Kriminalität

Furchtbarer Zorren durchbebte darob die Brust des Jünglings

Duell-Mord wegen eines Frauenzimmers.

Die Studenten Ollendorf und Robitsek waren zwei Freunde. Eines jener aufgeputzten Frauenzimmer, deren es in München übergenug gibt, übte auf den Jüngling Ollendorf einen derartigen Liebeszauber aus, daß er die Person als seine »Braut« erklärte, während sie in Wirklichkeit nichts zu sein schien als seine »Liebe«. Um als nützliches Glied in der Gesellschaft zu erscheinen, hieß sich diese »Braut« Modistin.

Die »Braut« empfing auch die Besuche des Freundes ihres Bräutigams. Es genügt, daß Robitsek bei einem derartigen Besuch der »Braut« Ollendorf’s von diesem in einer für ihn unerfreulichen Situation überrascht wurde. Furchtbarer Zorren durchbebte darob die Brust des Jünglings Ollendorf, der nun alsogleich eine Forderung auf Pistolen an seinen Freund Robitsek richtete. Dieser wollte ablehnen, da er das Fräulein »Braut« einen Waffengang nicht werth fand. Der Junge Ollendorf aber nahm die Sache so furchtbar tragisch, unbedingt dafür einen Gang auf Leben und Tod wegen des Frauenzimmers zu wagen und die Angelegenheit dem »studentischen Ehrenrathe« vorzulegen. Dieser »Ehrenrath« beschloß nun, daß die Sache mit der Schußwaffe auszutragen sei, was auch geschah.

Im Walde bei Großhesselohe erhielt nun der Student Ollendorf von Robitsek richtig ein Loch in den Bauch geschossen und der Frevel an Milla Mittlacher war jetzt gesühnt. Ollendorf starb an dem Schuß und Robitsek wurde als Duellant vor das Schwurgericht gestellt und als Duellmörder zur Strafe von einem Jahr Festungshaft verurtheilt. Den Jünglingen kann kein eigentlicher Vorwurf gemacht werden aus ihrer Handlung, desto mehr aber ihren Eltern, die sie mit viel zu viel Geld ausstatteten, um sie damit zu allerlei Allotria zu verleiten. Solch jungen Leuten, die noch keinen Pfennig zu verdienen in der Lage sind, Geld in Beträgen in die Hand zu geben, die sie in späteren Jahren in ihrem Berufe nicht zu erwerben vermögen, ist ein großer Fehler der Eltern, der sich in den häufigsten Fällen bitter rächt. Hätten die Jünglinge mit einer kleinen elterlichen Unterstützung haushalten müssen, dann wäre es zunächst dem Ollendorf nicht eingefallen, so ein Frauenzimmer anders zu taxiren als sie zu taxiren ist und hätte er sicher daran keinen Anstoß genommen, daß sie sein Freund geküßt hat, denn er hätte eine Ahnung davon gehabt, daß dieses Frauenzimmer vielleicht schon vor ihm in den Armen Anderer gelegen und auch nach ihm dieses thun wird. Er hätte sie zum Teufel gejagt und nach Bedürfniß anderswo Ersatz gesucht, den er in München hundertfältig gefunden hätte, da es hier derartige Geschöpfe in Masse gibt. Wegen eines Frauenzimmers – und wäre es selbst ein Engel in jeder Hinsicht – einen Gang auf Leben und Tod zu unternehmen, dazu gehört der ganze Wahnsinn ungelauterter Jünglinge. Von diesem Standpunkte aus wollten wir den Vorfall betrachten, vom Standpunkte der Unmoral des Duells aus wurde er schon in anderen Blättern gebührend erörtert.

Münchener Ratsch-Kathl No. 52. Mittwoch, den 29. Juni 1898.

Kirche, Kriminalität

Missbrauch – Eine katholische Tradition


Landshuter Zeitung (26.9.1876)

