Essen & Trinken

Auseinandersetzungen mit Kellnern über mangelhafte Aufmerksamkeit fallen vollständig weg

Automatisches Restaurant. Nach dem Vorbild anderer Großstädte wird auch in München demnächst ein ständiges »Automatisches Restaurant« erhalten. Der ebenso rührige als strebsame Besitzer des Hotel und Cafe Imperial, Herr Georg Strebl, wird mit Beginn des Frühjahrs sein über 300 Quadratmeter großes Parterrelokal zu vorgenanntem Zweck einrichten und auf die splendideste und zweckmäßigste Weise die neuesten und besten automatischen Apparate aufstellen. Jedermann kann dann gegen Einwurf von einem oder mehreren Nickeln Kaffee, Bier, Wein und Cognac oder nach Belieben belegte Brödchen, warme Würste und vielerlei andere Speisen und Getränke erwerben und sich dabei selbst bedienen. Auseinandersetzungen mit Kellnern über mangelhafte Aufmerksamkeit oder irrige Rechnung fallen vollständig weg. Ebenso beansprucht der Automat kein Trinkgeld; es spielt sich für den Gast alles in schnellster, geräuschlosester und coulantester Form ab. Diese automatischen Restaurants haben sich z. B. in Berlin, Hamburg und Wien, wie auch an anderen Plätzen bestens bewährt und werden vom Publikum förmlich belagert. Auch das hiesige, welches das größte Etablissement dieser Art in Deutschland und erstes in Bayern werden soll, dürfte häufigen Zuspruch finden; wir wünschen dem Unternehmen des Herrn Strebl bestes Gedeihen und werden bei Eröffnung noch genauer darauf zurückkommen.

Münchener Ratsch-Kathl No. 19. Samstag, den 5. März 1898.

Essen & Trinken

Halbe und Schoppen

Herr Quirin Müller vom Augustiner ist gegenwärtig in einen Bierstreit verwickelt, weil er sich geweigert hat, einem Gast einen Schoppen Bier zu verabreichen. Das ist aber nicht anders als natürlich. Denn wenn man in besagtem Lokale eine Halbe verlangt, bekommt man ohnedies nur einen Schoppen, würde man also einen Schoppen verlangen, so bekäme man gar nichts und »gar nichts« einzuschenken dürfte wohl dem geschicktesten Schenkkellner nicht möglich sein. Deßhalb kann man also im Augustiner keinen Schoppen abgeben.

Münchener Ratsch-Kathl No. 58. Mittwoch, den 20. Juli 1898.

Essen & Trinken

Hartnäckige Bierstreiker

In einem größeren, mit mehreren Brauereien gesegneten Gebirgsort wollten die Bräuer ebenfalls den Bierpreis erhöhen. Vor kurzem versammelten sich nun zahlreiche männliche Einwohner, aber um ja kein Bier trinken zu müssen, nicht in einem Lokal, sondern außerhalb des Ortes auf einer Wiese. Die 12 bis l300köpfige Versammlung beschloß, bei Eintritt der Bierpreiserhöhung keinen Tropfen Bier mehr zu trinken. Nach Schluß dieser einzigartigen Versammlung zogen die Teilnehmer gruppenweise durch den Ort, sie hielten aber auch Wort, nicht ein einziger suchte eine Wirtschaft auf, sondern sie legten den teilweise mehrstündigen Weg ohne eine alkoholische Stärkung zurück. Die Folge davon war, daß es die eingeschüchterten Bräuer bei dem bisherigen Bierpreis beließen.

Münch’ner Stadtanzeiger und Münch. Ratschkathl Nr. 3. Samstag, den 18, Januar 1908.

Essen & Trinken

Den ganzen Tag voll von Menschen aller Stände

Hofbräuhaus am Platzl, den ganzen Tag voll von Menschen aller Stände, fast ohne Bedienung. Jeder nimmt einen Maßkrug vom Tisch, spült ihn selbst rein, reicht ihn gegen Bezahlung, indem er sich die Nummer desselben merkt, an den Schenktisch, nimmt ihn gefüllt wieder zurück und sucht sich im Haus oder im Hof einen Platz zum Sitzen.

K. Baedeker: Handbuch für Reisende. Koblenz 1863.