Alte Arkaden, Januar

AA-05: Emil Meßthaler (eBook)

Emil Meßthaler. Schauspieldirektor des Deutschen Theaters in München. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München.« Wien, 1. September 1896.
Emil Meßthaler. Schauspieldirektor des Deutschen Theaters in München. Abbildung von Jan Vilímek aus »Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München.« Wien, 1. September 1896.

Emil Meßthaler

20.6.1869 (Landshut) – 7.1.1926 (München)
Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor

  • Der Humorist (10.7.1894)

  • Allgemeine Zeitung (17.10.1895)

  • Allgemeine Zeitung (3.11.1895)

  • Der Humorist (1.9.1896)

  • Rosenheimer Anzeiger (3.11.1896)

  • Allgemeine Zeitung (7.11.1901)

  • Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Der Humorist (1.9.1896)

Emil Meßthaler.
Schauspieldirector des Deutschen Theaters in München.

Das neue, von dem genialen Architekten Alexander Bluhm erbaute »Deutsche Theater« in München wird, zuverlässigen Berichten zufolge, im September l. J. eröffnet werden. Ganz unglaublich groß waren die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich dem neuen Unternehmen entgegenstellten, und die es nun siegreich überwunden hat. Mit gespanntem Interesse sieht man dem beginnenden Wettkampfe des neuen Theaters entgegen und naturgemäß concentriert sich der größere Theil dieser Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeit seines Directors: Emil Meßthaler, dessen wohlgetroffenes Porträt wir auf der Stirnseite der vorliegenden Ausgabe unseren geehrten Lesern bieten. Ist der kaum 27jährige Director, hört man im Publikum fragen, auch der geeignete Mann, dem neuen Kunstinstitute Geltung und Bedeutung in der Theaterwelt zu verschaffen? Die künstlerischen Erfolge, welche Director Emil Meßthaler als Theaterleiter bis jetzt erzielt hat, lassen diese Frage ohne Weiteres mit einem »Ja« beantworten. Durch die Gründung und Leitung des »Theaters der Modernen« ist es Emil Meßthaler gelungen, seinen Namen in ganz Deutschland zu einem rühmlichst bekannten zu machen. Muthig, unverzagt, keine pecunären Opfer scheuend, nahm er sich der allerorten so stiefmütterlich behandelten modernen dramatischen Muse an und führte sie in einem Siegeslauf durch die deutschen Lande. Wer erinnert sich nicht z. B. des ungewöhnlichen Aufsehens, welche das »Theater der Modernen« vor ungefähr zwei Jahren in Leipzig erregte? Es entfachte einen fast noch nicht dagewesenen Zeitungskrieg und bewirkte eine Massenwanderung der biederen, schwer aus ihrer Ruhe zu bringenden Leipziger zu den Vorstellungen von »Gespenster«, »Jugend«, »Einsame Menschen« etc. Enthusiastisch nahm das zahlreich erschienene Publicum die Darbietungen auf, und freute sich dankbarst der Bekanntschaft jener Werke, welche man ihm so lange beharrlich vorenthalten hatte, und so wie in Leipzig, sah Meßthaler mit seiner wackeren Künstlerschaar in allen größeren Städten Deutschlands und Hollands, wie Bremen, Breslau, Hannover, München, Wiesbaden, Halle, Amsterdam, Rotterdam etc. sein muthiges Wagen durch große Erfolge belohnt. Ibsen, Zola, Hauptmann, Halbe u. A. dürfen in Emil Meßthaler getrost einen ihrer eifrigsten Apostel erblicken. Jung, thatkräftig, mit zäher Ausdauer Alles beseitigend, was sich ihm hindernd in den Weg stellt, mit enstem Verständnis für die wahre Kunst ausgerüstet, wird Emil Meßthaler bald zu den hervorragendsten Bühnenleitern, das »Deutsche Theater« in München zu den ersten Kunstinstituten Deutschlands zählen.

Der Humorist Nr. 25. Fest-Nummer anlässlich der Eröffnung des neuen Deutschen Theaters in München. Wien, 1. September 1896.

Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne (1903)

Meßthaler Emil, geboren 1869 in Landshut, Sohn eines Münchner Hoteliers, wandte sich schon sehr früh der modernen Bühnenrichtung zu. 1891 nahm er Engagement am Gärtnerplatztheater, trat 1893 als jugendlicher Held und Liebhaber in den Verband des Dresdner Schauspielensembles und übernahm 1894 als selbständiger Leiter das Schauspielensemble in München. Mit diesem hatte er unter dem Titel »Theater der Moderne« die Propaganda für die andere Richtung in hervorragenden deutschen Städten mit einem aus ihren Stücken gebildeten Repertoire und mit Schauspielern, die »für diese oft tiefsinnigen, oft abgeschmackten Seelenmalereien besonders geschult waren« mit Eifer betrieben. Er selbst spielte mit großem Erfolg die jugendlichen Hauptrollen, und zwar gastierte er vom 1. März bis 1. Juli 1894 in Leipzig, Halle, Hannover, Bremen, Aachen, Wiesbaden und München und vom 1. Oktober 1894 bis 1. Mai 1895 u. a. auch in den größeren Städten Hollands. Im Jahre 1896 eröffnete er das Deutsche Theater in München, und hielt mit seiner Truppe, meistens Schauspielern, die bei seinen deutschen Tourneen mitgewirkt, seinen Einzug. Er wurde von dem Unternehmer auf die Dauer von zehn Jahren verpflichtet, mit seinem Schauspielensemble während des ganzen Jahres daselbst Vorstellungen zu geben. Doch bald folgten unerquickliche Streitigkeiten und Prozesse und M. trat zurück. Er wurde von Emil Drach abgelöst. Fortab erschien er meist ohne festes Engagement, sondern nur gastierend, wozu ihm hauptsächlich wieder Ibsen, Hauptmann, Sudermann etc. das Material lieferten. 1900 gründete er im Herbst mit gleichem Repertoire das intime Theater in Nürnberg und reüssierte daselbst außerordentlich. Der ihm innewohnende Wandertrieb veranlaßte jedoch den Künstler zur Verpachtung des Theaters ab Herbst 1901. Von diesem Termine ab will er sich wieder neuen Projekten zuwenden.

Ludwig Eisenberg’s Grosses Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert; Verlagsbuchhandlung Paul List; Leipzig, 1903.