München, 28. Septbr. Vor dem k. Bezirsgerichte München stand heute der Pfarrer Carl Scherbauer von Sauerlach, angeklagt zweier Verbrechen gegen die Sittlichkeit, begangen an der 16jährigen Schuhmacherstochter Ursula Andrä und der 12jährigen Gütlerstochter Katharina Bortenlänger von dort. Die Verhandlung fand bei beschränkter Oeffentlichkeit statt. Der Angeklagte gestand tief ergriffen, beschämt und mit sichtlicher aufrichtiger Reue seine Schuld ein, welche in der Vornahme unzüchtiger Handlungen mit den genannten beiden Mädchen besteht, die er unter verschiedenen Vorwänden einigemal auf sein Wohnzimmer hatte kommen lassen und worüber unter der Sauerlacher Bewohnerschaft schon seit einem halben Jahre Gerüchte umliefen, welche den Bürgermeister aus Besorgniß, daß es leicht zu einem nächtlichen Unfug gegen den Pfarrer kommen könnte, veranlaßten, den Gendarmeriekommandanten der Station Sauerlach zur Anzeige aufzufordern. Die k. Staatsbehörde hob bei Begründung der Anklage besonders hervor, daß in vorliegendem Falle wohl auf das höchste Strafmaß zu erkennen sei, indem es sich hier um einen Mann handle, welcher als Priester und Seelsorger vor Allem berufen sei, die Jugend zur Sittlichkeit anzuhalten und statt dessen sich an derselben so schwer verfehlt habe. Der Verteidiger, Hr. Accessist Angstwurm, suchte mit seiner bekannten Beredsamkeit die Schuld seines Clienten möglichst zu mildern, und den Gerichtshof zur Annahme mildernder Umstände zu bewegen, worauf letzterer jedoch nicht einging und den Pfarrer Scherbauer zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren und 5jährigen Ehrenverlust verurtheilte. Der Staatsanwalt hatte 5 Jahre Zuchthaus und 10jährigen Ehrenverlust beantragt.
Landshuter Zeitung Nr. 222. Dienstag, den 26. September 1876.


Annonce der Freiwilligen Feuerwehr Ramsau zur Verabschiedung des Pfarrers Scherbauer (Bayerischer Kurier vom 7.5.1874)
Annonce der Freiwilligen Feuerwehr Ramsau zur Verabschiedung des Pfarrers Scherbauer (Bayerischer Kurier vom 7.5.1874)
Kriminalität

Reibungen in diesem Betreff

Wegen dem Ausweichen geriethen kürzlich auf der Straße bei Gerstenhofen, Landgericht Göggingen, zwei Fuhrleute in Streit, beide erhizten sich dermaßen, daß der eine den andern mit dem Messer auf der Stelle tödtete. Reibungen in diesem Betreff sind nichts seltenes.

Der Eilbote Nr. 43. Landau, den 28. Oktober 1837.

Kriminalität

Schandpfahl

Der 27jährige ehemalige Gemeine des königl. Leib-Regiments, Johann Siegel, aus Seiboldsried, k. Landgerichts Regen, welcher bereits schon 2 Jahre wegen Raubmord in Untersuchung gelegen und zur Kettenstrafe mit Anlegung der Kugel verurtheilt wurde, ist gestern Mittags von 11 bis 12 Uhr vor dem Karlsthore, ehe er in das Strafarbeitshaus dahier abgeführt wurde, unter Zulauf einer zahllosen Menschenmenge an dem Schandpfahle ausgestellt worden.

Der Bayerische Volksfreund. München, den 1. Februar 1827.

Kriminalität

Sterbehilfe & Selbstmord

Glasmalerei im Neuen Rathaus am Marienplatz im Bezirk Altstadt-Lehel in München

Ein furchtbares Ereigniß hat eine geachtete Familie zu Paris in die größte Bestürzung versetzt. Mde. C. litt seit einiger Zeit an einer überaus schmerzhaften Brustkrankheit. Ihre Aerzte gaben sie gänzlich auf, die Qualen nahmen täglich zu und der Tod zögerte demungeachtet zu erscheinen, um sie zu befreien. Da faßte der älteste ihrer drei Brüder, Lehrer an einer der ersten Unterrichts-Anstalten von Paris, den Entschluß, seine zärtlich geliebte Schwester ihrer martervollen Lage zu entreißen. Er verfügte sich den 9. April an ihr Krankenlager, schoß ihr eine Kugel durch den Kopf und nahm die Flucht. In einem Briefe, den er an seinen Vater hinterließ, meldete er, daß er, beim Erbrechen desselben nicht mehr am Leben seyn würde. Der Unglückliche hat Wort gehalten – man fand in einigen Stunden darauf seine Leiche. Die letzten Worte seines Briefes an seinen Vater enthielten die Bitte, an der Seite seiner lieben Schwester begraben zu werden.

Münchner Tagsblatt Nr. 110. Mittwoch, den 21. April 1830.

Kriminalität

Tödliche Flucht

Obergünzburg, 4. Nov. Am 1. d. Mts. wurde die blödsinnige 52jährige Genovefa Filser von Reigers, hiesigen Gerichts, unweit genannten Ortes als Leiche aufgefunden. An derselben wurden Spuren erlittener Mißhandlung wahrgenommen, in Folge dessen sie sich höchst wahrscheinlich vom Hause entfernt, im Freien übernachtet und durch Kälte ihren Tod fand.

Augsburger Tagblatt Nr. 308. Samstag, den 8. November 1856.