Kinder

Einstige Erziehungsmethode

Vor etwas mehr als 200 Jahren starb in einem Städtchen in Schwaben der Schulmeister Joh. Jakob Häuberle. Er war Lehrer an der Stadtschule und hatte während seiner 51jährigen und siebenmonatlichen Amtsführung nach einer mäßigen Berechnung folgende Strafen erteilt: 911527 Stockschläge, 124010 Rutenhiebe, 20 989 Pfötchen und leise Andeutungen mit dem Lineal, 136 715 Streiche auf die Hand, 10235 Maulschellen, 7905 Ohrfeigen, 1115800 sog. Kopfnüsse, 22793 Notabenes mit dem Katechismus und der Grammatik. 777mal hat er Knaben auf Erbsen knieen lassen und 613mal auf einem dreieckigen Holze. 5000 Knaben mußten den Esel tragen, 1707 die Rute hoch halten.

Das Bayerland. Illustrierte Wochenschrift für bayerische Geschichte und Landeskunde. 1892.

Kinder

Sie schlafen wo sie unterkommen

Daß man diese Kinder schlafend in den Hauseingängen findet ist nichts Neues. Fragt aber ein Gendarm solch ein Kind um Name, Wohnung, so darf er versichert sein, die Wahrheit nicht zu erfahren. Sie sind meist raffiniert an das Streunen gewöhnt. Will nun gar ein Aufsichtsorgan die Wahrheit erfahren und dieselben zur Polizei sistieren, so hat er das Publikum gegen sich, das ihm durchaus keine schmeichelhaften Namen zuruft. Die Kinder wissen dies, werden immer dreister, sie fühlen es daß sie Schutz finden, erregen in den Lokalen Mitleid, werden da und dort mit Speisereien und Getränken reichlich überhäuft und zuletzt ist ihnen dies Leben behaglich und sehnen sich weder mehr nach Schule noch an das Lernen, auch nimmer an das Elternhaus. Sie schlafen wo sie unterkommen.

Münchener Ratsch-Kathl. 20. Januar 1897.

Kinder, Kriminalität

Bei Gelegenheit eines unsittlichen Umganges

Verhandlungen des k. Bezirksgerichts München I/I. Sitzung am 12. Febr. Rosina Dangl, Meerschaumschneiderstochter von der Vorstadt Au, noch nicht 16 Jahre alt, wurde wegen Vergehens des Diebstahls, zum Schaden des Handlungsreisenden J. B. aus Berlin durch Entwendung einer silbernen Taschenuhr mit goldener Kette im Werthe von 55 fl. bei Gelegenheit eines unsittlichen Umganges, in eine monatliche Gefängnißstrafe verurtheilt.

Münchener Omnibus. Sonntag den 15. Februar 1863.

Kinder

Komme mit mir, kannst ein Jäger werden

Am verwichenen Samstag ließ ein Bauer auf der Schranne dahier einen 6jährigen Waisenknaben mitten unter dem Gewühle von Menschen stehen, um desselben los zu werden. Ohne Hut, und elend gekleidet, erbarmte sich eine gute Frau aus der Vorstadt Au über den Verlassenen, und begab sich einstweilen, da sie selbst mehrere Kinder hat, und keine größere Zahl ernähren kann, zum Hrn. Kunsthändler Mühlberger, um sich Rathes zu holen. Es befand sich eben daselbst die Frau Försterin von Germering, vernahm die hilflose Lage des armen Knaben und erbarmte sich seiner.»Komme mit mir, kannst ein Jäger werden,« sagte die brave Frau, und somit hatte das verlassene Kind eine würdige Mutter gefunden. Der Himmel segne sie für diese edle That.

Der Bayerische Volksfreund. München, den 26. Juli 1828.