel für das Album Sr. Maj. König Friedrich Wilhelms IV.

Von da an galt Bernatz gleich einer wissenschaftlichen Autorität. Humboldt, Schubert, Barth und Petermann erwiesen ihm Beifall, Anerkennung und Hochachtung; sein Lob verkündete Karl Ritter und Dr. G. Parthey in Berlin (Vortrag in der Sitzung des Geographischen Vereins vom 15 December 1852). Kein Reisewerk erschien ohne wenigstens mit einigen Illustrationen von seiner Hand geschmückt zu sein, so die »Palästina-Beschreibung« von Fr. Adolf und Otto Strauß, Th. v. Heuglins »Reise nach Abessinien« (Jena 1868), W. v. Harniers »Reise an den oberen Nil« (Darmstadt 1866) u. s. w.

Seit dem Jahre 1846 hatte Bernatz sich bleibend zu München niedergelassen. Wir begegneten ihm regelmäßig auf den großen Kunst-Ausstellungen (z. B. 1858) mit Aquarellen; auch im Münchener Kunst-Verein brachte er bisweile Oelbilder, z. B. »Die nubischen Salzseen« oder die »Kirche im Sinai-Kloster« (letztere noch 1877 als großes Oelbild), oder den »Vorhof der Suleiman-Moschee zu Konstantinopel« (Juli 1874). Auch bei der Verloosung zum Besten der allgemeinen deutschen Invaliden-Stiftung spendete er eine artistische Ehrengabe (»Fluß Rori im Hochlande von Schoa«). Seine Bilder tragen vorwiegend das Gepräge der Wahrheit, oftmals selbst auf Kosten des künstlerischen Gefühls, und die Farbe wurde hart und schwer; auch bei der Wiedergabe von architektonischen Denkmalen überwog nicht die poetische Stimmung, sondern die gelehrte Treue. Was sie also auf der einen Seite für die Wissenschaft gewannen, ging freilich andrerseits theilweise für die Kunst verloren. Dessen ungeachtet bleiben seine überaus fleißigen Arbeiten doch ein Zeugniß und eine Zierde der deutschen Ausdauer und Beharrlichkeit.

Bernatz entschlief am 19 December 1878 nach längerem, zuletzt schwerem Leiden, mit Hinterlassung einer Wittwe und eines unmündigen Sohnes. Der Hauptheil seines Nachlasses wäre für jedes ethnographische Cabinet ein wahrer Gewinn und erfreulicher Zuwachs.

Beilage zur Allgemeinen Zeitung Nr. 28. Dienstag, 28. Januar 1879.

Dezember, Mauer Links

ML-356: Lorenz Gedon (eBook)

Lenbach: Lorenz Gedon. Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

Lorenz Gedon

24.11.1844 (München) – 27.12.1883 (München)
Architekt und Bildhauer

  • Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (24.1.1884)

  • Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (5.6.1884)

  • Catalog der nachgelassenen Kunst-Sammlungen des Bildhauers und Architekten Lorenz Gedon in München (1884)

  • Allgemeine Deutsche Biographie (1904)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (24.1.1884)

Nekrologe.

Lorenz Gedon †. Am 27. Dez. 1883 morgens halb sechs Uhr entschlief sanft und ohne Schmerzen, nachdem er über ein Jahrzehnt an unheilbarem Wangenkrebs, den er von seinem Vater ererbt, gelitten, der Bildhauer Lorenz Gedon, im kaum begonnenen 40. Lebensjahre.

Lorenz Gedon ward am 24. November 1844 in München geboren und erlernte zunächst das Tischlergewerbe, bezog aber später die dortige Akademie und widmete sich der Bildhauerkunst, trieb dann daneben die Malerei und warf sich schließlich, die Malerei ganz aufgebend, auf die Architektur. Aber weder Plastik, noch Malerei, noch auch Architektur war sein Hauptfach. In den beiden erstgenannten Künsten schuf er nichts, was sich über das Niveau des Gewöhnlichen erhob, und seine Bauten, wie das vielbesprochene Haus des Grafen Schack, die Fassaden des sogen. Eymannsberger- und des Ruedererhauses, sowie der Umbau des Hotels Bellevue mit dem wunderlichsten aller Portale, sämtlich in München, lassen zwar ein schönes Talent, aber auch einen unleugbaren Mangel an solidem Studium erkennen, das eben nie durch Talent ersetzt werden kann. In einem Fache aber war Gedon fast unerreichbar: in der Dekoration. Galt es die Inscenirung eines Künstlerfestes, die Ausschmückung irgend eines Festraumes, da schuf er, unterstützt von einer übersprudelnden Phantasie, Hervorragendes. So ward er für die Dekoration des deutschen Kunstsalons der Weltausstellung des Jahres 1878 in Paris mit Recht mit Lob überhäuft und durch die Ausstattung des deutschen Saales in der Wiener internationalen Kunstausstellung zum eigentlichen Bahnbrecher auf diesem Felde. Nannte er sich scherzhafterweise dann und wann den »Reichstapezierer«, so lag darin ein gutes Korn Wahrheit. Glaubte man doch die Kraft des geistvollen Dekorateurs seit Jahren nirgendwo entbehren zu können. Schade nur, daß solche Arbeiten ihrer Natur nach in der Regel nur vorübergehende sind! Seine letzte Schöpfung dieser Art war die Dekorirung des neuen Lokals der Künstlergesellschaft Allotria, zu deren Gründung Gedon den ersten Anstoß gegeben hatte. Gedon und seine Freunde verlangten, als die Wiener Weltausstellung in Aussicht stand, in einer stürmischen Versammlung der Münchener Künstlergenossenschaft einen Kredit für die Dekoration gewisser Münchener Ausstellungsgegenstände, gegen welchen Antrag der damalige Genossenschaftsvorstand Conrad Hoff nicht ohne Heftigkeit sprach, indem er solche Dinge als »Allotria« bezeichnete. Dies Wort griff nun die Partei Gedons auf, konstituirte sich als geselliger Verein und es dauerte nicht lange, so gab dieser Verein, dank der Rührigkeit und Energie Gedons, in den meisten Künstlerangelegenheiten den Ausschlag.

Großen Einfluß übte Gedon auch auf das Münchener Kunstgewerbe aus, das ihm manche fruchtbare Idee und zahlreiche mitunter geistreiche Entwürfe verdankt. Er war ein echtes Münchener Kind, voll Begeisterung für seine Vaterstadt, geraden Sinnes, unter Umständen von göttlicher Grobheit, ein warmherziger Künstler, ein liebevoller Gatte und Vater, in seinem furchtbaren körperlichen Leiden ein Held, ein treuer Freund, ein guter Kamerad. Friede seiner Asche!

Carl Albert Regnet.

Carl Albert Regnet: Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 15. 24. Januar 1884.

Dezember, Neue Arkaden

NA-158: Max Emanuel Ainmiller (eBook)

Karikatur: Max Emanuel Ainmiller. ca. 1860. Porträtsammlung des Münchner Stadtmuseums.

Max Emanuel Ainmiller

14.2.1807 (München) – 9.12.1870 (München)
Architekturmaler, Glasmaler und Inspektor der königlichen Glasmalerei

  • Artistisches München im Jahre 1835 (1836)

  • Die bildende Kunst in München (1842)

  • Universal-Handbuch von München (1845)

  • Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (16.12.1870)

  • Kunstvereins-Bericht für 1870 (1871)

  • Über Land und Meer (1871)

  • Allgemeines Künstler-Lexicon (1895)

  • Berühmte Tote im Südlichen Friedhof zu München (1983)

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst (16.12.1870)

Nekrologe.

Max Emanuel Ainmiller †.

Wieder ist einer der Münchener Kunstveteranen heimgegangen, der oft genannte Inspektor der k. Glasmalereianstalt Max Emanuel Ainmiller, der am 8. December in München verschied. Ainmiller war im Jahr 1807 geboren und widmete sich zuerst der Baukunst, zu welchem Behufe er an der Münchener Akademie studirte, woselbst er sich vorzugsweise im Ornamentenfache ausbildete. Nach vollendeten Studien erhielt er die Stelle eines Ornamentenzeichners in der k. Porzellanmanufaktur in Nymphenburg, welche er aber schließlich verließ, um sich der durch Frank wieder erweckten Glasmalerei zu widmen, zu welcher er sich schon seit längerer Zeit hingezogen gefühlt. Es war vorwiegend die technische Seite dieser Kunst, welcher er seine volle Thätigkeit widmete, und man darf wohl behaupten, daß dieselbe die hohe Stellung, welche sie dermalen unter den Schwesterkünsten einnimmt, zum wesentlichen Theile den rastlosen Bemühungen Ainmiller’s verdankt. In früheren Jahren zeichnete er auch den größten Theil der Ornamente zu den großen Fenstern, welche aus der berühmten Münchener Anstalt hervorgingen. Ainmiller theilte mit Recht den europäischen Ruhm, dessen sich dieselbe erfreute und noch erfreut. Unter seiner Leitung entstanden die ausgezeichneten Glasmalereien für die Dome in Regensburg, Köln und Speyer, für die Kirche der Münchener Vorstadt Au, für die Universitätskirche in Cambridge und in neuerer Zeit für S. Paul in London, die Kathedrale in Glasgow und das Parlamenthaus in Edinburg. Sein früheres Studium der Baukunst führte ihn später zur Architekturmalerei, in welcher er namentlich in Bezug auf Schönheit und Korrektheit der Zeichnung Bedeutendes leistete. Seine einschlägigen Bilder stellen vorwiegend Bauwerke gothischen Styles dar. Ainmiller ist auch in der Neuen Pinakothek zu München vertreten und erfreute sich der besonderen Gunst König Ludwig’s ll. Die Münchener Akademie ehrte ihren vormaligen Schüler durch seine Aufnahme in ihren Verband, und seine Brust schmückten mehrere Orden.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst Nr. 5. Leipzig, 16. Dezember 1870.